Die Affenpfote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Affenpfote (englischer Originaltitel: The Monkey's Paw) ist eine Kurzerzählung des englischen Autors William Wymark Jacobs (1863–1943). Sie wurde 1902 in seinem Kurzgeschichtenband The Lady of the Barge erstveröffentlicht und gilt als eine der berühmtesten Horror-Kurzgeschichten der englischen Literatur. Sie basiert auf traditionellen Geschichten, in denen einer Person drei Wünsche erfüllt werden, in diesem Fall dem Besitzer eines Talismans in Gestalt einer mumifizierten Affenpfote. Die Erfüllung der Wünsche fordert jedoch einen schrecklichen Preis.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Story beginnt mit dem Besuch eines von Krankheit und Alkohol gezeichneten britischen Kolonialoffiziers, Sergeant Major Morris, bei der Familie eines alten Freundes, Mr. White, in der Laburnum Villa in England. Zufällig kommt das Gespräch auf eine getrocknete Affenpfote, die Morris aus Indien mitgebracht hat. Er behauptet, sie sei von einem berühmten Fakir hergestellt worden, der damit beweisen wollte, dass die Durchbrechung des vorherbestimmten Karmas durch die Erfüllung von persönlichen Wünschen nur Unglück bringen kann. Morris selbst sei nach dem Tod des vorherigen Eigentümers in den Besitz der Pfote gelangt, und nachdem ihm seine drei Wünsche erfüllt worden seien, könne er die Pfote nun weitergeben. Ungeachtet der Warnungen über die verfluchte Natur des Talismans nimmt Mr. White die Pfote an und spricht, ermutigt durch seine Gattin, einen Wunsch aus. Achtlos wünscht er sich, in den Besitz von 200 Pfund Sterling zu kommen. Der Wunsch wird ihm bald auf schreckliche Weise erfüllt. Sein einziger noch lebender Sohn Herbert gerät bei einem Arbeitsunfall in eine laufende Maschine und wird getötet. Aus der Lebensversicherung erhält Mr. White 200 Pfund Sterling.

Nach der Beerdigung verfällt das alte Ehepaar in eine teilnahmslose und depressive Lebensweise. Eines Nachts wird Mrs. White jedoch von einem plötzlichen Einfall ergriffen. Sie bittet ihren Ehemann flehentlich, einen zweiten Wunsch auszusprechen: die Rückkehr ihres Sohnes ins Leben. Mr. White zögert zunächst, aber erneut gibt er dem Drängen seiner Frau nach und spricht den Wunsch aus. Jedoch geschieht nicht das Geringste, und das niedergeschlagene Ehepaar begibt sich schließlich enttäuscht wieder zu Bett. Erst später hören sie, wie plötzlich jemand laut an die Haustür klopft. Mrs. White ist überzeugt, dass es sich hierbei nur um ihren Sohn handeln kann (der ja eine gewisse Weile gebraucht hätte, um die Strecke vom Friedhof zum Haus zurückzulegen), und läuft zur Haustür, außer sich vor Freude. Mr. White hingegen (der, anders als seine Frau, den schrecklich zugerichteten Leichnam vor der Beerdigung noch gesehen hat), wird von Grauen erfasst. Im letzten Moment greift er nach der Affenpfote und spricht seinen dritten Wunsch aus. Als seine Frau die Tür aufreißt, ist auf der leeren Straße niemand zu sehen.

Interpretation und Wirkung[Bearbeiten]

Die unheimliche und Grauen erregende Wirkung von Jacobs Kurzgeschichte basiert auf dem meisterhaften Umgang mit Andeutungen und Hinweisen, die durch ihre Vagheit und Unbestimmtheit die Vorstellungskraft des Lesers anregen. So werden die Wünsche der Vorbesitzer der Affenpfote nicht genannt, sondern nur ihre möglichen Auswirkungen angedeutet, nämlich in Form eines Todesfalls (Selbstmord?) und Morris’ eigentümlicher Gleichgültigkeit (Lebensüberdruss?). Auch wird Herberts Tod nicht beschrieben. Nur durch den (tatsächlich sehr zurückhaltenden) Bericht eines Firmenvertreters drängt sich dem Leser das Bild eines entsetzlichen Unfalls und einer verstümmelten und entstellten Leiche auf. Ebenso wird der Wortlaut des letzten Wunsches nicht enthüllt. Dennoch wird man zu der Vermutung gedrängt, dass Mr White seinen eigenen, geliebten Sohn wieder in das Reich der Toten zurückbannt und damit wissentlich die letzte Hoffnung seiner Frau zerstört. Letztendlich bleibt unklar, wer (oder was) tatsächlich an die Tür geklopft hat. Alle Ereignisse können somit auch als eine bloße Verkettung von unglücklichen und tragischen Zufällen erklärt werden. Die Interpretation der Ereignisse durch die Protagonisten stellt vielleicht nur eine verhängnisvolle Selbsttäuschung dar (hervorgerufen durch die Angebereien eines Trinkers), genau so wie die Interpretation der Geschichte durch den Leser.

Das Thema der Geschichte hat strukturelle Ähnlichkeit mit den Geschichten um Doktor Faust, in denen es ebenfalls keine Möglichkeit gibt, einen Wunsch in so geschickter Form zu formulieren, dass der Teufel den Wünschenden nicht verderben kann, und vielleicht zu den Geschichten um den Zauberlehrling, der nicht in der Lage ist, die von ihm befreiten Kräfte unter Kontrolle zu halten. Eine harmlosere Parallele bilden die zahlreichen Varianten der „Drei-Wünsche-Witze“.

Rezeption[Bearbeiten]

  • Bereits 1907 wurde ein, auf dieser Geschichte basierendes, einaktiges Theaterstück aufgeführt, das noch heute gespielt, und im Schulunterricht gelesen wird.
  • In einer Episode der Fernseh-Serie über die Pop-Gruppe The Monkees (zwischen 1965 und 1968) verkauft ein Nachtclub-Magier der Band eine verfluchte Affenpfote, um sich dafür zu rächen, dass die Bandmitglieder ihn zuvor unwissentlich um seine Anstellung gebracht haben.
  • Die Episode Wish You Were Here im Film Tales from the Crypt von 1972 stellt eine Bearbeitung des Themas dar.
  • Ebenso beruht der Roman Friedhof der Kuscheltiere von 1983 des bekannten Horror-Autors Stephen King auf derselben Prämisse: Nach dem Verlust eines geliebten Wesen wünscht man es sich zurück. Zuvor hatte King die Geschichte bereits in seinem Roman Dead Zone – Das Attentat und in der Novelle Apt Pupil erwähnt, der zur Vorlage des Films Der Musterschüler wurde.
  • „Die Affenpfote“ war ebenfalls das Thema eines gleichnamigen humorvollen Liedes auf dem Album Strange Angels der Pop-Sängerin Laurie Anderson von 1989.
  • Der deutsche Humorist Heinz Erhardt hat die Geschichte zu einer Ballade mit dem Titel Fünfzig Pfund verarbeitet; der Untertitel lautet Eine alt-englische Moritat. Hier ist die Affenpfote ein Ring, und die Handlung beschränkt sich auf den ersten Wunsch mit dem Geld und dem Todesfall des Sohnes.
  • Eine der Episoden aus der zweiten Halloween-Sondersendung der Zeichentrick-Reihe Die Simpsons (Treehouse of Horror II) trägt denselben Namen und stellt offensichtlich eine Parodie dieser Geschichte dar.
  • In der Fernsehserie Buffy – Im Bann der Dämonen versucht Buffys Schwester Dawn ihre Mutter nach deren Tod, mit Hilfe magischer Praktiken, wieder ins Leben zurück zu rufen. Das Ergebnis wird sehr ähnlich wie das Ende der „Affenpfote“ geschildert.
  • In der Episode Je Souhaite der Fernseh-Serie Akte X tritt ein weiblicher Dschinn auf, der jedem Besitzer eines magischen Teppichs die Erfüllung von drei Wünschen verspricht. Die Ergebnisse stellen im besten Fall eine ironische Wendung des Wunsches dar, im schlimmsten Fall sind sie bösartig. Zum Beispiel findet sich der Protagonist Fox Mulder, nach seinem Wunsch nach „Friede auf Erden“, in einer leblosen Welt wieder, die keinen Bewohner mehr hat, außer ihm selbst.
  • In dem Computer-Spiel Die Sims 2 kann der Spieler, der Couch suchen auswählt, während er auf einem Sofa sitzt, eine „Mysteriöse Zombie Affenpfote“ finden.
  • Im Kapitel Suruga Monkey des Romans Bakemonogatari wünscht die Titelheldin zu einer Pfote schneller laufen zu können um ein Wettrennen zu gewinnen. Als am nächsten Tag ihre vier einzigen Konkurrenten fehlen da diese zusammengeschlagen worden, geht sie davon aus dass das eine „Affenpfote“ war, die den Wunsch gegen ihre Intention verzerrte. Tatsächlich aber ist die Pfote ein Teufel der ihre Wünsche nicht wie sie geäußert werden, sondern getreu so wie sie gemeint sind umsetzt.

Ausgaben[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel en:The Monkey's Paw.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: The Monkey's Paw – Quellen und Volltexte (englisch)