Die Geschichte von Herrn Sommer

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Die Geschichte von Herrn Sommer ist eine Novelle des deutschen Schriftstellers Patrick Süskind, erschienen 1991 im Diogenes Verlag, mit Bildern von Jean-Jacques Sempé.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Erzähler schildert rückblickend die Kindheit eines Jungen in einer süddeutschen Kleinstadt. Sein eher unglückliches Leben ist gezeichnet durch Klavierstunden bei einer ungerecht strengen Lehrerin, seinen langen Schulweg (seine Heimatstadt ist durch einen See geteilt und die Schule befindet sich auf der anderen Seite), die Oberflächlichkeit seiner Eltern und eine verzweifelte, dabei vergebliche Liebe zu einer Klassenkameradin.

Dabei kennt jeder in der Stadt den seltsamen Herrn Sommer, der dadurch auffällt, dass er ständig ziellos und verbissen umherwandert. Keiner weiß wohin oder wieso. Der Junge beobachtet Herrn Sommer und fühlt eine Verbindung zwischen dem Herumziehen des Herrn Sommer und seinem eigenen, emotionalen Umherirren.

Das Buch endet mit dem Suizid Herrn Sommers durch Ertrinken, der von dem Jungen zufällig beobachtet wird. Die Tage danach wird Herr Sommer zwar vermisst, aber es macht sich niemand Sorgen. Nach zwei Wochen aber wird eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Doch man findet Herrn Sommer nicht. Der Junge sagt nichts von dem Vorfall am See, und so haben die Leute in der Stadt das alles bald wieder vergessen.

Interpretation[Bearbeiten]

Die Novelle kann als Beispiel für unzuverlässiges Erzählen betrachtet werden. Der Erzähler beginnt die Geschichte mit der mathematisch genauen Berechnung seiner Fallgeschwindigkeit und beendet seine Geschichte damit, einen physikalisch unmöglichen Selbstmord zu beschreiben. Immer wieder thematisiert der Erzähler seine Unzuverlässigkeit, da er seit dem Sturz von einem Baum Probleme damit hat, sich zu konzentrieren. Weiterhin leidet er an einer Rechts-Links-Schwäche. Probleme bei der Berechnung einfacher mathematischer Aufgaben, Rechts-Links-Schwäche und die eingestandenen Konzentrationsschwierigkeiten könnten daran liegen, dass der Erzähler beim Sturz vom Baum eine Schädigung des Gehirns (Gyrus angularis) davongetragen hat und seitdem am Gerstmann-Syndrom leidet. Durch diese Interpretationsweise wird die gesamte fiktionale Wirklichkeit, inklusive der Existenz von Herrn Sommer, in Zweifel gezogen. Vgl. hierzu den Artikel von Bareis (s.u.).

Buchausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Blödorn: Wahrnehmung der Zeit(lichkeit) im Raum: Die Geschichte von Herrn Sommer – ein postmodernes Spiel mit Deutungsmustern. In: Andreas Blödorn, Christine Hummel (Hrsg.): Psychogramme der Postmoderne. Neue Untersuchungen zum Werk Patrick Süskinds. WVT, Trier 2008, ISBN 978-3-86821-005-7.
  • J. Alexander Bareis: Was ist wahr in der Fiktion? Zum Prinzip der Genrekonvention und die Unzuverlässigkeit des Erzählers in Patrick Süskinds „Die Geschichte von Herrn Sommer“. In: Scientia Poetica 13 (2009), S. 230–245.

Weblinks[Bearbeiten]