Die Brücke über die Drina

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Die Brücke über die Drina (serbokroatisch Na Drini ćuprija/На Дрини ћуприја) ist ein historischer Roman von Ivo Andrić. Der Titel bezieht sich auf die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke in Višegrad.

Veröffentlichungsgeschichte[Bearbeiten]

„Die Brücke über die Drina” gilt als eines der wichtigsten Werke Andrićs und konstitutiv für dessen Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis 1961. Das Buch entstand während einer zurückgezogenen Schaffensperiode des Autors im Zweiten Weltkrieg in Belgrad und wurde im Jahr 1945 veröffentlicht. 1953 erschien Ernst Jonas' Erstübersetzung ins Deutsche. Mit den Romanen „Wesire und Konsuln” (Originaltitel „Travnička hronika”, deutsche Ersterscheinung 1961) und „Das Fräulein” („Gospođica”, deutsch 1958), die beide ebenfalls 1945 herauskamen, bildet die Brücke die „bosnische Trilogie” des Autors.

Handlung[Bearbeiten]

Der Roman umfasst vier Jahrhunderte einer Chronik dieser Region, zunächst unter ottomanischer und später unter österreichisch-ungarischer Herrschaft und erzählt vom Zusammenleben der Nationen und Religionen in der Gegend von Višegrad vor dem Hintergrund der Brücke und der dazugehörigen Karawanserei und des Flusses Drina. Die Handlung setzt ein zur Zeit der Geburt des späteren Großwesirs Sokollu Mehmed Pascha in Rudo 1506, erzählt vom auf dessen Veranlassung erfolgten Bau der Brücke als Verbindung zwischen dem ottomanischen Kernland und dem späteren Bosnien und Herzegowina. Andrić zeichnet die Welt der Menschen an und auf der Brücke, auf deren Mitte Bosnier und Türken, Christen und Muslime, Orient und Okzident aufeinandertreffen. Er erzählt von der Krise des Reiches, der Übernahme durch Österreich-Ungarn nach dem Berliner Kongress, dem Aufstieg des Nationalismus und den Krisen und Kriegen bis ins 20. Jahrhundert. Das Buch endet mit der Sprengung der Brücke durch die sich vor den Serben zurückziehende österreichische Armee, als die Drina im Ersten Weltkrieg zur Frontlinie wird.

Stil und Form[Bearbeiten]

Andrić wählte für seinen Roman den distanzierten Ton eines Geschichtsschreibers, der selten durch Dialog oder Reflexion unterbrochen wird. Auf dramatisierende sprachliche Mittel verzichtete er weitgehend zu Gunsten eines objektivierenden, auktorialen Erzählstils, versetzt mit Elementen der Volks- und Regionalsprache, die ihm aus seiner Jugendzeit in Višegrad vertraut waren. Durchgängig den Roman prägende Charaktere kommen nicht vor, stattdessen lässt der Autor die Episoden und Charaktere im bunten Reigen kommen und gehen, während das einzige die Handlung ganz durchspannende Element die titelgebende Brücke selbst bleibt.

Ausgaben[Bearbeiten]

Originalausgaben[Bearbeiten]

Na Drini ćuprija. Višegradska hronica. / На Дрини ћуприја. Вишеградска хроника.

  • Belgrad 1945; 9. Auflage 1953.
  • Belgrad/Sarajewo 1958 (in Izabrana dela, 4 Bände, 4).
  • Belgrad 1963 (in Sabrana dela, 10 Bände, 1).
  • Novi Sad/Belgrad 1965.
  • Belgrad u.a. 1976 (in Sabrana dela, 16 Bände).
  • Sarajewo 1985.

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

Die Brücke über die Drina. Eine Wischegrader Chronik. (Übersetzung von Ernst E. Jonas)

  • Zürich 1953.
  • München 1959.
  • Berlin 1961.
  • Frankfurt am Main 1974.