Die Geschichte der Drei Reiche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Luo Guanzhongs Roman Sānguó Yǎnyì über die Zeit der Drei Reiche in China. Für das koreanische Werk Chronik der Drei Königreiche siehe Samguk Sagi.

Die Geschichte der Drei Reiche (chinesisch 三國演義 / 三国演义Pinyin Sānguó Yǎnyì) ist ein Roman des chinesischen Autors Luo Guanzhong über die turbulente Zeit der Drei Reiche (ca. 208–280) und gehört zu den populärsten chinesischen Romanen. Er wird auch zu den vier klassischen Romanen gezählt.

Der Roman stellt die erste Erscheinung von Yanyi dar, der Tradition, Romane als Auslegung historischer Quellen, insbesondere von Dynastiegeschichten, anzulegen. Die heutzutage vorherrschende Fassung stammt aus dem 17. Jahrhundert und enthält 120 Kapitel, es gibt jedoch auch eine ältere Fassung aus dem Jahr 1522 mit 240 Kapiteln.[1]

Erzählt wird in diesem Werk vom Untergang der östlichen Han bis zur Entstehung der Drei Reiche. Das Buch beginnt im Jahr 168 mit dem Aufstand der Gelben Turbane, der die östliche Han-Dynastie im Jahr 184 erschütterte. Chronologisch geschildert wird dann ein Zeitraum von 100 Jahren. Zuerst beginnen am Hofe der Han Militärs die Macht an sich zu ziehen, insbesondere Dong Zhuo und Cao Cao. Liu Bei gehört entfernt der Herrscherfamilie an. Er schließt in einer Szene im Pfirischgarten einen Bruderschwur mit Zhang Fei und Guan Yu, da er den Aufstand bekämpfen und die Macht der Dynastie wiederherstellen will. Liu Beis und Sun Quans Armee besiegen den Usurpator Cao Cao im Jahre 208 in der Schlacht an der Roten Wand, woraufhin die Drei Reiche entstehen.[1]

Die Handlung des Romans ist geprägt von politischen und militärischen Auseinandersetzungen, die zu Staatsaffären, Intrigen, Schlachten und Scharmützeln führen. Ebenso spielen Strategie und Kriegslist eine Rolle.[1]

Eine zentrale Handlung ist nicht vorhanden, jedoch bildet der Roman ein großes historisches Gemälde, das aus einzelnen Episoden besteht, die in sich abgeschlossen sind und eine immense Vielzahl von Figuren enthalten.[1]

Historische Quellen des Romans, der zu großen Teilen auf Tatsachen beruhen soll, sind das Sanguo Zhi (Chronik der Drei Reiche) und andere Schriften der offiziellen Geschichtsschreibung. Das Sanguo Zhi verzeichnet jedoch nicht nur historisch nachweisbare Geschehnisse, sondern es liegen in diesem Werk bereits Legenden und Anekdoten vor. [2]

Spätestens seit der Tang-Zeit ist die Stoffsammlung der Geschichte der Drei Reiche als Vorform Thema von Geschichtenerzählern gewesen. In Bezug auf die Song-Zeit liegen Quellen vor, dass es eine Schule beruflicher Geschichtenerzähler gegeben haben könnte, die auf diesen Stoff spezialisiert war. [3]

Auch im chinesischen Drama, dem südlichen der Song-Zeit und den Zaju der Yuan-Zeit wurden Geschichten über die Drei Reiche verarbeitet. Als weitere Quelle der chinesischen Dramen liegt eine grobe historische Erzählung vor, die zwischen 1321 und 1323 gedruckt wurde, das Sanguo zhi pinghua (Volkstümliche Erzählung der Geschichte der Drei Reiche).[3]

Im Roman wurde die Stofffülle dieser Erzähltraditionen zu einem vielschichtigen Epos verarbeitet. Dem Roman zugrunde liegend ist das konfuzianische Prinzip der legitimen Thronfolge, ebenso wird das Prinzip der Gerechtigkeit und der Freundestreue (Yi) zum Kriterium der Bewertung von Geschehnissen und Personen.[3]

In Bezug auf das Personal des Romanes wich Luo Guanzhong teilweise von historischen Aussagen ab und schuf markante und lebendige Charaktere, die bis heute eine Nachwirkung im Volk haben. Liu Bei erscheint beispielsweise als vorbildlicher, gerechter und legitimer Fürst, Zhuge Liang verkörpert Weisheit und tritt mit übernatürlichen Kräften hervor, Zhou Yu plant glücklose Strategien und Cao Cao verkörpert einen Bösewicht, der in China sprichwörtlich geworden ist.[3]

Der Roman ist in einem leichtverständlichen literarischen Chinesisch verfasst, und Aufbau und Struktur sind den mündlichen Erzähltraditionen verwandt. Die Darstellung der Charaktere ist geprägt durch Spannung und Dramatik der Handlungen und Dialoge, jedoch finden Schilderungen seelischer Vorgänge nicht statt.[3]

Einen bedeutenden Einfluss hatte die Geschichte der Drei Reiche auf die auch mündliche Literaturtradition Chinas sowie auf die Moral betreffende Wertvorstellungen. Strategeme, die im Roman entwickelt werden, werden bis heute in Lehrbüchern der Militärtheorie verwendet.[3]

Dem Autor Luo Guanzhong werden noch weitere Romane zugeschrieben, von denen einige noch erhalten sind. Insbesondere gilt er auch als Mitautor des Shuihu Zhuan.[3]

Im Jahr 2008 wurde der Roman in einer südkoreanisch-chinesischen Koproduktion unter dem Titel Three Kingdoms – Der Krieg der drei Königreiche (Originaltitel: San guo zhi jian long xie jia) verfilmt.

Literatur[Bearbeiten]

  • C. H. Brewitt-Taylor: San Kuo. Or Romance of the Three Kingdoms. Kelly and Walsh, Shanghai 1925 – Ältere Übersetzung einer gekürzten Fassung.
  • Moss Roberts: Three kingdoms. A historical novel. University of California Press, Berkeley CA u. a. 1991, ISBN 0-520-06821-1 – Neuere, vollständige englische Übersetzung.
  • Volker Klöpsch, Eva Müller (Hrsg.): Lexikon der chinesischen Literatur. Beck, München 2004, ISBN 3-406-52214-9.
  • Franz Kuhn: Die drei Reiche. Roman aus dem alten China (= Insel Taschenbuch 585). Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-458-32285-X – Ältere deutsche Übersetzung in Auszügen (radikal gekürzt).
  • A Manchu Edition of Ilan-gurun-i bithe. Chinese Materials Center, San Francisco 1979 – Mandschurische Ausgabe des Romans aus der Qing-Dynastie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Volker Klöpsch, Eva Müller (Hrsg.): Lexikon der chinesischen Literatur. 2004, S. 208.
  2. Volker Klöpsch, Eva Müller (Hrsg.): Lexikon der chinesischen Literatur. 2004, S. 208 f.
  3. a b c d e f g Volker Klöpsch, Eva Müller (Hrsg.): Lexikon der chinesischen Literatur. 2004, S. 209.

Weblinks[Bearbeiten]

Kurze deutschsprachige Zusammenfassung

 Wikisource: 三國演義 (chinesisch) – Quellen und Volltexte