Diacetyldioxim

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Strukturformel
Strukturformel von Diacetyldioxim
Allgemeines
Name Diacetyldioxim
Andere Namen
  • Dimethylglyoxim
  • Biacetyldioxim
  • DMG
  • DAD
  • 2,3-Butandiondioxim
  • Tschugaeff-Reagenz
Summenformel C4H8N2O2
CAS-Nummer 95-45-4
PubChem 5323784
Kurzbeschreibung

farbloses, geruchloses Pulver[1]

Eigenschaften
Molare Masse 116,12 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt
  • 245–246 °C (Zersetzung) [1]
  • 240–241 °C (Zersetzung) [2]
Löslichkeit

wenig löslich in Wasser (0,6 g·l−1 bei 20 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
02 – Leicht-/Hochentzündlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 228
P: keine P-Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][2]
Leichtentzündlich
Leicht-
entzündlich
(F)
R- und S-Sätze R: 11
S: keine S-Sätze
Toxikologische Daten

250 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[5]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−199,7 kJ/mol[6]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Dimethylglyoxim, auch Diacetyldioxim, ist ein Dioxim und wird als Nachweisreagenz (Tschugaeff-Reagenz) für verschiedene Schwermetallionen verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Komplexbildner wurde erstmals 1905 von Lew Alexandrowitsch Tschugajew beschrieben.[7]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Dimethylglyoxim ist ein Komplexbildner, der mit Schwermetallionen, wie Ni2+, Fe2+, Co2+, Cu2+, Pt2+, Pd2+ und Re7+ farbige Chelatkomplexe bildet. Als qualitativer Nachweis lassen sich die Komplexe unter den jeweils geeigneten Bedingungen (pH und Temperatur) fällen. Komplexe von Co, Fe, Ni, Pd und Re sind zur quantitativen, photometrischen Bestimmung geeignet.[1]

Die Komplexe haben folgende Färbungen:[8]

  • Nickel(II)-Komplex: himbeerrot
  • Kupfer(II)-Komplex: braunrot
  • Eisen(II)-Komplex: rot
  • Cobalt(II)-Komplex: violett
  • Palladium(II)-Komplex: gelb-gelblich
  • Platin(II)-Komplex: braun und blau

Nickelkomplex[Bearbeiten]

Fällung des Nickel-Diacetyldioxim-Komplexes aus einer Nickel(II)-sulfatlösung

Besonders das rosarote[9] bis himbeerrote[10], sehr schwer lösliche Bis(diacetylglyoximato)nickel(II) (Nickel-Dimethylglyoxim-Komplex; [Ni(dmg)2]) in ammoniakalischer Lösung dient als qualitativer Nickel(II)-Nachweis und wird zur quantitativen Bestimmung (Fotometrie) für Nickelsalze genutzt. Diese Chelatverbindung weist einen quadratisch, ebenen Bau auf.[10]

Bildung eines Dimethylglyoxim-Nickel-Komplexes

Die Färbung kann noch bis zu einer Verdünnung von 1:106 erkannt werden. Im Festzustand formen sich die Komplexe zu Molekülstapeln, dessen Ni–Ni-Abstände jeweils 325 pm betragen.[11]

Reagenz[Bearbeiten]

  • Gesättigte Lösung von Dimethylglyoxim in 96%igem Ethanol
  • Wässrige Lösung mit 0,1 mol/l Dinatriumbis(dimethylglyoximat)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Biacetyldioxim. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 12. Juni 2014.
  2. a b c d Eintrag zu CAS-Nr. 95-45-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Dezember 2012 (JavaScript erforderlich).
  3. Datenblatt Diacetyldioxim bei Merck, abgerufen am 10. Dezember 2012.
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Eintrag Diacetyldioxim bei ChemIDplus.
  6. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-26.
  7. Lev Tschugaeff: Über ein neues, empfindliches Reagens auf Nickel. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 1905, Bd. 38, Nr. 3, S. 2520-2522, doi:10.1002/cber.19050380317.
  8. Gerhard Jander: Jander⋅Blasius Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie, Hirzel, Stuttgart, 1985, S. 259, 359, 361.
  9. Wittko Francke und Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie. S. Hirzel Verlag Stuttgart; 24. überarb Auflage 2004, ISBN 3-7776-1221-9; S. 342.
  10. a b Wolfgang Werner: Qualitative anorganische Analyse: für Pharmazeuten und Naturwissenschaftler Deutscher Apotheker Verlag; 4. völlig neu bearb. u. erw. Auflage 2006; ISBN 3-8047-2264-4; S. 95.
  11. Nils Wiberg, Egon Wiberg und Arnold Fr. Holleman: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. Gruyter Verlag; 102., stark umgearb. u. verb. Auflage 2007; ISBN 978-3-11-017770-1; S. 1715.