Die Hexen von Salem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Die Hexen von Salem
Originaltitel Les sorcières de Salem
Produktionsland Frankreich, DDR
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1957
Länge 145 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Raymond Rouleau
Drehbuch Jean-Paul Sartre
Produktion Raymond Borderie
Musik Georges Auric
Hanns Eisler
Kamera Claude Renoir
Schnitt Marguerite Renoir
Besetzung

Die Hexen von Salem (französisch Les sorcières de Salem) ist ein Spielfilm des belgischen Regisseurs Raymond Rouleau aus dem Jahr 1957. Bei dem Film, der in den DEFA-Studios in Babelsberg als Koproduktion der DDR mit Frankreich entstand, handelt es sich um eine Verfilmung des Theaterstücks Hexenjagd (so auch der bundesdeutsche Filmtitel) von Arthur Miller. Die Drehbuchadaption verfasste der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre.

Handlung[Bearbeiten]

Massachusetts, Ende des 17. Jahrhunderts. In dem puritanischen Dorf Salem verliebt sich Abigail Williams in den verheirateten John Proctor, der eine lieblose Ehe mit der tugendhaften Elisabeth führt. Abigail entwickelt eine intensive Leidenschaft für den Siedler, die in grenzenlose Eifersucht umschlägt, als sie ihn nicht halten kann. Sie bezichtigt Elisabeth bei ihrem geistlichen Onkel als Hexe. In Zuge der einsetzenden Massenhysterie findet ein Prozess statt, in dem Elisabeth mit Abigails Anschuldigungen konfrontiert wird. Im Prozessverlauf öffnet sich die fromme Elisabeth der Liebe ihres Mannes, der versucht, das Todesurteil für seine Ehefrau abzuwenden. Dies gelingt ihm auch, doch wird er selbst verhaftet und zum Tode verurteilt; er findet aber mit Hilfe seiner Ehefrau zum Glauben zurück. Nach seinem Tode zeigt Elisabeth Erbarmen mit der Denunziantin.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Arthur Miller wurde Anfang der 1950er Jahre von den Hexenprozessen von Salem inspiriert. Mit dem Theaterstück verarbeitete er eigene Erfahrungen. Im Zuge der McCarthy-Ära sollte der Schriftsteller, im Juni 1956 von dem amerikanischen Kongressausschuss zur Bekämpfung „unamerikanischer Tätigkeit“ belastet, 1957 wegen „Missachtung des Kongresses“ zu einer Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt werden. Im Jahr darauf wurde Miller freigesprochen.[1] Sein Stück wurde im Januar 1953 am New Yorker Broadway uraufgeführt und mit zwei Tony Awards preisgekrönt.

Die erste Filmversion von Millers Theaterstück wurde von der DEFA mitproduziert. Um seinen internationalen Status zu bewahren, ging das DDR-Filmstudio in den 1950er Jahren Koproduktionen mit französischen Gesellschaften ein. Neben Die Hexen von Salem entstanden unter anderem Gérard Philipes und Joris IvensDie Abenteuer des Till Ulenspiegel (1956) und Jean-Paul Le ChanoisHugo-Verfilmung Die Elenden (1958).[2] Als Hauptdarsteller wurde das Schauspielehepaar Simone Signoret und Yves Montand verpflichtet, die das Proctor-Ehepaar zuvor schon auf der Theaterbühne interpretiert hatten. Kameramann Claude Renoir arbeitete mit einem intensiven Großaufnahme-Stil und kontraststarker Hell-dunkel-Ausleuchtung.[3]

Kritiken[Bearbeiten]

Der US-amerikanische Kritiker Bosley Crowther (The New York Times) lobte Die Hexen von Salem trotz einiger Längen als „beharrlich fesselnden Film“ und wies auf die Darstellerleistungen hin. „Die vielleicht herausstechendste Darstellung ist die von Yves Montand als kraftloser puritanischer Ehemann … Aber Simone Signoret folgt dicht dahinter, als strenge Puritanerfrau, deren innewohnender Gerechtigkeitssinn größer ist als ihre angeborene Eifersucht“, so Crowther. Mylène Demongeot sei „brillant flüssig und richtig beunruhigend.“[4] Die britische Times hob die „bedächtige, brütend intensive“ Arbeitsweise des Regisseurs Raymond Rouleau hervor, die vor allem den Szenen mit Abigail und Elizabeth zugutekommen würde. „Mademoiselle Mylene Demongeot braucht nicht mehr, als ein Lächeln ihres Mundwinkels zu erübrigen, um klar werden zu lassen, dass sie Elizabeth als Hexe denunzieren wird … Mademoiselle Simone Signoret setzt Stille und eine passive Resignation dagegen, die nicht genug sind, um eine Tragöde zu verhindern.“[5]

Laut dem bundesdeutschen film-dienst gelingt es dem Film nicht, „das historische Kostüm abzulegen und vom Beispielhaften ins allgemein Gültige vorzustoßen.“ Auch Sartres Drehbuch finde „über einem Stück … auf den Mißbrauch und Wahn religiöser Macht und Existenz keine deutliche Antwort“. Gelobt wurde das Spiel der Hauptdarsteller Simone Signoret und Yves Montand, für das sie „uneingeschränkte Bewunderung“ verdienten. „Fast ohne Übergang und mit sparsamsten Mitteln prägt sie (Signoret) ihr Bild aus der wechselnden Spannung innerer Wandlungsstufen …“[3]

Missfallen erregte eine von Sartre eingefügte Gefängnisszene, die in Millers Theaterstück nicht vorkommt. In einem Monolog klagt der verurteilte Proctor Volksvertreter und Kirchenrepräsentanten an. Kritiker aus christlichen Kreisen hielten Die Hexen von Salem daraufhin nur für „reife Erwachsene“ geeignet und glaubten, eine „deutliche antikirchliche Tendenz aus dem Geiste des Liberalismus“ auszumachen.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Hexen von Salem war 1957 im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals von Karlovy Vary vertreten. Zwar hatte Rouleaus Film bei der Vergabe des Hauptpreises gegenüber dem indischen Beitrag Jagte Raho von Shanbhu Mitra das Nachsehen, jedoch wurden Yves Montand, Simone Signoret und Mylène Demongeot mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Ein Jahr später gewann Simone Signoret zum zweiten Mal nach 1953 den Preis für die beste ausländische Darstellerin bei den British Film Academy Awards. Mylène Demongeot erhielt eine Nominierung als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Arthur Miller. In: Internationales Biographisches Archiv 25/2005 vom 25. Juni 2005 (aufgerufen am 26. August 2009 via Munzinger Online)
  2. a b Die Hexen von Salem. In: Das große TV-Spielfilm-Filmlexikon (CD-ROM). Directmedia Publ., 2006. ISBN 978-3-89853-036-1
  3. a b Vgl. Kritik im film-dienst 22/1958 (aufgerufen am 25. August 2009 via Munzinger Online)
  4. Kritik von Bosley Crowther in der New York Times, 9. Dezember 1958
  5. Vgl. M. Sartre Adapts The Crucible for the Screen Impressive Version of Mr. Miller's Play. In: The Times, 2. September 1957, Ausg. 53935, S. 3