Diamant Fahrradwerke

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Diamant Fahrradwerke GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1885
Sitz Hartmannsdorf (bei Chemnitz)
Leitung Sheldon Benzine
Mitarbeiter 200 am Stammsitz
Website www.diamantrad.com
Annonce von 1898
Früheres Diamant-Logo
Werbung aus dem Jahre 1913
Diamant Modell 36 mit einem Fichtel & Sachs Motor (98 cm³) im Museum für sächsische Fahrzeuge

Die Diamant Fahrradwerke GmbH besteht unter unterschiedlichen Namen seit 1885 und produzierte in ihrer Geschichte hauptsächlich Fahrräder, aber auch Wirkmaschinen-Zubehör, Schreibfedern, Flachstrickmaschinen und Leichtkrafträder. In der DDR war Diamant mit mehr als 8 Millionen produzierten Fahrrädern neben Mifa der dominierende Fahrradhersteller. Nach der Wende wurde die Fahrradproduktion unter veränderten Eigentumsverhältnissen in kleinerem Umfang fortgesetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1885 von Friedrich Wilhelm Nevoigt (1859–1937) und seinem Bruder Wilhelm Friedrich Nevoigt (1857–1909) in Reichenbrand bei Chemnitz als Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/Chemnitz in das Handelsregister eingetragen. Gegen Ende desselben Jahres begannen sie neben der Fabrikation ihrer anderen Produkte bereits testweise mit einer Einzelproduktion von Fahrrädern.

Das erste Diamant-Fahrrad aus Serienproduktion wurde 1895 produziert. Zu Beginn war dies einer von mehreren Betriebsteilen des Unternehmens. Das Unternehmen wuchs stark und wurde 1907 zur Aktiengesellschaft Gebrüder Nevoigt AG Reichenbrand/Chemnitz. Bereits 1912 war die Fahrradproduktion ein so wichtiger Bestandteil des Unternehmens, dass es umfirmierte und nun Diamant Werke Gebrüder Nevoigt AG hieß. Bis 1916 wuchs die Beschäftigtenzahl bis auf 1.000 Mitarbeiter. 1920 gab es erneut eine Firmenänderung, nun zur Elite Diamant AG, nachdem man sich mit dem Autoproduzenten Elite-Werke zusammengeschlossen hatte. Die Marke war inzwischen so beliebt, dass sich in Chemnitz der Chemnitzer Radrennclub Diamant gründete. Später entstanden auch Vereine in anderen Städten. 1928 wurde das Unternehmen von Opel gekauft, aber bereits 1930 erhielt es nach einem Vergleich seine Unabhängigkeit zurück und hieß nun Elite Diamant AG Siegmar/Sachsen. Maßstäbe setzte Diamant bereits 1926 durch die Entwicklung eines Fahrrades, das komplett aus Leichtmetall gefertigt war. Diese Entwicklungen wurden nach jahrelanger Unterbrechung 1938 fortgeführt. Im Zweiten Weltkrieg setzte die Elite Diamant AG viele Zwangsarbeiter ein, darunter auch "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion.[1] Bis 1945 wurden insgesamt rund 1,3 Millionen Diamant-Fahrräder produziert. [2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht und am 2. Mai 1952 wurde offiziell der Volkseigene Betrieb VEB Fahrradwerke Elite Diamant gegründet. In der DDR fuhren alle Radrennfahrer Diamantfahrräder. So wurden die Straßen-Weltmeisterschaften 1959 (von „Täve“ Schur) und 1960 (von Bernhard Eckstein) von DDR-Radrennsportlern auf Diamant gewonnen. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelten und bauten Ingenieure von Diamant unter maßgeblicher Anleitung des Leipziger Ingenieurs Paul Rinkowski Rennräder für die Nationalmannschaft der DDR, mit denen zahlreiche internationale Wettbewerbe gewonnen wurden.

In den 1950er Jahren war Diamant mit Sport- und Rennrädern technisch und optisch auf der Höhe der Zeit. Eine bemerkenswerte Entwicklung war die filigrane Rundscheidengabel, mit der Diamant westlichen Sporträdern sogar voraus war. 1957 wurden damals moderne sportliche Tourenräder mit 26"-Laufrädern in das Sortiment aufgenommen. Seit den 1960ern geriet der technische Fortschritt ins Stocken, an den meisten Bauteilen wie Rahmen, Bremsen, Gangschaltung und Tretlager erfolgten keine relevanten Weiterentwicklungen mehr. Gleichzeitig verringerte sich die anfangs sehr hochwertige Fertigungsqualität. Äußerlich wurden die Räder mit kleineren Retuschen an den jeweiligen Zeitgeist angepasst. Die Produktion der 28"-Sporträder wurde Ende der 1960er Jahre in das Mifa-Werk verlegt, wobei sogar im Gespräch war, die Fahrradproduktion bei Diamant gänzlich einzustellen. Die Pläne wurden wegen einer falschen Einschätzung des Fahrradbedarfs jedoch wieder verworfen. Eine längere Zeit bestimmten nun Rennräder und sportliche 26"-Tourenräder das Fertigungsprofil. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde eine Neuausrichtung der Modellpalette begonnen, die im Zuge der Wende jedoch nur teilweise noch zum tragen kam. Die Fahrradproduktion war zuletzt Teil des VEB Strickmaschinenbau Karl-Marx-Stadt im Kombinat Textima. Da es neben Diamant zuletzt nur noch Mifa als großen Fahrradhersteller in der DDR gab, war der Produktionsausstoß bei Diamant entsprechend hoch: Von 1949 bis 1990 wurden 8,4 Millionen Diamant-Fahrräder gebaut. [3]

Mit dem Ende der DDR wurde der Volkseigene Betrieb (VEB) privatisiert, Produktionsumfang und Belegschaft stark verringert. Entsprechend der veränderten Marktsituation konnten aktuelle Konstruktionsprinzipien für neue Modelle übernommen werden. Es gelang, auch nach der Wende einen festen Platz im Fahrradsegment zu finden, wobei die erlangte Eigenständigkeit schrittweise wieder aufgegeben wurde: Am 1. Januar 1992 wurde die DIAMANT Fahrradwerke GmbH unter Beteiligung der schweizerischen Villiger-Gruppe gegründet. Diese Gruppe übernahm das Unternehmen 1997 vollständig. Seit 2003 sind sowohl Villiger als auch Diamant Teil der amerikanischen Trek Bicycle Corporation, zu der auch die Marke Bontrager gehört. Nach eigenen Angaben sind die Diamantwerke in Hartmannsdorf bei Chemnitz die älteste produzierende Fahrradfabrik in Deutschland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erinnerungsbericht Hanna H., Online-Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", http://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/ereignisse/ostarbeiter/index.html
  2. http://www.ddr-fahrradwiki.de/Datierung_Diamant_Fahrr%C3%A4der
  3. http://www.ddr-fahrradwiki.de/Datierung_Diamant_Fahrr%C3%A4der

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Aidn: Diamant. Fahrräder, Motorräder, Radsport. Maxime-Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-931965-25-9.

Weblinks[Bearbeiten]