Die Glocke (Bremen)

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Die Glocke an der Domsheide

Die Glocke ist ein Konzerthaus auf der Domsheide in der Bremer Innenstadt neben dem Dom. Das Gebäude steht seit 1973 unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert wurde ein turmartiges Gebäude an der Südseite des Doms, das durch einen Gang mit ihm verbunden war, Kapitelhaus oder wegen seiner Form auch „Glocke“ genannt. Es gehörte zum Domstift, wurde für Beratungen des Domkapitels genutzt und nach 1648 auch für Hofgerichtsverhandlungen. Das achteckige Gebäude, ein Oktogon mit einem Kegeldach und Fachwerkmauern auf einem runden Fundament aus Backsteinen, ist seit dem 18. Jahrhundert durch Abbildungen bekannt.

Der 1737 nach Plänen des Dom-Intendanten und Baumeisters (Strukturar) Caspar Friedrich Renner entstandene Neubau war ebenfalls achteckig und wurde, als er 1803 mit dem Dom bremisch wurde, als Hauptschule (damals die Gelehrtenschule), für Gerichts- und Deputationssitzungen sowie zur Verwahrung von Akten genutzt. 1857 ging das Gebäude in den Besitz des Künstlervereins über, in dem fast alle Persönlichkeiten des künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens Mitglieder waren. Nach einem Umbau durch den Architekten Heinrich Müller diente das Gebäude als Vereinslokal. Feste und Jubiläen, auf deren Gestaltung der Maler und Dichter Arthur Fitger und der Dramatiker Heinrich Bulthaupt Einfluss ausübten, spielten eine große Rolle. Nach einer Neugestaltung der Säle 1869 wurde hier 1877 auch die naturwissenschaftliche Sammlung untergebracht, die die Gesellschaft Museum an den Staat abgegeben hatte, bis sie 1890 an die Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung ging.

Am 26. Januar 1915 wurde das Gebäude Opfer eines Großfeuers. 1919 wurde ein Architektenwettbewerb für den Neubau ausgerichtet, bei dem der Bremer Architekt Heinz Stoffregen einen der insgesamt sechs ersten Preise gewann. Sein Entwurf sah unter anderem den Erhalt des gotischen Kreuzgangs vor, der bei dem Brand erhalten geblieben war, wurde jedoch nicht umgesetzt.[2] Die Ruine wurde 1925 abgetragen, dabei wurde auch der Kreuzgang zerstört.

Weitere Namensableitung[Bearbeiten]

Der Turm des Ostertors (Osttor) aus dem 13./14. Jahrhundert, einem Durchlass durch die Stadtmauer der historischen Altstadt, über dessen Durchgang eine Glocke hing, wird als weitere Namensableitung genannt. Er diente auch als Gefängnis und wurde 1828 abgerissen.

Die neue Glocke[Bearbeiten]

Figurenfries über dem Eingang

Die neue Glocke − erbaut 1926 bis 1928 nach Entwurf des Bremer Architekten Walter Görig mit Konzertsälen und einem Restaurant − übernahm den Grundriss des alten Domstifts und erhielt an der Domsheide einen großen Treppengiebel. Seit der Einweihung heißt das Gebäude Die Glocke.

Renovierungen[Bearbeiten]

Nach Beseitigung der Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurde die Glocke bis 1959 von den Besatzungstruppen für Klubräume genutzt. 1995/1997 erfolgte eine gründliche Sanierung, nach der 1999 im Foyer Büsten von Ernst Wendel (1876–1938), Georg Kulenkampff (1898–1948), Hellmut Schnackenberg (1902–1974) und Ludwig Roselius (1902–1977) aufgestellt wurden.

Akustik[Bearbeiten]

Wegen ihrer hervorragenden Akustik hat die Glocke den Ruf eines erstklassigen Konzerthauses. Herbert von Karajan zählte die Glocke zu den drei besten Konzertsälen Europas. Und Margaret Price meinte: „Die Glocke ist für Sänger der beste Saal der Welt!“.[3]

Betreiber[Bearbeiten]

Der Betreiber, die Glocke Veranstaltungs GmbH, gehört zu 100 % der Hanseatischen Veranstaltungsgesellschaft mbH.

Säle und Räume[Bearbeiten]

Säle und Foyer sind im Stil des Art Déco gestaltet. Der Große Saal mit einem Rang hat 1400 Plätze; der Kleine Saal hat 430 Plätze. Dazu stehen differenziert gestaltete Foyerflächen bereit. Säle und Foyer stehen für Konzerte, Liederabende, Lesungen, kleinere Kongresse Vorträge, Bankette und andere Veranstaltungen bereit.

Orgel[Bearbeiten]

Die erste Orgel im Konzertsaal wurde 1893-1894 von der Orgelbaufirma Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) erbaut. Das Instrument hatte 40 Register auf drei Manualen und Pedal (mechanische Kegelladen). Bei einem Brand wurde es 1915 vernichtet. Die heutige Orgel im Bremer Konzertsaal wurde 1928 von der Orgelbaufirma Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) erbaut. Das Instrument hat 76 Register auf vier Manualen und Pedal (pneumatische Taschenladen). Die Trakturen sind elektro-pneumatisch. In den Jahren 2005-2008 wurde das Instrument von dem Orgelbauer Christian Scheffler (Sieversdorf) umfassend restauriert.

I Hauptwerk C–a3
1. Principal 16'
2. Principal 8'
3. Viola di Gamba 8'
4. Flûte harmonique 8'
5. Gedackt 8'
6. Gemshorn 8'
7. Octave 4'
8. Rohrflöte 4'
9. Dolce 4'
10. Flachflöte 2'
11. Rauschquinte II 22/3'
12. Cornett V 8'
13. Mixtur V
14. Trompete 8'
II Schwellwerk C–a3
15. Nachthorn 16'
16. Principal 8'
17. Rohrflöte 8'
18. Quintatön 8'
19. Salicional 8'
20. Liebl. Gedackt 8'
21. Praestant 4'
22. Blockflöte 4'
23. Schwiegel 2'
24. Sesquialtera II 22/3'
25. Scharf III-V
26. Cymbel III
27. Rankett 16'
28. Krummhorn 8'
29. Singend Regal 4'
Tremulant
III Schwellwerk C–a3
30. Liebl. Gedackt 16'
31. Geigenprincipal 8'
32. Nachthorn 8'
33. Concertflöte 8'
34. Quintatön 8'
35. Viola 8'
36. Spitzflöte 8'
37. Aeoline 8'
38. Vox coelestis 8'
39. Principal 4'
40. Violine 4'
41. Nachthorn 4'
42. Zartquinte 22/3'
43. Flautino 2'
44. Terz 13/5'
45. Septime 11/7'
46. Sifflöte 1'
47. Cornett III-IV
48. Mixtur VI-VII
49. Basson 16'
50. Trompette harm. 8'
51. Oboe 8'
52. Clairon 4'
Tremulant
IV Echowerk C–a3
53. Bordun 8'
54. Dulciana 8'
55. Unda maris 8'
56. Principal 4'
57. Quintatön 4'
58. Vox humana 8'
Tremulant
Pedal C–f1
59. Untersatz 32'
60. Principalbass 16'
61. Subbass 16'
62. Liebl. Gedackt 16'
63. Oktavbass 8'
64. Violoncello 8'
65. Bassflöte 8'
66. Choralbass 4'
67. Nachthorn 4'
68. Nachthorn 2'
69. Rauschpfeife IV
70. Mixtur VI
71. Bordun 32'
72. Posaune 16'
73. Rankett 16'
74. Basstuba 8'
75. Horn 4'
76. Singend Cornett 2'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppeln: III/I, III/II, IV/IV
    • Superoktavkoppeln: III/I, III/II, IV/IV , P/P
  • Spielhilfen: freie Kombinationen, Handregister, Tutti, Pedalumschaltungen, Absteller, Crescendowalze

Quellen[Bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD .
  2. Hermann Fitger in: Bremische Biographie 1912-1962; Verlag H.M. Hauschild, Bremen, 1969, Seite 480.
  3. Beschreibung auf glocke.de. Abgerufen am 26. Dezember 2012.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

53.0758.8094444444444Koordinaten: 53° 4′ 30″ N, 8° 48′ 34″ O