Die Hellstrom Chronik

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Hellstrom Chronik
Originaltitel The Hellstrom Chronicle
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 90 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Walon Green
Drehbuch David Seltzer
Produktion David L. Wolper
Musik Lalo Schifrin
Kamera Helmuth Barth
Ken Middleham
Vilis Lapenieks
Schnitt John Soh
Besetzung

Die Hellstrom Chronik (Originaltitel: The Hellstrom Chronicle) ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 1971. Markenzeichen dieser Kombination aus Dokumentar- und Science-Fiction-Film sind die zahlreichen Zeitlupen- und Makroaufnahmen aus der Insektenwelt.[1] Regie führte Walon Green, das Drehbuch schrieb David Seltzer. Die Hellstrom Chronik erhielt 1972 den Oscar für den Besten Dokumentarfilm.

Handlung[Bearbeiten]

Durch die Handlung führt ein fiktiver Wissenschaftler namens Nils Hellstrom (gespielt von Lawrence Pressman), der beweisen will, dass nur die Insekten dafür prädestiniert sind, den Überlebenskampf gegen die Menschheit zu gewinnen. Hellstrom nennt Anpassungsfähigkeit, fehlende Emotionen, Unterordnung dem Gemeinwohl gegenüber und zahlenmäßige Überlegenheit als Hauptgründe. Als Beleg bedient er sich Dokumentarmaterials aus der Welt der Insekten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Hellstrom Chronik wurde im Mai 1971 außer Konkurrenz auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes vorgestellt.[2] Der Film startete am 28. Juni 1971 in den USA und am 12. November desselben Jahres in den deutschen Kinos.[3][4][5]

David Seltzer wurde 1976 als Drehbuchautor von Richard Donners Das Omen bekannt. Walon Green schrieb vor diesem Film das Drehbuch zu Sam Peckinpahs Westernklassiker The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz und später unter anderem die Drehbücher zu RoboCop 2, Eraser und zu einigen Episoden der Fernsehserie Emergency Room – Die Notaufnahme. Ken Middleham führte auch die Kamera bei dem thematisch ähnlich gelagerten Phase IV (1974).[6]

Für die zahlreichen im Film verwendeten Archivaufnahmen wurde unter anderem auch auf Material von Heinz Sielmann zurückgegriffen.[3][4]

Analyse[Bearbeiten]

Zur filmgeschichtlichen Position und Nachwirkung schrieb Georg Seeßlen: „Neben den Ratten, Fischen oder Fröschen, die in den Katastrophen-Filmen die Menschen bedrohen, kamen auch die Insekten [in den 1970er Jahren] zu neuen, in den Phobien des Genres angelegten Erscheinungsformen. […] Die latente Furcht vor den Insekten kam etwa in dem Dokumentarfilm «The Hellstrom Chronicle» […] zum Ausdruck, der eine bemerkenswerte Aufnahmetechnik mit der nicht ganz rationalisierten Botschaft von der Übernahme der Erde durch die Insekten verband. Diesen Gedanken setzt «Phase IV» […] in eine Spielhandlung um. […] Der Mensch, so ließe sich das Fazit ziehen, muß sich immer wieder der Natur unterordnen und nicht die Natur dem Menschen.“[6]

Kritik[Bearbeiten]

Vincent Canby von der New York Times schrieb zum Filmstart, dass der Film scheinbar für eine vernünftige ökologische Politik werben wolle, was auch gutzuheißen sei. Ebenso sei die Leistung der beteiligten Kameramänner herausragend. Der Erzählerkommentar und der vertretene Standpunkt seien jedoch „auf sensationelle Weise schlecht und womöglich missverständlich“.[1]

Das Lexikon des Internationalen Films lobte zwar die technischen Aspekte des Films, kritisierte aber die im Film vertretene These, dass die „totale Unterordnung des Individuums und zielstrebiges Beutemachen Idealbilder der heutigen Gesellschaft seien“, als fragwürdig.[5]

Für Die Zeit dienten die Insekten zur Illustration einer „reaktionären Überlebensphilosophie“.[7]

Nachwirkung[Bearbeiten]

Der Film diente als Inspiration zu dem Buch Hellstrom’s Hive (1973) von Frank Herbert, in dem es ebenfalls einen Nils Hellstrom gibt, der die gleichen Thesen wie der Hellstrom des Films vertritt. Der Hellstrom des Buches steht einer aus zehntausenden Menschen bestehenden Gruppe vor, die eine geheime, abgesondert in unterirdischen Stollen lebende Parallelgesellschaft bildet, welche sich so nah wie möglich an der Lebensweise der Insekten zu orientieren versucht.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

2003, rund 30 Jahre nach der Erstaufführung des Films, wurde Lalo Schifrins Filmmusik auf CD veröffentlicht. 2012 erschien Die Hellstrom Chronik in den USA auf Blu-ray Disc und DVD.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b „The movie seems to be making a case for a sane ecological policy, which is all well and good, but it devotes most of its efforts to turning its subjects — driver ants, locusts, bees, moths, butterflies, Venus fly traps, and what not—into monsters of anthropomorphic dimension. […] A number of cameramen contributed the individual sequences, utilizing stop-motion photography, telescopic lenses and microscopic lenses, and their work is superb. The narration and the point of view, however, are sensationally awful and, possibly, misleading.“ – Rezension in der New York Times vom 29. Juni 1971, abgerufen am 14. Januar 2013.
  2. Archiv der Internationalen Filmfestspiele von Cannes, abgerufen am 14. Januar 2014.
  3. a b Die Hellstrom Chronik in der Internet Movie Database.
  4. a b Die Hellstrom Chronik auf Turner Classic Movies, abgerufen am 14. Januar 2013.
  5. a b Die Hellstrom Chronik im Lexikon des Internationalen Films.
  6. a b Georg Seeßlen: Kino des Utopischen. Geschichte und Mythologie des Science-fiction-Films. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1980, S. 244–246.
  7. Filmtips in Die Zeit Nr. 28 vom 6. Juli 1973, abgerufen am 14. Januar 2013.
  8. Hellströms Brut (Originaltitel: Hellstrom’s Hive), Bibliothek der Science Fiction Literatur Band 14, Heyne Verlag, München 1982, ISBN 3-453-30902-2.