Dialektische Aufhebung

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Die dialektische Aufhebung ist ein zentraler Begriff der Philosophie G. W. F. Hegels. Er bezeichnet den Vorgang der Überwindung eines Widerspruchs, wobei die positiven, wertvollen Elemente erhalten und fortgeführt werden und die negativen entfallen.

Hegel sah in dem deutschen Wort Aufhebung den spekulativen Geist der Sprache, der in der Lage ist, gegensätzliche Bedeutungen in einem Wort zu vereinen. Er stellte die drei Momente der dialektischen Aufhebung folgendermaßen dar:

  1. die Beendigung, Überwindung einer Entwicklungsstufe (Negation, tollere), z.B. Aufhebung eines Gesetzes, Erlasses.
  2. das Erhalten ihrer zukunftsträchtigen Seiten (Aufbewahrung, conservare),
  3. die Integration dieser Seiten in die höhere Stufe der Entwicklung, wodurch sie eine neue Funktion erlangen (Erhöhung, elevare)[1], i.S.v. etwas vom Boden aufheben.

Für Karl Marx Denken ist das Konzept der dialektischen Aufhebung von den Frühschriften, in denen er die Aufhebung der Philosophie durch deren Verwirklichung und die Verwirklichung der Philosophie durch deren Aufhebung proklamiert[2][3], bis zu den späteren Schriften zentral; das Kapital ist in seinem Aufbau von Hegels Logik inspiriert, wenn nicht dessen Aufhebung, weil Verwirklichung (s.o.)[4][5]. Ein explizites Werk über die Dialektik existiert jedoch nicht. Aufhebung meint hier nicht mehr wie bei Hegel "innere Selbstbewegung" eines "Inhalts"[6], sondern betont den Aspekt menschlicher Tätigkeit als Formung der Welt, wie er von Marx zuerst in seinen Feuerbachthesen formuliert wurde.

Die Unterschiede zwischen materialistischer und hegelscher Dialektik versuchte u.a. Louis Althusser herauszuarbeiten. Verschiedene Aufsätze[7], die sich diesem Thema widmen, gehen von einer der wenigen Stellen aus, wo Marx sich explizit über seine Methode äußert: "Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken." [8] Althusser vertritt die These, dass die marxsche Formulierung des "vom Kopf auf die Füße" stellen zu Missverständnissen führte, da die marxsche Dialektik weit mehr ist als eine einfach umgedrehte hegelsche Dialektik.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. s. z.B. Die objektive Logik (1812/13; 1. A. 1831), in: Walter Jaeschke (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Gesammelte Werke Band 11, Hamburg 1978, 57f
  2. "Ihr könnt die Philosophie nicht aufheben, ohne sie zu verwirklichen. ... Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie." - Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1, S. 384, 391, 1844
  3. Marx's Aufhebung of Philosophy and the Foundations of a Materialist Science of History. Joseph Fracchia: History and Theory. Vol. 30, No. 2 (May, 1991), pp. 153-179 [1]
  4. vgl. bspw. Aufhebung Hegels Wissenschaft der Logik in Marx' Das Kapital, Abbas Alidoust Azarbaijani, 2010
  5. Bemerkungen zum Verhältnis von Kapital und Hegelscher Wesenslogik
  6. Allgemeiner Begriff der Logik, Zeno.org
  7. vgl.insbesondere den Aufsatz zu Widerspruch und Überdeterminierung, in: Für Marx (engl. Version)
  8. [2]