Diaspor

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Diaspor
Diaspore-md58a.jpg
Diaspor-Kristallzwilling aus Muğla, Ägäisregion, Türkei (Größe: 1,8 x 0,6 x 0,4 cm )
Chemische Formel AlO(OH)
Mineralklasse Hydroxide und oxidische Hydrate
4.FD.10 (8. Auflage: IV/F.06) nach Strunz
06.01.01.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin dipyramidal 2/m 2/m 2/m
Farbe farblos, weiß, weingelb, rosa, rötlich, violett, grau
Strichfarbe weiß
Mohshärte 6,5 bis 7
Dichte (g/cm3) 3,3 bis 3,5
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch muschelig, sehr spröde
Spaltbarkeit vollkommen
Habitus tafelige Kristalle; blättrige, körnige oder massige Aggregate
Zwillingsbildung nach {021}
Kristalloptik
Brechungsindex α = 1,682 bis 1,706 ; β = 1,705 bis 1,725 ; γ = 1,730 bis 1.752 [1]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,048 [1]; zweiachsig positiv [2]
Optischer Achsenwinkel 2V = 84° bis 86°
Pleochroismus deutlich: farblos - farblos oder schwach rot - schwach blau oder rotbraun

Diaspor (auch Diasporit) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung AlO(OH) und entwickelt meist blättrige, körnige oder massige Aggregate, aber auch kleine, fein gestreifte Kristalle bis etwa 12 cm Größe in breiten Säulen mit vorherrschend entwickelter Längsfläche.

Reiner Diaspor ist farblos. Er kann aber durch Fremdbeimengungen weiß bis grau, gelb, rosa, grün, rötlich bis violett oder bräunlich gefärbt sein. Seine Mohshärte beträgt 6,5 bis 7 und seine Dichte 3,3 bis 3,5 g/cm³.

Diaspor wird aufgrund der Namensähnlichkeit gelegentlich mit dem Bleisilberantimonit Diaphorit verwechselt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Diaspor zeigt deutlichen Pleochroismus, das heißt er erscheint farblos in Richtung x-Achse, farblos oder schwach rot in Richtung y-Achse und schwach blau oder schwach rot in Richtung z-Achse.

Chemisch besteht Diaspor wesentlich aus Aluminiumhydroxid Al2O2(OH)2 oder AlO(OH), mit 85,02 % Tonerde und 14,98 % Wasser und Beimengungen von etwas Eisenoxid. Er wird mit Cobaltlösung blau, Säuren lösen ihn nicht und erst nach starkem Glühen wird er in Schwefelsäure löslich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Diaspor ist abgeleitet vom griechischen Wort διασπείρειν (diaspeirein) für zerstreuen.[3] René-Just Haüy wollte mit der 1801 in seiner Mineralbeschreibung gewählten Bezeichnung auf dessen Eigenschaft hinweisen, beim Erhitzen vor dem Lötrohr unter Wasserabgabe in kleine Teilchen zu zerstäuben bzw. zu zerspringen.[4] Diese Eigenschaft wird auch als Dekrepitieren (Decrepitieren) bezeichnet.[5]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Diaspor zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Hydroxide und oxidische Hydrate“, wo er zusammen mit Akaganeit, Böhmit, Feitknechtit, Feroxyhyt, Goethit, Groutit, Lepidokrokit, Manganit, Schwertmannit und Tsumgallit die unbenannte Gruppe IV/F.6 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Diaspor in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Kristallwasser sowie nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; mit Ketten aus kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bracewellit, Goethit, Groutit, Guyanait, Montroseit und Tsumgallit die unbenannte Gruppe 4.FD.10 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Diaspor in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“ ein. Hier ist der Diaspor namensgebenden und mit den weiteren Mitgliedern Groutit, Montroseit, Bracewellit und Tsumgallit in der „Diasporgruppe (Orthorhombisch, Pnma oder Pnmd)“ mit der System-Nr. 06.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltigen Oxide mit der Formel: X3+O OH“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung AlO(OH) ist dimorph, kommt also in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Diaspor noch als ebenfalls orthorhombisch, aber in einer anderen Raumgruppe kristallisierender Böhmit vor.[6]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Diaspor und Margarit aus Muğla, Ägäisregion, Türkei

Dispor bildet sich entweder hydrothermal oder metamorph aus aluminiumreichen Mineralen bzw. in aluminiumreichen Gesteinen. Begleitminerale sind unter anderem Pyrophyllit und Korund. Diaspor ist zudem ein Gemengeanteil von Bauxit.

Fundorte sind unter anderem Naxos und Ephesus (mit Schmirgel) in Griechenland, Schemnitz in Ungarn, Kossobrodskaja am Ural, Campolungo bei Faido (im Dolomit mit Korund) in der Schweiz, Greiner in Tirol (mit Cyanit), Menderess in der Türkei, Unionville , Chester/Massachusetts und Pennsylvania in den USA.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Struktur von Diaspor, Wasserstoffbrückenbindungen sind grün hervorgehoben. Die Blickrichtung ist nahezu parallel zu der c-Achse.
__ H  __ Al3+ __ O2− [7]

Diaspor kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pbnm, den Gitterparametern a = 4,40 Å, b = 9,43 Å und c = 2,85 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Sauerstoff und Hydroxidionen bilden eine hexagonal dichteste Kugelpackung mit Lücken auf den Oktaeder-Plätzen, die vom Aluminium ausgefüllt werden. In Richtung der c-Achse entstehen auf diese Weise lange Doppelketten aus AlO6-Oktaedern, die von Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden.

Verwendung[Bearbeiten]

Diaspor findet als Schleifmittel und Poliermittel Verwendung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b MinDat - Diaspore (engl.)
  2. Webmineral - Diaspore (engl.)
  3.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, S. 203.
  4. R J Haüy (1801): VII. Diaspore (m.), c'est-à-dire, qui se disperse, in: Traité de Minéralogie, Band 4, Chez Louis Paris, S. 358-360 (PDF 326,2 kB)
  5.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 486.
  6. Mineraldatenblatt - Diaspore (PDF, engl.; 65 kB)
  7. American Mineralogist Crystal Structure Database Diaspore Hill R. J., Physics and Chemistry of Minerals, Vol. 5, 1979, pp 179-200 "Crystal structure refinement and electron density distribution in diaspore, Sample: Neutral atom refinement

Literatur[Bearbeiten]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag 1978, ISBN 3-432-82986-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diaspor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien