Die Ballade von der sexuellen Abhängigkeit

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Die Ballade von der sexuellen Abhängigkeit ist das bekannteste Kunstwerk[1] der amerikanischen Fotografin Nan Goldin. Das Kunstwerk war ursprünglich eine mit Musik hinterlegte Diashow von circa 700 Bildern aus dem sozialen Umfeld der Künstlerin. Das Kunstwerk wird seit 1979 in unregelmäßigen Abständen gezeigt, wobei sich ein Teil der Bilder immer wieder ändert. 1986 erschienen die Bilder jedoch auch in Buchform [2].

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Bilder entstand zwischen 1978 und 1986 [3] als zunächst private Schnappschüsse von Freunden und Bekannten der Künstlerin aus dem Transvestitenmilieu New Yorks. Der Titel ist Brechts Dreigroschenoper entnommen und die Fotos sollen eine Art Tagebuch des Stammes (Tribe) der Künstlerin sein. Die Bilder stellten ursprünglich einen Kampf um Intimität und Anerkennung, später auch gegen die AIDS-Epidemie, der Schwulen-, Lesben- und Transvestiten-Szene New Yorks dar [4].

Aufführungen[Bearbeiten]

Anfangs wurden die Fotos als Diavortrag, zum Teil vor den abgebildeten Personen, gezeigt. 1979 wurde das Kunstwerk erstmals als solches im Mud Club in New York öffentlich gezeigt[5]. Weitere Aufführungen erfolgten 1984 im Moderna Museet, Stockholm, 1986 auf den Berliner Filmfestspielen und 1991 im Museum of Modern Art, New York[6].

Kritik[Bearbeiten]

Nan Goldin wurde vorgeworfen, mit ihren Bildern einen „Heroin Chique“ zu generieren und eine voyeuristische Haltung zu ihrem Sujet zu haben[7]. Nan Goldin selbst sieht sich nicht als Voyeur sondern behauptet, die Bilder seien Familienbildern gleichzustellen: Die gängige Auffassung besagt, der Fotograf sei von Natur aus Voyeur, der letzte, der zu einer Party eingeladen wird. Aber ich bin eingeladen: Dies ist meine Feier. Dies ist meine Familie, meine Geschichte.[8]

Zitat[Bearbeiten]

„Am Anfang meiner Arbeit stand die Erkenntnis, dass Menschen, die sonst überhaupt keine Gemeinsamkeiten haben, sich auf einer sexuellen Ebene anziehen. Sie tun einander nicht gut, was dem Sex eine umso größere Bedeutung beimisst. Es ist wie eine Sucht, miteinander zu schlafen, womit man sich alle möglichen Katastrophen einhandelt. Aber Menschen wählen die Abhängigkeit, weil sie sich gut dabei fühlen. Das vergessen wir gerne, wenn wir über Süchtige reden. [...] Aber ich habe überhaupt nichts gegen diese Form der Bindung [...] Es ist bei Paaren nun mal so, dass einer immer abhängiger vom anderen ist als umgekehrt. Der Ursprung des Wortes ist positiv besetzt: an jemandem hängen. Das ist aber mit Abhängigkeit, wie wir sie verstehen, nicht gemeint. Der negative Beiklang entsteht, weil wir von Beziehungen reden, die ohne seelische, emotionale Bindung sind.“

Nan Goldin[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Guardian Online: There's no one quite like Nan Goldin (Aufgerufen am 1. März 2009)
  2. Nan Goldin, Marvin Heiferman, Mark Holborn, Suzanne Fletcher: The Ballad of Sexual Dependency, Aperture Foundation, 1986 ISBN 0893812366
  3. The Museum of fine arts, Huston: Nan Goldin: Stories Retold (Aufgerufen am 3. März 2009)
  4. Artforum International, 1. Mai, 1995
  5. Lindsay James, Artist says that her genius is 'in the narratives', Voices of Pensilvenia, 5. November 2005, Seite 20, (PDF; 355 kB)
  6. http://www.stunned.org/goldin.htm
  7. Associated Content Nan Goldin Photography: The 'Goldin' Age of Heroin Chic (27. April 2007)
  8. There is a popular notion, that the photographer is by nature a voyeur, the last one invited to the party. But I'm not crashing; this is my party. This is my family, my history.
  9. Meine geliebte Ersatzfamilie, Zeit Online, Seite 2, 20. Oktober 2009 (Aufgerufen am 12. September 2013)