Dickenschied

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Dickenschied
Dickenschied
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Dickenschied hervorgehoben
49.9005555555567.42400Koordinaten: 49° 54′ N, 7° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Hunsrück-Kreis
Verbandsgemeinde: Kirchberg (Hunsrück)
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 5,86 km²
Einwohner: 743 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55483
Vorwahl: 06763
Kfz-Kennzeichen: SIM, GOA
Gemeindeschlüssel: 07 1 40 028
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 5
55481 Kirchberg (Hunsrück)
Webpräsenz: www.dickenschied.de
Bürgermeister: Karl-Wilhelm Bender
Lage der Ortsgemeinde Dickenschied im Rhein-Hunsrück-Kreis
Boppard Badenhard Beulich Bickenbach (Hunsrück) Birkheim Dörth Emmelshausen Gondershausen Halsenbach Hausbay Hungenroth Karbach (Hunsrück) Kratzenburg Leiningen (Hunsrück) Lingerhahn Maisborn Mermuth Morshausen Mühlpfad Ney (Hunsrück) Niedert Norath Pfalzfeld Schwall (Rhein-Hunsrück-Kreis) Thörlingen Utzenhain Alterkülz Bell (Hunsrück) Beltheim Braunshorn Buch (Hunsrück) Dommershausen Gödenroth Hasselbach (Hunsrück) Hollnich Kastellaun Korweiler Lahr Mastershausen Michelbach (Hunsrück) Mörsdorf Roth (Rhein-Hunsrück-Kreis) Spesenroth Uhler Zilshausen Bärenbach (Hunsrück) Belg Büchenbeuren Dickenschied Dill (Gemeinde) Dillendorf Gehlweiler Gemünden (Hunsrück) Hahn (Hunsrück) Hecken (Hunsrück) Heinzenbach Henau (Hunsrück) Hirschfeld (Hunsrück) Kappel (Hunsrück) Kirchberg (Hunsrück) Kludenbach Laufersweiler Lautzenhausen Lindenschied Maitzborn Metzenhausen Nieder Kostenz Niedersohren Niederweiler (Hunsrück) Ober Kostenz Raversbeuren Reckershausen Rödelhausen Rödern (Hunsrück) Rohrbach (Hunsrück) Schlierschied Schwarzen Sohren Sohrschied Todenroth Unzenberg Wahlenau Womrath Woppenroth Würrich Argenthal Benzweiler Dichtelbach Ellern (Hunsrück) Erbach (Hunsrück) Kisselbach Liebshausen Mörschbach Riesweiler Rheinböllen Schnorbach Steinbach (Hunsrück) Damscheid Laudert Niederburg Oberwesel Perscheid Sankt Goar Urbar (Rhein-Hunsrück-Kreis) Wiebelsheim Bubach Riegenroth Laubach (Hunsrück) Horn (Hunsrück) Klosterkumbd Budenbach Bergenhausen Rayerschied Wahlbach (Hunsrück) Altweidelbach Pleizenhausen Mutterschied Niederkumbd Simmern/Hunsrück Neuerkirch Wüschheim (Hunsrück) Reich (Hunsrück) Biebern Külz (Hunsrück) Kümbdchen Keidelheim Fronhofen Holzbach Nannhausen Tiefenbach (Hunsrück) Ohlweiler Sargenroth Schönborn (Hunsrück) Oppertshausen Belgweiler Ravengiersburg Mengerschied Hessen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Bad Kreuznach Landkreis Birkenfeld Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Lahn-Kreis Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-ZellKarte
Über dieses Bild

Dickenschied ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Kirchberg (Hunsrück) an.

Geographie[Bearbeiten]

Dickenschied liegt auf einem Höhenrücken des Hunsrücks fünf Kilometer südlich von Kirchberg, mit dem es die Bundesstraße 421 verbindet. Im Osten liegt das Tal des Simmerbachs, im Westen das Tal des Kyrbachs, im Süden erhebt sich der Lützelsoon.

Geschichte[Bearbeiten]

Dickenschied im Hunsrück, evangelische Pfarrkirche
Dickenschied, Grab von Paul und Margarete Schneider

Die Umgebung von Dickenschied ist seit der Jungsteinzeit besiedelt, wie Funde in den benachbarten Gemeinden Woppenroth und Gemünden zeigen. Der Name der Ortschaft weist auf die Zeit der späten Fränkischen Landnahme (etwa 600–750) hin, da die in dieser Zeit gegründeten Orte oft auf -scheid, -schied, -hausen, -rod/-rat oder -feld enden. Namen mit -scheid/-schied und -rod/-rat sind ausdrückliche Rodungsnamen der Ausbauphase, der späteren Periode der Landnahme.

Die erste urkundliche Erwähnung sieht die lokalgeschichtliche Forschung zumeist in einer Bulle von Papst Urban III. aus dem Jahr 1186.[2] Einige Autoren deuten die dortige Ortsangabe „Dicheset“ wegen anderer dort erwähnter Ortschaften und der räumlichen Nähe zum angeführten Karden als Ditscheid in der Eifel.[3]

Dickenschied war früher Teil des fränkischen Nahegaus. Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet um Dickenschied zur Kostenzer Pflege. Bis 1124 gehörte es den Grafen von Dill. Danach kam es zur sponheimischen Herrschaft. Mit der Besetzung des linken Rheinufers 1794 durch französische Revolutionstruppen wurde der Ort französisch, 1815, nach der Franzosenzeit, wurde er auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeordnet. Seit 1946 ist der Ort Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Im Südwesten des Ortes wurde in einem Seitental des Kyrbachs bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts in der Grube „Auf Allern“ Schiefer abgebaut. Heute dient die Grube als Schaubergwerk dem regionalen Tourismus.[4]

Ehemals zugehörige Weiler[Bearbeiten]

Zu Dickenschied gehörten früher auch mehrere Siedlungen außerhalb des Ortes. Die einzige, die von diesen noch besteht, ist Panzweiler, das heute zu Gemünden gehört.

Werschweiler[Bearbeiten]

Das nordöstlich vom Ort gelegene ehemalige Werschweiler oder Werrigweiler (49° 54′ 53″ N, 7° 25′ 5″ O49.9148257.41797) wurde im Jahre 1299 erstmals erwähnt: Ritter Sibido von der Schmidtburg schenkte seine Güter zu Werschweiler dem Kloster Ravengiersburg. Der Ort war verpflichtet, gemeinsam mit Rohrbach, Kerweiler und Dickenschied für den Unterhalt des Priesters zu sorgen, der 1317 in der neu errichteten Pfarrvikarie Dickenschied eingesetzt wurde. Werschweiler ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Die Glocke von 1686 trug noch die Inschrift: „Dickenschied und Werschweiler ließen mich gießen.“

Scheidbach[Bearbeiten]

Noch heute erinnert ein Straßenname an die „Scheidbach“ (49° 54′ 18″ N, 7° 26′ 35″ O49.9050997.44317), eine Siedlung am Zusammenlauf der beiden Scheidbäche, etwa eineinhalb Kilometer östlich vom Dorf gelegen. Die früheste Bezeugung stammt aus dem Jahr 1778, als Jakob Schein „von der Schißbach bey Dickenschied“ die badische Herrschaft darum bat, „eine seit Menschengedenken nicht mehr benutzte Mahlmühle“ wieder in Betrieb nehmen und bewohnbar machen zu dürfen.[5] Die Siedlung soll dem Schinderhannes längere Zeit als Quartier gedient haben. In der Siedlung lebten im 19. Jahrhundert zwei Bauernfamilien und in primitiven Hütten mindestens sechs weitere Familien. Um die Bewohner der Siedlung loszuwerden, die im Hunsrück wegen Viehdiebstahl und Bettlei verrufen waren, kaufte die Ortsgemeinde einige der Häuser 1894, 1897 und 1899 auf. 1904 brannte ein verbliebenes Anwesen nieder. Ende November 1909 siedelten die letzten Bewohner nach Dickenschied um. Das letzte Haus wurde wegen Ungezieferbefalls niedergebrannt.[6]

Nanny Lambrechts Roman Armsünderin beschreibt das Leben einer Scheidbacherin.

Die Dickenschieder Lehrersfrau Elisabeth Glasmann beschrieb den Ort als „eine Niederlassung sehr armem Volkes, ungefähr 10 Behausungen, die stahlen und trieben viel Unerlaubtes, einer hatte sogar 12 Jahre Zuchthaus gehabt.“ Den unliebsamen Scheidbachern wurde 1899 Geld für eine Ansiedlung in einer anderen Gemeinde gegeben. In Sargenroth zum Beispiel wurde eine Familie jedoch am Tage ihrer Ankunft wieder abgewiesen. Sie lebten danach im Schieferbruch, im Winter im ehemaligen Gemeindehaus. „Später wurden die Kinder in Anstalten gebracht, und die […] Alten hier [i.e. in Dickenschied] begraben und ihre Gräber sind eine Wildnis“.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Dickenschied besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.[8]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit dem 19. August 1993 besteht zwischen dem bei Eger gelegenen nordungarischen Felsőtárkány und Dickenschied eine Partnerschaft. Zustande kam sie, als infolge des Orkans „Wiebke“, der im Januar 1990 sehr große Schäden anrichtete, für Aufräumarbeiten in den Wäldern des Soonwaldes und Lützelsoons viele Arbeiter aus Schweden, Österreich und Ungarn geholt wurden und insbesondere Arbeiter aus Felsőtárkány in den Ferienwohnungen Dickenschieds ein Jahr lang Quartier fanden. Aus ersten privaten Kontakten entstand so eine Beziehung zwischen den Dörfern, die zur Gemeindepartnerschaft führte. Zwischen mehreren Vereinen bestehen Verbindungen. Dickenschied unterstützt in der Partnergemeinde einen Musikverein, zwei Kindergärten und eine Schule.

Am 9. Oktober 2013 wurde eine Partnerschaft mit Salvador do Sul in der Serra Gaúcha im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul begründet. Salvador do Sul wurde im Wesentlichen durch Einwanderer aus dem Hunsrück gegründet.

Kirchen[Bearbeiten]

Unter den Karolingern entstand auf dem Gebiet des Denzer Königsguts die Großpfarrei Kirchberg, zu der insgesamt 51 Ortschaften gehörten, mit einer zentralen Taufkirche in Kirchberg sowie mit Kapellen unter anderem in Dickenschied und Womrath. Die Dickenschieder Kapelle wurde vor 1317 errichtet. In diesem Jahr wurde Dickenschied als Filiale von Kirchberg zur Pfarrvikarie mit eigenem Priester erhoben. Kirchberg blieb bis ins 16. Jahrhundert hinein eines der bedeutenden Zentren auf dem Hunsrück.

Nach der Einführung der Reformation im Jahre 1557 war Dickenschied vorwiegend evangelisch. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielten die Katholiken Religionsfreiheit und durften seit 1688 Gottesdienst in der Dickenschieder Kirche abhalten. Mit Einführung des Festes der vierzehn Nothelfer im Jahre 1747, das zeitweise bis zu 3000 Pilger anzog, gewannen die Katholiken mehr Einfluss. Die heute katholische Vierzehn-Nothelfer-Kirche wurde 1844 noch als Simultankirche eingeweiht. Das Simultaneum endete 1912 und damit endeten auch die Konflikte bei der Kirchennutzung. Zur Ablösung zahlten die Katholiken an die evangelische Kirchengemeinde 18.000 Mark, die diese für ihren Kirchenneubau verwandten. Bis 1916 genoss die evangelische Gemeinde noch Gastrecht in der nun katholischen Kirche. Danach feierte sie ihre Gottesdienste im evangelischen Schulhaus.

In der evangelischen Kirche, Trinitatis (7. Juni) 1914 begonnen, werden, verzögert durch den Ersten Weltkrieg, seit dem 4. Advent (22. Dezember) 1918 Gottesdienste gefeiert. Sie wurde in der Zeit errichtet, als Walter Schneider, ein Onkel Paul Schneiders, Pfarrer in Dickenschied und Womrath war. Seit 1981 steht sie unter Denkmalschutz. In Dickenschied, das evangelischerseits zum Kirchenkreis Simmern-Trarbach gehört, wirkte von 1934 bis 1937 Paul Schneider als Pfarrer; er wurde am 18. Juli 1939 im KZ Buchenwald ermordet. Von der heutigen Bevölkerung gehören jeweils etwa 340 der evangelischen oder der katholischen Kirche an.

Liste der Kulturdenkmäler in Dickenschied

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die ehemals bestimmenden Wirtschaftsfaktoren Landwirtschaft und Schieferbergbau sind fast vollständig verschwunden. Zwei (Vollerwerbs-)Landwirtschaftsbetriebe und sieben Dachdeckerunternehmen, teilweise mit einem Schwerpunkt auf Schiefereindeckungen, sind nur noch leise Nachklänge; insgesamt bestehen 35 Gewerbe in der Gemeinde, darunter eine 1992 gegründete überregional vermarktende handwerkliche Töpferwerkstatt. Die schon traditionelle örtliche Handwerks- und Gewerbeschau vereinte zuletzt 2010 etwa 50 lokale und regionale Aussteller und einen Bauernmarkt.

Tourismus[Bearbeiten]

Durch Dickenschied führen zwei touristische Routen, der Lützelsoon-Radweg verläuft bis Kirchberg parallel zur Bundesstraße 421 und der Keltenweg Nahe–Mosel führt den Wanderer über Hecken (und die etwa 130 Hügelgräber im Bannholz zwischen Dickenschied, Lindenschied und Hecken) zum fünf km entfernten Kirchberg. Es gibt auch in Dickenschied einige wenige Pensionen und Ferienwohnungen sowie das lokale Gastgewerbe, das auch der Tourist vor Ort oder auf der Durchreise nutzen kann.

Das Gedenken an Pfarrer Schneider führt zu Grab und zu Gedenkveranstaltungen ebenfalls Fremde und Freunde in den Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Grabe, Herbert Piroth: Dickenschieder Buch. Chronik einer Hunsrückgemeinde 1186–1986; Ortsgemeinde Dickenschied (Hrsg.), 1986; DNB 881000124
  • Albert Rosenkranz: Das Evangelische Rheinland, Band 1; Schriftenreihe des Vereins für rheinische Kirchengeschichte, Bd. 3; Düsseldorf: Kirche in der Zeit, 1956; DNB 454196482; S. 535f;
  • Dieter Diether: Die Gotteshäuser im Evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach; Kirchberg (Hunsrück): Kirchenkreis Simmern-Trarbach, 1998; S. 28f
  • Nanny Lambrecht: Armsünderin. Roman; Berlin: Borngräber, 19188; DNB 574539972

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dickenschied – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Leopold Eltester (Hrsg.): Urkundenbuch zur Geschichte der, jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. Band 2: Vom Jahre 1169 bis 1212, J. Hölscher, Koblenz 1865, S. 118–119 Nr. 79, DNB 540522848 (Volltext in der Google-Buchsuche). Nachdruck: Hildesheim: Olms, 1974; ISBN 3-487-05329-2.
  3.  Ferdinand Pauly: Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel. In: Germania Sacra. Neue Folge 19, Erzbistum Trier 3, De Gruyter, Berlin, New York 1986, ISBN 3-11-010445-8, S. 266 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Schiefertour bei kirchberg-hunsrueck.de; abgerufen am 25. Mai 2014.
  5. Zitiert nach Herbert Piroth: Allgemeine Dickenschieder Geschichte; in: Dickenschieder Buch, S. 62
  6. Zum ganzen Abschnitt: Grabe/Piroth: Dickenschieder Buch; S. 63
  7. Maria Elisabetha Glasmann: Tagebuch meines Lebens, eine Familiensaga aus dem Hunsrück (1860–1942); hrsg. von Hajo Knebel im Eigenverlag, Simmern, 1973, S. 98; 2. Auflage hrsg. durch den Enkel Walter Göhl; Simmern: Simmern: Pandion, 2004; ISBN 3-934524-47-8; zitiert auch in Grabe/Piroth: Dickenschieder Buch.
  8. Gemeinderatswahlergebnisse 25.05.2014; Meldung auf dickenschied.de vom 26. Mai 2014.