Die Frau mit den zwei Gesichtern

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Frau mit den zwei Gesichtern
Originaltitel Two-Faced Woman
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1941
Länge 94 Minuten
Stab
Regie George Cukor
Drehbuch S.N. Behrman,
Salka Viertel,
George Oppenheimer
Produktion Gottfried Reinhardt
für MGM
Musik Bronislau Kaper
Kamera Joseph Ruttenberg
Schnitt George Boemler
Besetzung

Die Frau mit den zwei Gesichtern (OT: Two-Faced Woman) ist ein der letzte Film von Greta Garbo. Unter der Regie von George Cukor spielte die Schauspielerin die einzige Doppelrolle ihrer Laufbahn.

Handlung[Bearbeiten]

Der Verleger Larry Blake lernt in den Skiferien in Sun Valley die attraktive Skilehrerin Karin Borg kennen und verliebt sich in sie. Beide heiraten, und bald folgt ihm Karin nach New York. Sie wird eifersüchtig auf die Ex-Freundin von Larry, Griseldis, eine Schauspielerin und intrigante Dame der besseren Gesellschaft, die Karin als ungeschicktes Naturkind ohne Manieren darstellt. Karin sinnt auf Rache und verlässt Larry, um kurze Zeit später als ihre Zwillingsschwester Katrin zurückzukehren. Katrin ist ein Luxusgeschöpf, das die New Yorker Gesellschaft im Sturm erobert und als mondäner Vamp Larry zu verführen versucht. Am Ende klären sich die Missverständnisse auf, und beide Ehepartner leben glücklich in Sun Valley.

Hintergrund[Bearbeiten]

Mit Kriegsausbruch begannen die ausländischen Märkte, die bislang die Mehrheit der Einnahmen für Filme mit Greta Garbo einbrachten, wegzubrechen. MGM versuchte daher, das Image Garbos dem amerikanischen Geschmack anzupassen. Die Schauspielerin ließ sich überzeugen, in einer neuen Komödie aufzutreten und wählte aus dem gewaltigen Fundus an Drehbüchern bei MGM ausgerechnet eine leichte Boulevardkomödie von Ludwig Fulda mit den Titel Die Zwillingsschwester und die Dreharbeiten begannen Anfang 1941. Die Publicityabteilung des Studios begann lange vor dem Verleih gewaltige Anstrengungen, der Öffentlichkeit eine völlig neue Garbo zu präsentieren. Eine perfekte Sportlerin, eine perfekte Salondame, eine perfekte Freundin, eine perfekte Geliebte, kurz, das perfekte Mädchen von Nebenan. Marlene Dietrich, die ihre Rivalin stets scharfsinnig analysierte, äußerte sich entsetzt darüber, dass aus der Original-Garbo nach ihrer Meinung eine zweitklassige "Irene Dunne"-Imitation gemacht werden sollte. Der veränderte Marktwert von Garbo, deren Filme bislang den Hauptteil ihrer Einnahmen in Europa einspielten, drückte sich in der geringeren Gage von 150.000 US-Dollar aus.

Die Titelsuche nahm groteske Formen an: Her Wicked Sister, The Gay Twin, Anna and Anita, Naughty but Nice oder alternativ Nice but Naughty beziehungsweise Naughty Today, Nice Tomorrow, Her Weekend Sister, The Shadow Wife oder gar The Ubiquitous Lady waren einige der Vorschläge, die zur Diskussion standen. Der Film kam am 31. Dezember 1941 und damit kurz nach dem Überfall auf Pearl Harbor in die nationalen Kinos. Einer der Gründe für das Scheitern des gesamten Unterfangens lag in den massive Problemen mit der Zensur, die der Geschichte am Ende ihre einzige Pointe raubten. Auf Druck der katholischen Kirche musste eine Szene nachgedreht werden, aus der sich klar ergibt, dass Melvyn Douglas die Täuschungsabsicht seiner Ehefrau, die ihn in Gestalt ihrer angeblichen Zwillingsschwester verführen will, durchschaut. Damit sollte, so die offizielle Begründung des Studios,die Institution der Ehe vor Herabsetzung bewahrt werden.

In einigen Szenen ist Garbo unvorteilhaft ausgeleuchtet und sieht alt und verspannt aus. Die Idee, die eher flachbrüstige Schauspielerin mit tief ausgeschnittenen Kleidern auf der Leinwand zu präsentieren, war nicht angetan, ihren Ruf als Glamour-Königin zu festigen. Auch die kurze Szene mit Badeanzug, der erste seit ihrem Auftritt in Luffar-Petter 1922, zeigte eher die körperlichen Defizite als dass sie dazu diente, Garbo in einem vorteilhaften Bild zu präsentieren. Die Schauspielerin war die gesamten Dreharbeiten über gereizt und äußerte mehrfach den Verdacht, das Studio wolle sie mit diesem Film ruinieren und loswerden. Sie war ärgerlich, dass Louis B. Mayer persönlich sein Veto eingelegt hatte, Garbo die Hauptrolle in Madame Curie zu geben. Tatsächlich kursierten ab Ende 1941 einige Artikel in den Fachzeitschriften, wonach MGM die Verträge von sowohl Norma Shearer, Joan Crawford als auch Greta Garbo, die alle mindestens seit 1925 beim Studio waren, lösen wolle, da die Schauspielerinnen zu teuer geworden wären. Alle drei Stars beendeten ihre MGM-Karrieren im Folgejahr, teils, um sich wie Shearer und Garbo, für immer von der Leinwand zurückzuziehen, während Crawford zwei Jahre später mit Solange ein Herz schlägt den Oscar gewann und ein Comeback startete. In dem Zusammenhang gibt es eine weitere interessante Parallele: auch Norma Shearers letzter Film war eine schlecht inszenierte George Cukor-Komödie mit dem Titel Her Cardboard Lover.

Kurz nach Beendigung der Dreharbeiten kündigte Gilbert Adrian, Leiter der Kostümabteilung von MGM, mit der Begründung, der Abschied von Garbo wäre auch das Ende seiner Vorstellung von Glamour. Er verabschiedete sich persönlich von der Schauspielerin, die, so schildert es dazu meinte:

„Es tut mir leid, dass Sie gehen. Aber wissen Sie, die meisten Kleider, in die Sie mich gesteckt haben, haben mir eigentlich nicht gefallen.[1]

Kinoauswertung[Bearbeiten]

Mit Produktionskosten von 1.247.000 US-Dollar lag der Film im Rahmen einer teuren MGM-Produktion. Der Film war an der Kinokasse entgegen den vielen Gerüchten leidlich erfolgreich und spielte in den USA 875.000 US-Dollar und im Ausland weitere 925.000 US-Dollar ein. Das kumulierte Einspielsumme von 1.800.000 US-Dollar bescherte dem Studio am Ende einen Verlust von 62.000 US-Dollar.

Kritiken[Bearbeiten]

Die zeitgenössischen Kritiken waren verheerend, während in den letzten Jahre eine deutlich positivere Sicht auf Film und Star geworfen wird.

Die Kritikerin Cecila Ager urteilte in der Zeitschrift PM sehr hart:

„Der Film macht Garbo zu einem Clown, einem Hanswurst, einem Tanzbären.“[2]

Das Lexikon des internationalen Films findet dagegen recht freundliche Worte:

„Der Film war Greta Garbos eklatantester Mißerfolg und führte zu ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft. Frei von festen Erwartungen gegenüber dem Star, sieht der Zuschauer von heute eine nicht übermäßig elegante, aber recht erheiternde Liebeskomödie.“

Im Filmblog Bright Lights Film Journal wird ebenfalls eine positive Rezension vorgenommen, in der Garbos darstellerischen Fähigkeiten, die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere klar herauszuarbeiten, ausdrücklich gelobt wird.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Barry Paris in der Biographie 'Garbo*, Seite 551
  2. The picture makes Garbo a clown, a buffoon, a monkey on a stick.
  3. http://www.brightlightsfilm.com/59/592faced.html