Devrimci Yol
Devrimci Yol (Revolutionärer Weg, auch Dev-Yol) betrat zum ersten Mal am 1. Mai 1977 mit der ersten Ausgabe der gleichnamigen Zeitschrift die politische Bühne.[1] Sie bildete sich aus Mitgliedern der Dev-Genç in Auseinandersetzung mit den Thesen der Türkischen Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C) des Mahir Çayan. Dev-Yol betrachtete sich selber eher als Bewegung, obwohl sie marxistisch-leninistische Organisationsprinzipien verfolgte. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 wurden viele Prozesse gegen Anhänger der Organisation geführt, so dass ein organisatorischer Zusammenhalt verloren ging.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Anklageschrift der militärischen Staatsanwaltschaft in Ankara
Nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 wurde der zentrale Prozess gegen Angehörige von Devrimci Yol vor dem Militärgericht in Ankara geführt. Dort waren 723 Personen angeklagt. Gegen 74 von ihnen plädierte am 4. Mai 1988 der Staatsanwalt auf Todesstrafe.[2] Der Prozess hatte am 18. Oktober 1982 begonnen. In der Anklageschrift hatte der Militärstaatsanwalt Oğuzhan Müftüoğlu, Nasuh Mitap, Ali Başpınar, Melih Pekdemir, Ali Alfatlı, Mehmet Akın Dirik und Mehmet Ali Yılmaz als Mitglieder des Zentralkomitees bezeichnet, das im April 1979 geformt wurde. Neben den so genannten Widerstandkomitees, deren Aufgabe der Kampf gegen den Faschismus aber auch zur Übernahme der Macht im Lande gewesen sei, habe es aber auch bewaffnete Widerstandskomitees gegeben.[3]
[Bearbeiten] Verfahren gegen Devrimci Yol mit Todesstrafe
Einige Verfahren, die nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 gegen Angehörige der Devrimci Yol geführt wurden und in denen Todesstrafen verhängt wurden, sind:[4]
| Ort | Datum | Angeklagte | Todesstrafe |
|---|---|---|---|
| Izmir | 30.07.1981 | 18 | 3 |
| Adana | 10.11.1981 | 57 | 7 |
| Gölcük | 21.04.1983 | 49 | 2 |
| Iskenderun | 15.09.1983 | 150 | 5 |
| Izmir | 19.11.1983 | 115 | 4 |
| Giresun | 25.01.1984 | 291 | 8 |
| Ünye | 22.04.1984 | 64 | 5 |
| Usak | 22.05.1984 | 107 | 13 |
| Elazig | 29.01.1985 | 41 | 3 |
| Merzifon | 16.05.1985 | 901 | 1 |
| Artvin | --.11.1985 | 939 | 11 |
| Samsun | 05.04.1986 | 47 | 2 |
| Gölköy | 06.06.1986 | 101 | 3 |
| Adana | 18.06.1986 | 331 | 19 |
| Ankara | 17.07.1989 | 723 | 7[5] |
| Fatsa | 1989/1990? | 811 | 8[6] |
[Bearbeiten] Hinrichtungen
von Devrimci-Yol-Anhängern (zwischen 1980 und 1984)
- Veysel Güney in Gaziantep am 11. Juni 1981
- Mustafa Özenç in Adana am 20. August 1981
- İlyas Has in İzmir am 7. Oktober 1984
- Hıdır Aslan in Burdur am 25. Oktober 1984
[Bearbeiten] Verfassungsschutzberichte
Sowohl das Bundesamt für Verfassungsschutz als auch die Landesämter haben beständig auf Devrimci Yol als eine Organisation der extremen Linken aus der Türkei verwiesen. Exemplarisch sei hier auf den Verfassungsschutzbericht 2005 [7]eingegangen
- „Die Organisation ‚Devrimci Yol‘ galt in den 1970er Jahren in der Türkei wegen ihrer terroristischen Aktivitäten als die gefährlichste Extremistengruppe [...] Seit Jahren ist die Gruppe in der Türkei nicht mehr terroristisch tätig, erinnert aber auf ihrer Internetseite weiterhin an ihre Vergangenheit. In Deutschland trat die Organisation Devrimci Yol seit 1984 vornehmlich unter der Bezeichnung Devrimci İşçi ("Revolutionäre Arbeiter") auf. Seit 1993/1994 zerfiel sie jedoch infolge von Inaktivität und Führungsschwäche ihrer Funktionäre. Zurzeit verfügt sie in Deutschland nur noch über wenige Mitglieder.“
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Die auch als Erklärung (bildirge) bezeichnete Ausgabe kann im Originalwortlaut im Internet nachgelesen werden
- ↑ vgl. den Bericht von amnesty international vom 27. Juni 1988, AI Index: EUR 44/47/88
- ↑ vgl. Abdruck in der Tageszeitung Cumhuriyet vom 1. November 1982
- ↑ Die Angaben sind vorwiegend einer Aufstellung der alternativen türkeihilfe vom 2006.1986 entnommen. Sie beruhen auf Meldungen in der türkischen Presse, d.h. die Datenangaben sind die Daten der Berichterstattung.
- ↑ Zahlen sind der Meldung aus Habervitrin entnommen
- ↑ Halil Nebiler. Pişman İtirafçılar. İstanbul Kasım 1990
- ↑ [1]