Devastierung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Devastierung – auch Devastation (aus der lateinischen Sprache entlehnt: vastus = weit, leer, öde) – wird im Allgemeinen die Zerstörung oder Verwüstung von Landschaften, Ortschaften oder einzelnen Bauwerken verstanden. Nach der Devastierung aufgegebene Ortschaften werden Wüstung genannt.

Gründe für Devastierungen[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Details zu anderen Auslösern von Devastierung außer dem Braunkohlebergbau

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Größere Zerstörungen wurden in der Vergangenheit vor allem durch Kriegshandlungen, Brände oder Seuchen hervorgerufen.

Mit dem Begriff werden heute ebenso Landschaftszerstörungen durch die Abholzung von Wäldern, die Ausweisung von Truppenübungsplätzen, die Anlage von Tagebaugruben, Abraum- oder Bergehalden im Bergbau sowie Siedlungszerstörungen durch den Bau von Talsperren bezeichnet. Inzwischen bezeichnet der Begriff auch innerstädtische Flächen, deren vormalige Wohnbebauung im Rahmen des großflächigen Wohnungsrückbaus (siehe auch: Stadtumbau) in ostdeutschen Städten abgerissen und beräumt wurde.

Braunkohlebergbau[Bearbeiten]

Tagebau Breitenfeld, Wolteritz, 1990

Am häufigsten wird der Begriff Devastierung im Zusammenhang mit Ortsverlagerungen als Auswirkung des Braunkohlebergbaus verwendet. Insbesondere die extensive Landschaftsinanspruchnahme der Großtagebauförderung macht oft die Aufgabe von Siedlungen notwendig. In den deutschen Braunkohlerevieren fanden bislang folgende Siedlungsverlagerungen statt:

  • Lausitzer Revier: Devastierung von 135 Siedlungen, Umsiedlung von 27.500 Einwohnern, davon 103 Siedlungen und 22.200 Einwohner in Brandenburg und 32 Siedlungen und 5.300 Einwohner in Sachsen;
  • Mitteldeutsches Revier: Devastierung von 126 Siedlungen, Umsiedlung von 51.200 Einwohnern, davon 72 Siedlungen und 23.000 Einwohner in Sachsen, 40 Siedlungen und 26.200 Einwohner in Sachsen-Anhalt und 4 Siedlungen und 2.000 Einwohner in Thüringen;
  • Rheinisches Revier: 47 Siedlungen und 28.400 Einwohner;
  • Helmstedter Revier: 4 Siedlungen und 2.850 Einwohner.[1]

Insgesamt fielen dem deutschen Braunkohlenbergbau damit seit Beginn des 20. Jahrhunderts 312 Siedlungen zum Opfer, 109.950 Einwohner wurden umgesiedelt. Ein Großteil der devastierten Orte entfiel auf die Reviere in der DDR, da hier der Braunkohlenbergbau aus Autarkiegründen nur wenig Rücksicht auf die gewachsene Kulturlandschaft mit ihren teils jahrhundertealten Siedlungen nehmen durfte. In den auch als verlorene Orte bezeichneten überbaggerten Ortschaften wohnten im Mitteldeutschen Revier – wie in Magdeborn – bis zu 3.200 EW. Zur Fortführung des Braunkohleabbaus über 1990 hinaus wurden aber bereits Planungen zur Umsiedlung von Kleinstädten wie Zwenkau und Pegau mit über 7.000 Einwohnern erarbeitet. Auch in der Oberlausitz existierten Planungen für die Überbaggerung von weiten Teilen Zittaus. Die Beispiele Heuersdorf und Horno machen deutlich, dass der Braunkohlenbergbau auch aktuell noch Eingriffe in das Siedlungsnetz notwendig macht. Dabei zeigen die in beiden Fällen geführten langwierigen Prozesse aber auch, dass die Bemühungen zu sozialverträglichen Umsiedlungen nicht zwangsläufig akzeptable Umsiedlungsverfahren wie im Falle der Gemeinde Großgrimma hervorrufen.

In anderen, europäischen Braunkohlenbergbaugebieten waren ebenfalls vergleichbare Devastierungen zu verzeichnen, wobei das dicht besiedelte nordböhmische Braunkohlerevier besonders betroffen war. Hier erfolgten im 20. Jahrhundert großflächige Eingriffe in das Siedlungsnetz, denen allein im Abbaugebiet um Most (Brüx) 33 Siedlungen zum Opfer fielen. Etwa 46.000 Menschen wurden umgesiedelt. Markant war dabei vor allem der Abriss der Moster Altstadt und die weltweit beachtete und technisch anspruchsvolle Versetzung der Dekanatskirche auf einen ausgekohlten Restpfeiler.

Auch andere Bergbauzweige können Devastierungen von Siedlungen verursachen. Beispielhaft sei hier auf die Uranerzförderung der SDAG Wismut hingewiesen, der in der sächsisch-thüringischen Uranprovinz vier Siedlungen komplett und weitere neun Siedlungen zum Teil zum Opfer fielen.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Rekultivierung[Bearbeiten]

Der Nordteil des Tagebaus Espenhain bildet heute den Markkleeberger See (im Vordergrund die Wildwasseranlage)

Nach Beendigung des Bergbaus schreiben die jeweiligen nationalen Gesetze das Durchführen von Rekultivierungs- und/oder Kompensationsmaßnahmen für erfolgte Devastierungen vor. Die gesetzlichen Rahmenvorgaben weichen teilweise stark voneinander ab, sodass sich eine verallgemeinerbare Revitalisierungsstrategie zur Wiederherstellung devastierter Landschaften nicht bestimmen lässt. In Deutschland werden die Bergbaufolgelandschaften des Braunkohlen- und Uranbergbaus in engem Zusammenspiel von bergbaulicher und Regionalplanung gestaltet, um eine ökologisch stabile und vielfältig nutzbare Landschaft zu schaffen. Vor allem die in den Braunkohlerevieren entstehenden Seenlandschaften wie das beispielsweise das Leipziger Neuseenland sollen touristisch nachgenutzt werden.

Auch in Osteuropa werden bergbaulich devastierte Flächen erfolgreich wiederhergestellt. Hier und in Ländern der Dritten Welt gibt es noch Bergbaufolgelandschaften, die aufgrund von Rechtslücken und fehlenden finanziellen Möglichkeiten wüst liegenbleiben und sich selbst überlassen werden.

Eine weitere Nachnutzungsmöglichkeit devastierter Flächen ist die Produktion nachwachsender Rohstoffe (z. B. Kurzumtriebsplantagen).

Literatur[Bearbeiten]

  • Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hg.): Braunkohlenplanung und Umsiedlungsproblematik in der Raumordnungsplanung Brandenburgs, Nordrhein-Westfalens, Sachsens und Sachsen-Anhalts. ARL-Arbeitsmaterial Band 265, Hannover 2000.
  • Andreas Berkner: Bergbaubedingte Ortsverlegungen in den mitteldeutschen Braunkohlenrevieren und ihre Folgen für die Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur. In: Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften Bd. 16, Halle 1994, Seite 113–128.
  • Andreas Berkner: Braunkohlenbergbau und Siedlungsentwicklung in Mitteldeutschland. Gratwanderung zwischen Aufschwung, Zerstörung und neuen Chancen. In: Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle (Hg.): Braunkohlenbergbau und Siedlungen. Leipzig 2001, S. 8–19, ISBN 3-9807201-3-6.
  • Konrad Billwitz: Das nordböhmische Braunkohlenbecken. Probleme seiner landeskulturellen Entwicklung. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle. Heft 4/1977, Halle 1977, S. 83–103.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer. Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlenreviers bis 1993. In: Schriften des Sorbischen Instituts Bd. 8. Domowina Verlag, Bautzen 1995, ISBN 3-7420-1623-7.
  • B. Griehl: Wird die Umweltbelastung bewußt in Kauf genommen? Devastierung und Rekultivierung in Nordböhmen und Nordmähren. In: Geographie heute. Heft 10/1982, Seite 52–59.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Gesamtbilanz (Stand: 2001) nach: Andreas Berkner: Braunkohlenbergbau und Siedlungsentwicklung in Mitteldeutschland. Gratwanderung zwischen Aufschwung, Zerstörung und neuen Chancen. In: Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle (Hrsg.): Braunkohlenbergbau und Siedlungen. Leipzig 2001. S. 8–19. ISBN 3-9807201-3-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]