Dichtematrix
In der Physik beschreibt die Dichtematrix bzw. der Dichteoperator (auch statistische Matrix bzw. statistischer Operator) für ein Ensemble gleichartiger Systeme, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein herausgegriffenes System in einem bestimmten Zustand befindet.
Der Dichteoperator wurde ursprünglich im Rahmen der klassischen Physik von Stokes für den Polarisationszustand eines Lichtstrahls entwickelt (Stokes-Parameter). Im folgenden wird der Dichteoperator im Zusammenhang mit Systemen in quantenmechanisch definierten Zuständen dargestellt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Konstruktion
In dem betrachteten Ensemble befinden sich mehrere gleichartige Systeme mit den Wahrscheinlichkeiten
in den Zuständen
. Diese Zustände müssen nicht notwendigerweise orthogonal sein. Die Wahrscheinlichkeiten sind auf 1 normiert:
Dann ist (in bra-ket-Schreibweise) der Dichteoperator gegeben durch
Darin ist
der Projektionsoperator, der angewandt auf einen beliebigen Zustandsvektor
dessen Komponente „parallel“ zum Zustand
herausprojiziert:
Der Faktor
darin ist die Wahrscheinlichkeitsamplitude, das im Zustand
vorliegende System im Zustand
vorzufinden.
Mit Hilfe der Projektionsoperatoren lässt sich der Dichteoperator auch schreiben als
Für ein Ensemble, in dem alle Systeme im selben Zustand
präpariert sind, ist der Dichteoperator daher einfach der Projektionsoperator selbst:
[Bearbeiten] Messwerte
Für jeden einzelnen Bestandteil
des Zustandsgemischs ist der Mittelwert der Messergebnisse einer physikalischen Größe
gegeben durch den Erwartungswert
Darin ist
der zu
gehörige Operator (s. Quantenmechanik, Observable).
Da das Ensemble ein Gemisch von Systemen in den verschiedenen beteiligten Zuständen
ist, ist der Mittelwert aller Messungen an den einzelnen Systemen die gewichtete Summe der einzelnen Erwartungswerte:
Dies ist gleich der Spur
wie man mit Hilfe eines vollständigen Systems von orthonormierten Basisvektoren
sehen kann: Wegen
(Einheitsoperator) ist
Sind die die
gerade die Eigenzustände zur Observable
(d. h.
mit den Eigenwerten
), dann gilt weiter
Darin ist
das über das Ensemble gewichtete Mittel für die Wahrscheinlichkeit, ein herausgegriffenes System im Eigenzustand
anzutreffen.
ist also auch die Wahrscheinlichkeit, bei einer einzelnen Messung den Eigenwert
als Ergebnis zu erhalten. Charakteristisch ist, dass
durch eine inkohärente Summe gegeben wird, die von den relativen Phasen der am Ensemble beteiligten Zustände
unabhängig ist.
[Bearbeiten] Beispiel: Dichteoperator und Dichtematrix für Elektronen-Polarisation
Die Dichtematrix ist die Matrix, mit der der Operator
in Bezug auf eine orthonormierte Basis
dargestellt werden kann:
[Bearbeiten] Basiszustände
Die Zustände „Spin auf“ (bezgl. z-Achse)
und „Spin ab“
werden als ket-Vektoren durch Spalten dargestellt. Die zugehörigen bra-Vektoren sind dann Zeilenvektoren:
bzw.
. Die Projektionsoperatoren (durch Matrizenmultiplikation):
Dies sind auch die Dichtematrizen für vollständig in
- bzw.
-Richtung polarisierte Elektronen.
[Bearbeiten] Polarisation in z-Richtung
Die z-Komponente des Spins hat die aus den Eigenwerten gebildete Diagonalmatrix
Für das vorausgesagte Messergebnis ergibt sich für das Ensemble
richtig
Für das Ensemble
ergibt sich 
[Bearbeiten] Andere Polarisionsrichtung
Die Zustände von in
- bzw.
-Richtung polarisierten Elektronen sind
Die Projektionsoperatoren dazu haben (in der Basis der
-Eigenzustände!) die Matrizen
Charakteristisch ist, dass dies keine Diagonalmatrizen sind und dass sich die verschiedenen Phasen, mit denen die
-Eigenzustände als ket-Vektoren hier überlagert wurden, in den Matrixelementen außerhalb der Hauptdiagonale wiederfinden. Das ist Ausdruck der kohärenten Überlagerung, durch die aus
-Eigenzuständen die
-Eigenzustände gebildet werden.
[Bearbeiten] Unpolarisiertes Ensemble
Sind die Elektronen je zur Hälfte in
-Richtung polarisiert, heißt die Dichtematrix:
Die gleiche Dichtematrix ergibt sich für ein Gemisch aus Elektronen, die zu je 50 % in
-Richtung polarisiert sind. Damit sind auch alle möglichen Messergebnisse identisch zu denen am Ensemble, das aus
-polarisierten Elektronen gebildet wurde. Die ursprünglichen Polarisationsrichtungen sind physikalisch (und damit auch begrifflich) nicht mehr zu unterscheiden: Es ist beide Male ein und dasselbe Ensemble geworden.
[Bearbeiten] Gemisch verschiedener Polarisationsrichtungen
Für ein Gemisch aus Elektronen mit Spin in
-Richtung und
-Richtung (Anteile
bzw.
), heißt die Dichtematrix
Der Erwartungswert des Spins in
-Richtung ist dann
Die in (
)-Richtung polarisierten Elektronen tragen also erwartungsgemäß nichts zum Erwartungswert
bei.
[Bearbeiten] Formale Definition
Gegeben sei ein quantenmechanisches System, das auf einem Hilbertraum
modelliert ist. Ein beschränkter linearer Operator
auf
ist ein Dichteoperator, wenn gilt:
- er ist positiv semidefinit,
- er ist Spurklasse mit Spur gleich 1.
Obwohl die Begriffe Dichtematrix und Dichteoperator oft synonym gebraucht werden, besteht ein mathematischer Unterschied. Genau wie in der linearen Algebra eine Matrix die Basisdarstellung eines linearen Operators ist, kann in der Quantenmechanik zwischen abstraktem Dichteoperator und einer konkreten Dichtematrix in einer bestimmten Darstellung unterschieden werden. Ist
ein Dichteoperator, so bezeichnet
die Dichtematrix in Ortsdarstellung. Sie ist allerdings keine echte Matrix, da die Ortsdarstellung über ein Kontinuum von uneigentlichen Basisvektoren
definiert ist, sondern ein so genannter Integralkern.
In endlichdimensionalen Hilberträumen (z. B. bei Spinsystemen) ergibt sich dagegen dann eine positiv semidefinite Matrix mit Spur 1, also eine echte Dichtematrix, wenn eine Orthonormalbasis
gewählt wird:
.
[Bearbeiten] Eigenschaften
- Jeder Dichteoperator ist selbstadjungiert (oder hermitesch), da positive Operatoren immer selbstadjungiert sind.
- Die Menge aller Dichteoperatoren ist eine konvexe Menge, deren Rand die Menge der reinen (quantenmechanischen) Zustände ist. Die Menge ist im Gegensatz zu klassischen Theorien kein Simplex, d. h. ein Dichteoperator ist im Allgemeinen nicht eindeutig als Konvexkombination von reinen Zuständen darstellbar.
- Die Wahrscheinlichkeit, bei der Messung einer Observablen
an einem System, das durch den Dichteoperator
beschrieben wird, den Messwert
zu erhalten, ist gegeben durch

- wobei
die orthonormierten Eigenvektoren zum Eigenwert
sind und
die Projektion auf den entsprechenden Eigenraum ist.
- Der Mittelwert der Messwerte (Erwartungswert) bei Messung einer Observablen
ist
[Bearbeiten] Dichtematrix für reine Zustände
Ist das betrachtete Ensemble ein reines Ensemble, besteht das System also nur aus einem reinen Zustand, so gilt für die Dichtematrix
.
Für gemischte Zustände gilt stets
.
[Bearbeiten] Dichtematrix für ein gleichverteiltes Ensemble
Ein
-Niveau-System, bei dem alle
Zustände gleich wahrscheinlich sind, hat die Dichtematrix
wobei
die
-dimensionale Einheitsmatrix bezeichnet.
[Bearbeiten] Zeitentwicklung
Aus der Schrödingergleichung, die die Zeitentwicklung (Dynamik) reiner Quantenzustände beschreibt, kann man unmittelbar die Zeitentwicklung gemischter Zustände ableiten. Dazu benutzt man eine beliebige Zerlegung der Dichtematrix in reine Zustände, deren Dynamik der Schrödinger-Gleichung genügt, und berechnet daraus die Dynamik des gemischten Zustandes zu
wobei
der Hamilton-Operator des Systems ist. Diese Gleichung ist als von-Neumann'sche Bewegungsgleichung bekannt (nicht zu verwechseln mit der Heisenberg'schen Bewegungsgleichung).
Diese Differentialgleichung kann man für zeitunabhängige Hamilton-Operatoren integrieren und erhält mit dem unitären Zeitentwicklungs-Operator
die Gleichung
Bemerkenswert ist hierbei, dass für den Operator
die übliche Heisenberg'sche Bewegungsgleichung nicht gilt, da
keine Observable ist. Auch die Transformation mit dem Operator
ist nicht gemäß der üblichen Zeitentwicklungsgleichung für Operatoren.
[Bearbeiten] Entropie
Mit Hilfe der Dichtematrix
lässt sich die Entropie eines Systems wie folgt definieren (siehe auch Von-Neumann-Entropie):
wobei
die Boltzmannkonstante ist, und die Spur über dem Raum
genommen ist, in dem
operiert.
Die Entropie jedes reinen Zustands ist Null, da die Eigenwerte der Dichtematrix Null und Eins sind. Dies stimmt mit der heuristischen Argumentation überein, dass keine Unsicherheit über die Präparation des Zustandes herrscht.
Man kann zeigen, dass auf einen Zustand angewendete unitäre Operatoren (wie der aus der Schrödinger-Gleichung gewonnene Zeitentwicklungs-Operator) die Entropie des Systems nicht ändern. Das verbindet die Reversibilität eines Prozesses mit seiner Entropieänderung - ein fundamentales Ergebnis, das die Quantenmechanik mit der Informationstheorie und der Thermodynamik verbindet.
















.
an einem System, das durch den Dichteoperator
beschrieben wird, den Messwert
zu erhalten, ist gegeben durch
die orthonormierten
sind und
die Projektion auf den entsprechenden 

![\dot{\hat \rho}=\frac{i}{\hbar}[\hat \rho,\hat \mathbb H],](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/4/9/a/49ae3526b6493710f7c7b9c8ea7c1c51.png)

