Dickdarm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Dickdarm des Menschen mit seinen Abschnitten

Der Dickdarm (lat. Intestinum crassum) ist der letzte Teil des Verdauungstraktes beim Menschen und bei vielen Tieren. Er ist Teil des Darms, beginnt nach dem Dünndarm und endet am Anus.

Anatomie[Bearbeiten]

Lage und Struktur[Bearbeiten]

Die Teile des Dickdarms sind:

  • Ileozäkalklappe (auch: Bauhin-Klappe)
  • Blinddarm (lat. Caecum) mit dem Wurmfortsatz (lat. Appendix vermiformis, sehr oft fälschlicherweise ebenfalls als Blinddarm bezeichnet)
  • Grimmdarm (gr./lat. Colon), untergliedert in
    • Colon ascendens (aufsteigender Teil)
    • Colon transversum oder Querdarm bzw. Quercolon (querverlaufender Teil)
    • Colon descendens (absteigender Teil)
    • Colon sigmoideum (nach einem der beiden griechischen Kleinbuchstaben Sigma) (s-förmig verlaufender Teil)
  • Mastdarm (lat. Rectum, Intestinum rectum, Colon rectum).
  • Analkanal

Der Dickdarm des Menschen hat einen Durchmesser von etwa sechs Zentimetern und ist ungefähr 1,5 Meter lang. Bei einigen Säugetieren (einschließlich des Menschen) finden sich Aussackungen des Dickdarms, die sogenannten Poschen (Haustra, Haustra coli), unterteilt durch Plicae semilunares coli.

Blutversorgung und Lymphabfluss[Bearbeiten]

Versorgungsgebiet von Arteria mesenterica superior (pink) und Arteria mesenterica inferior (blau). Die Blutversorgung des Rektum ist nicht eingezeichnet.

Die Abschnitte des Dickdarmes werden von den Ästen dreier großer Arterien mit Nährstoffen versorgt. Blinddarm, Wurmfortsatz, aufsteigendes Colon und der größte Teil des Quercolon erhalten Äste der Arteria mesenterica superior, der restliche Teil des Quercolon, das absteigende Colon, das Colon sigmoideum und das obere Rektum von der Arteria mesenterica inferior.[1] Das restliche Rektum und der Analkanal werden von der Arteria pudenda interna erreicht.[2] Der Blutabfluss erfolgt über Venen, die mit den Arterien verlaufen und wie sie benannt sind, also über die Vena mesenterica superior, Vena mesenterica inferior und Vena pudenda interna. Die beiden erstgenannten münden in die Pfortader der Leber, nur die Vena pudenda interna mündet in die Vena iliaca interna, deren Blut letztlich in die unteren Hohlvene gelangt.

Da Lymphgefäße in der Regel mit Arterien verlaufen, entsprechen die Lymphabflussgebiete des Dickdarms in etwa den arteriellen Versorgungsgebieten. Die Lymphe aus dem Stromgebiet der Arteria mesenterica superior fließt über Lymphknoten an der Austrittsstelle der Arterie aus der Bauchaorta (Noduli mesenterici superiores) in den Truncus intestinalis, der in die Cisterna chyli mündet. Die Lymphe aus dem Stromgebiet der Arteria mesenterica inferior gelangt entsprechend über die Lymphknoten neben dem Arterienaustritt (Noduli mesenterici inferiores) und über den Truncus lumbalis sinister in die Cisterna chyli.[3]

Innervation[Bearbeiten]

In der Wand des Darms befindet sich ein Netzwerk aus Nervenzellen, das die Bewegungen des Darms koordiniert. Dieses sogenannte Enterische Nervensystem arbeitet weitgehend autonom, seine Aktivität wird aber von den beiden Anteilen des Vegetativen Nervensystems beeinflusst: der Parasympathikus steigert die Darmaktivität, der Sympathikus setzt sie herab. Ähnlich der arteriellen Versorgung wird der Dickdarm bis kurz vor der linken Kolonflexur anders innerviert als der Darm dahinter. Die parasympathischen Fasern für den ersten Abschnitt stammen aus dem Vagusnerv, die für den zweiten Abschnitt entspringen aus dem untersten Teil des Rückenmarks und verlaufen als Nervi splanchnici pelvici. Als Cannon-Böhm-Punkt wird das Gebiet bezeichnet, in dem sich die Innervationsgebiete überlappen.[4]

Feinbau[Bearbeiten]

Der Dickdarm zeigt den typischen Wandaufbau des Magen-Darm-Traktes mit vier Schichten. Die innerste Schicht ist eine Schleimhaut (Tunica mucosa, kurz Mukosa), die ihrerseits aus drei Schichten aufgebaut ist: die Oberfläche ist mit Epithel (Lamina epithelialis) bedeckt, das durch lockeres Bindegewebe (Lamina propria mucosae) von einer Schicht aus glatten Muskelzellen (Lamina muscularis mucosae) getrennt ist. Die Schleimhaut liegt einer lockeren Bindegewebsschicht (Tunica submucosa, kurz Submukosa) auf. Diese führt die Blut- und Lymphgefäße für die Mukosa und beinhaltet ein Nervengeflecht, den Plexus submucosus. Sie dient zudem als Verschiebeschicht zur dritten Wandschicht, der Tunica muscularis, die dem Organ mit einer inneren Ringmuskelschicht (Stratum circulare) und einer äußeren Längsmuskelschicht (Stratum longitudinale) peristaltische Bewegungen ermöglicht. Zwischen den Muskelschichten liegt ein weiteres Nervengeflecht, der Plexus myentericus, der ebenso wie der Plexus submucosus zum Enterischen Nervensystem gehört. Die vierte Schicht ist je nach Abschnitt des Dickdarms entweder lockeres Bindegewebe (Adventitia) oder das Bauchfell.[5]

Ein wichtiger feinbaulicher Unterschied zum Dünndarm besteht in dem Fehlen von Darmzotten, die Dickdarmschleimhaut hat nur tiefe Krypten, die von zylinderförmigen Zellen (hochprismatisches Epithel) ausgekleidet sind. Viele dieser Zellen produzieren Gleitschleim, andere nehmen Wasser auf und dicken so den Stuhl ein. Auch der Dickdarm ist wie der Dünndarm in Falten geworfen. Diese entstehen aber durch örtliche Einziehungen der inneren Ringmuskelschicht, die im Querschnitt halbmondförmig erscheinen (daher der lateinische Name Plicae semilunares). Zwischen den Einziehungen bildet die Darmwand Aussackungen, die als Haustren (deutsch: Poschen) bezeichnet werden. Bei einigen Säugetieren, auch beim Menschen, ist die äußere Längsmuskelschicht zu drei kräftigen Strängen (Tänien) verdickt. An diesen Tänien hängen außen Ansammlungen von Fettgewebe (Appendices epiploicae).[6] Von diesem Muster weicht die Appendix vermiformis ab. Sie hat keine Tänien, sondern wie die anderen Abschnitte des Verdauungstraktes eine durchgehende Längsmuskelschicht. In der Lamina propria der Schleimhaut sind große Lymphfollikel zu finden.[7] Das Rektum hat statt der Tänien eine durchgehende Längsmuskelschicht, keine Haustren und keine Fettanhängsel.[8] Am Analkanal geht das Epithel des Rektums in mehrschichtig unverhorntes Plattenepithel über.[9]

Physiologie[Bearbeiten]

Funktion[Bearbeiten]

Funktionen des Dickdarms:

  • Rückresorption von Wasser (v. a. Grimmdarm), insgesamt etwa 1,5 Liter pro Tag mit der Möglichkeit einer Steigerung um den Faktor zwei bis drei
  • Speicherung des Stuhlinhaltes bis zur Entleerung (v. a. Mastdarm),
  • Resorption von Elektrolyten ins Blut,
  • Sekretion von Schleim,
  • Abwehr von Bakterien und Krankheiten.
  • Bildung der essentiellen Aminosäuren und Vitamine durch die darin befindlichen Bakterien.

Milieu[Bearbeiten]

Der pH-Wert im Dickdarm nimmt in aboraler Richtung zu, er beträgt:

  • etwa 5,5 im vorderen Abschnitt,
  • über 6,2 im mittleren Bereich,
  • 6,8 im Endabschnitt.

Der gesunde Dickdarm ist mit Bakterien besiedelt, die in ihrer Gesamtheit die Darmflora bilden.

Erkrankungen des Dickdarms[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dickdarm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Dickdarm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Detlev Drenckhahn (Hrsg): Anatomie, Band 1. 17. Auflage. Urban&Fischer, München 2008. ISBN 9783437423420, S. 690
  2. Detlev Drenckhahn (Hrsg): Anatomie, Band 1. 17. Auflage. Urban&Fischer, München 2008. ISBN 9783437423420, S. 694
  3. Michael Schünke u. a.: Prometheus Lernatlas der Anatomie. Innere Organe. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012. ISBN 978-3-13-139533-7, S. 213
  4. Detlev Drenckhahn (Hrsg): Anatomie, Band 1. 17. Auflage. Urban&Fischer, München 2008. ISBN 9783437423420, S. 691
  5. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012. ISBN 9783131292445, S. 386 f.
  6. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012. ISBN 9783131292445, S. 407 f.
  7. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012. ISBN 9783131292445, S. 409
  8. Detlev Drenckhahn (Hrsg): Anatomie, Band 1. 17. Auflage. Urban&Fischer, München 2008. ISBN 9783437423420, S. 692
  9. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012. ISBN 9783131292445, S. 410 f.