Die Frau nebenan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Die Frau nebenan
Originaltitel La Femme d’à côté
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1981
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch François Truffaut,
Jean Aurel,
Suzanne Schiffman
Produktion François Truffaut
Musik Georges Delerue
Kamera William Lubtchansky
Schnitt Martine Barraqué
Besetzung

Die Frau nebenan (Original: La Femme d’à côté) ist ein französisches Filmdrama mit Fanny Ardant und Gérard Depardieu aus dem Jahr 1981 und zugleich der vorletzte Spielfilm des französischen Regisseurs François Truffaut.

Handlung[Bearbeiten]

Der Schiffsingenieur Bernard Coudray lebt mit seiner Frau Arlette und dem gemeinsamen Sohn Thomas in einem kleinen Ort in der Nähe von Grenoble. Eines Tages zieht in das Haus nebenan das Ehepaar Philippe und Mathilde Bauchard. Als die neuen Nachbarn aufeinandertreffen, sind Bernard und Mathilde gleichsam überrascht sich wiederzusehen, denn beide kennen sich von früher. Vor acht Jahren beendeten sie ihre Liebesbeziehung, die von tiefer Leidenschaft und einer Art Hassliebe geprägt war. Bernard versucht Mathilde zunächst aus dem Weg zu gehen. Als sie sich kurze Zeit später zufällig beim Einkaufen begegnen, kommt es jedoch zu einem Kuss, der ihre Gefühle füreinander erneut aufleben lässt. Ungeachtet ihrer ehelichen Beziehungen treffen sie sich fortan regelmäßig in einem Stundenhotel.

Mathilde will jedoch nicht mit einer Lüge auf dem Herzen weiterleben und bittet deshalb Bernard, die Affäre zu beenden. Sie hofft, beide könnten Freunde werden, und beschließt zudem, mit ihrem Mann Philippe ihre Flitterwochen nachzuholen. Bernard reagiert mit Eifersucht, die sich in unkontrolliertes Verlangen steigert, als bei einer Gartenfeier Mathildes Kleid zufällig zerreißt und sie plötzlich nur in Unterwäsche dasteht. Bernard kann sich nicht beherrschen und fällt vor allen Leuten über sie her. Nun erfahren auch ihre Ehepartner die Wahrheit über Bernard und Mathilde.

Auf ihrer Reise mit Philippe versucht Mathilde Abstand zu gewinnen und sich emotional zu erholen. Doch obwohl Bernards Gefühlsausbrüche Mathilde erschrecken, sehnt sie sich noch immer nach ihm und seiner Liebe. Auch ihre Arbeit an einem Kinderbuch kann sie in der Folgezeit nicht von ihrer Sehnsucht ablenken, zumal Bernard ihr erneut aus dem Weg geht. Sie erleidet schließlich einen Nervenzusammenbruch und wird in ein Krankenhaus eingewiesen. Da sie sich von ihrer Depression nicht zu erholen scheint, bittet sogar Bernards Frau Arlette ihren Gatten, Mathilde zu besuchen. Philippe sorgt sich derweil sehr um das Wohl seiner Frau und arrangiert deshalb den Umzug in die Innenstadt von Grenoble. Nachdem die Bauchards ausgezogen sind, scheint in Bernards Familienleben wieder Normalität einzukehren. Eines Nachts hört er ein Geräusch vom leeren Haus nebenan. Er geht mit einer Taschenlampe hinüber und findet Mathilde, die bereits auf ihn gewartet hat. Sie küssen sich und lieben sich anschließend auf dem Fußboden, bevor Mathilde zu einer Pistole greift und zunächst ihn und dann sich selbst erschießt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Frau nebenan, eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die weder mit- noch ohne einander leben können, basierend auf dem Sagenmuster von Tristan und Isolde, wurde von François Truffaut mit kleinem Stab inszeniert. Die Idee zur Verfilmung des Stoffs trug er lange mit sich herum, da ihm die passende Hauptdarstellerin fehlte. Diese fand er im Jahr 1979 in Fanny Ardant, als er sie im französischen Fernsehmehrteiler Die Damen von der Küste (Les Dames de la côte) spielen sah. Er lud sie daraufhin zu einem gemeinsamen Essen mit Gérard Depardieu ein, mit dem er gerade den Film Die letzte Metro (Le Dernier métro, 1980) drehte. Für Truffaut stand sofort fest, dass Depardieu und Ardant die ideale Besetzung für sein neues Projekt sein würden.

Gedreht wurde in Grenoble von April bis Mitte Mai 1981. Zu den Dialogen ließ sich Truffaut noch während der Dreharbeiten inspirieren. Er schrieb die meisten Dialoge in den Drehpausen an den Wochenenden. Gleichzeitig begannen er und Ardant eine Liebesbeziehung, aus der 1983 eine Tochter hervorging, und die bis zu seinem Tod im Oktober 1984 andauerte. Nach Die Frau nebenan spielte Fanny Ardant auch in Truffauts letztem Film, Auf Liebe und Tod (Vivement dimanche!, 1983), die weibliche Hauptrolle.

Die Frau nebenan wurde am 30. September 1981 in Frankreich uraufgeführt. In Deutschland kam der Film am 4. Juni 1982 in die Kinos. Für die deutsche Fassung wurde Ardant von Gisela Fritsch synchronisiert, Depardieu von Wolfgang Pampel.[1]

Kritiken[Bearbeiten]

„Truffauts zwanzigster Film erzählt die tragische Geschichte dieser amour fou mit meisterlicher Beiläufigkeit; er ist tiefgründig, vielschichtig und hervorragend gespielt.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

„Fesselnd: Truffaut beschwört die dunkle, zerstörerische Macht der Liebe. Fazit: Unheilbar romantischer Liebesthriller.“

Cinema[3]

„François Truffaut drehte die hervorragend gespielte Liebestragödie drei Jahre vor seinem Tod. Sein 20. Film hat nichts von der Leichtigkeit eines typischen Truffauts. Der Stil ist streng, die Farben karg. Mit der Präzision eines Uhrwerks nimmt das perfekt inszenierte Drama unerbittlich seinen Lauf.“

Prisma[4]

„Von Truffaut mit meisterhafter Lässigkeit inszeniert.“

TV Movie[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei der César-Verleihung 1982 waren Fanny Ardant als Beste Hauptdarstellerin und Véronique Silver als Beste Nebendarstellerin für den César nominiert. Ardant unterlag letztlich Isabelle Adjani in Possession. Silver verlor wiederum gegen Nathalie Baye in Eine merkwürdige Karriere (Une étrange affaire). Des Weiteren erhielt Die Frau nebenan den Gilde-Filmpreis 1983 in Gold in der Kategorie Ausländischer Film sowie eine Nominierung für den Japanese Academy Award als Bester ausländischer Film.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • François Truffaut Collection 1: Die Frau nebenan / Die letzte Metro / Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent / Die süße Haut / Jules und Jim. Concorde Video 2004

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Frau nebenan in der Deutschen Synchronkartei
  2. Die Frau nebenan im Lexikon des Internationalen Films
  3. vgl. cinema.de
  4. vgl. prisma.de
  5. vgl. tvmovie.de