Die Gewehre der Frau Carrar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Gewehre der Frau Carrar ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1937.

Entstehung[Bearbeiten]

Es basiert auf einer Idee des Stücks „Riders to the Sea“ von John Millington Synge, einem irischen Dramatiker. Brecht wurde von seinem Mitarbeiter, dem Regisseur Slatan Dudow angeregt, etwas zu den Ereignissen im spanischen Bürgerkrieg zu schreiben. Sein Werk, welches in der ersten Fassung „Generäle über Bilbao“ als Titel trug, war die Antwort darauf. Es entstand unter Mitwirkung von Margarete Steffin. Zu Lebzeiten Brechts war es eins seiner am häufigsten gespielten Stücke. Die Uraufführung fand am 16. Oktober 1937 in der Salle Adyar in Paris statt, die Titelrolle spielte Helene Weigel. Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Spanien hatte Brecht das Ende des Stückes bis zur Probe der Uraufführung offengelassen. Die Deutsche Erstaufführung war am 16. Mai 1946 am Hebbel-Theater in Berlin.[1] 1939 ergänzte Brecht einen Prolog und nahm 1952 kleinere Änderungen vor.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt in einem kleinen Fischerhaus in einem kleinen andalusischen Fischerdorf in der Nähe Málagas in Spanien, in dem Teresa Carrar und ihre zwei Söhne leben. Ihr 20-jähriger Sohn Juan ist gerade auf dem Meer fischen, während sein 15-jähriger Bruder José am Fenster wacht, ob Juans Lampe noch leuchtet. Auf einmal kommt der Bruder der Mutter, Pedro, unter dem Vorwand sie zu besuchen vorbei, ist aber in Wirklichkeit nur an den Gewehren ihres im Bürgerkrieg verstorbenen Mannes interessiert. Sie beginnen über den Krieg zu diskutieren, und nach und nach kommen verschiedene Personen dazu, von denen jeder eine andere Haltung zum Krieg vertritt. Teresa Carrar will sich und ihre beiden Söhne aus dem Bürgerkrieg heraushalten, Zitat: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.“ Plötzlich kommen einige Frauen und zwei Fischer mit Juan in einem blutdurchtränkten Segel in ihr Haus. Ihr Sohn wurde von einem vorbeifahrenden Schiff der Franquisten erschossen, und nun ändert die Mutter schlagartig ihre Haltung. Als sie auf einmal vom Durchbruch der Franquisten bei Malaga hört, packt sie selbst ein Gewehr, und zieht gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Sohn an die Front. Teresa Carrar wollte nicht, dass ihre Söhne an die Front gehen, weil ihr Mann Carlo im Krieg durch einen Lungenschuss getötet wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Brecht selbst bezeichnete das Stück als aristotelische (Einfühlungs-)Dramatik, und regte an, es zusammen mit einem Dokumentarfilm zum spanischen Bürgerkrieg zu zeigen. Sein Standpunkt, dass in der Auseinandersetzung zwischen „dem Guten” und „dem Bösen” auch „das Gute” nicht ohne Gewalt auskomme, wird hier wie auch schon in früheren Stücken sichtbar. Hinzu kommt hier noch der Gedanke, dass es bei derartigen Auseinandersetzungen keine Neutralität geben könne. Das „sich Heraushalten” schütze nicht davor, selber schmerzhaft betroffen zu werden und die fehlende oder zu späte Entscheidung für „das Gute” helfe nur „dem Bösen” zu obsiegen.

Deutschsprachiges Hörspiel[Bearbeiten]

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Hecht: Brecht Chronik 1998-1956. Ergänzungen. Suhrkamp, Frankfurt/M 2007, ISBN 978-3-518-41858-1, S. 59.
  2. Werner Hecht (Hrsg): Alles was Brecht ist ... Fakten – Kommentare – Meinungen – Bilder. Frankfurt/M 1997 S.261
  3. a b Werner Hecht (Hrsg): Alles was Brecht ist ... Fakten – Kommentare – Meinungen – Bilder. Frankfurt/M 1997 S. 267 ff.