Die Hyperion-Gesänge

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Die Hyperion-Gesänge ist ein Sammelband und umfasst die zwei Romane Hyperion (erschienen 1989) und Der Sturz von Hyperion (erschienen 1990) von Dan Simmons (englische Originaltitel der Romane: Hyperion und The Fall of Hyperion). Sie wurden in Deutschland erstmals im Jahr 2002 veröffentlicht. Innerhalb der Science-Fiction-Literatur ordnet man Die Hyperion-Gesänge dem Genre der Space Opera zu. Die beiden Romane sind auch 1991 als Hyperion und 1993 als Das Ende von Hyperion einzeln im Wilhelm Heyne Verlag erschienen. Eine Fortschreibung der Hyperion-Gesänge stellt der Sammelband Endymion, aus dem Jahre 2003, dar.

Themen[Bearbeiten]

Hyperion ist der griechischen Sage nach einer der Titanen. Die Hyperion-Gesänge nehmen sich auf den über 1400 Seiten verschiedenster großer Themen an: Götter und Religionen, Philosophie und Dichtung, Ethik und Moral, künstliche Intelligenzen, Ökologie und Zeitreisen im Rahmen einer interstellaren Gesellschaft. Durch die Kombination von Spannungselementen, wie Weltraum- und Bodenschlachten, mit emotionalen Themen, wie der Macht der Träume und der Liebe im Universum, gelingt es Simmons unterschiedlichste Elemente zu einer epischen, aktionsreichen Vision einer interstellaren High-Tech-Zukunft zu verknüpfen.

Eingehend hinterfragt werden die Opferung Isaaks, die Bedeutung Gottes in einer säkularen Welt sowie Leben und Werk des englischen Dichters John Keats. Der an die Kurzgeschichte The Curious Case of Benjamin Button von F. Scott Fitzgerald erinnernde rückwärts verlaufende Alterungsprozess eines Menschen wird in einem wichtigen Nebenstrang thematisiert.

Soziopolitischer und technologischer Rahmen[Bearbeiten]

Durch ein fehlgeschlagenes wissenschaftliches Experiment (der große Fehler von Kiew) wurde die Erde in einem künstlich erzeugten schwarzen Loch vernichtet. Die Menschheit ist in den Weltraum geflüchtet. Die meisten der neu besiedelten Planeten werden durch die Regierung der Hegemonie beherrscht, die von KIs beraten wird; - dem sogenannten TechnoCore. Diese künstlichen Intelligenzen sind unter anderem die Erbauer und Betreiber des Farcasternetzes (in das Raum-Zeit-Gefüge gestanzte Löcher für den Echtzeitpersonen- und Gütertransport zwischen den Sonnensystemen) und Erfinder der Fatline (ein Übertragungsmedium, das Kommunikation über beliebige Distanzen in Echtzeit ermöglicht).

Die Ränder der Hegemonie und die leeren Räume zwischen den Systemen bevölkern die Ousters. Sie sind in sogenannten Schwärmen organisiert, - Ansammlung hunderter bis tausender Raumschiffe unterschiedlicher Funktion und Bauart. Die Ousters sind Menschen, die schon vor dem großen Fehler die Erde verlassen haben und sich mit Hilfe von Genmanipulation und Nanotechnologie den unwirtlichen Bedingungen eines Lebens in der Schwerelosigkeit zwischen den Sternen angepasst haben. Von der Regierung der Hegemonie und vom TechnoCore werden sie als Feinde betrachtet.

Problemstellung[Bearbeiten]

Der TechnoCore hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Art Gott, in deren Terminologie, eine Höchste Intelligenz (kurz: HI), zu entwickeln. Das erfordert die Berechenbarkeit aller Variablen der kosmischen Zusammenhänge. Auf diesem Weg sind sie bereits weit fortgeschritten. Die Ratgeber des TechnoCore gelten als nahezu unfehlbar, was Prognosen zukünftiger Entwicklungen angeht. Eine Variable bleibt allerdings unbestimmbar, so sehr sich die KIs auch bemühen: Die Outbackwelt Hyperion. Außerhalb des Einflussbereiches der Hegemonie gelegen, bedroht sie mit den geheimnisvollen Zeitgräbern und dem monströsen Shrike die Sicherheit des hegemonialen Konstrukts.

Inzwischen ist dieses Ärgernis virulent geworden. Es gibt Anzeichen, dass die Zeitgräber sich öffnen und das Shrike hat seinen angestammten Herrschaftsbereich verlassen und terrorisiert den gesamten Planeten. Als ob das nicht genug wäre, wird ein gewaltiger Schwarm der Ousters im Anflug auf Hyperion geortet.

Handlungsoptionen[Bearbeiten]

Zur Abwehr der drohenden Ouster-Invasion entsendet die imperiale Flotte ein Einsatzkommando nach Hyperion um einen militärischen Farcaster zu installieren. Da ungewiss ist, ob diese Truppe rechtzeitig im System eintreffen wird, aktiviert Regierungschefin Meina Gladstone eine zweite Option.

Seit Jahrhunderten gibt es die Tradition der Pilgerreisen zum Shrike. Eine Primzahl an Pilgern (meistens 7) geht auf diese Reise und alle, bis auf einen, kommen dabei um. Dem Überlebenden gewährt das Shrike angeblich die Erfüllung eines Wunsches. Auf dieser Grundlage und mit Billigung des TechnoCore und des All-Wesens (ein intelligentes, interstellares Kommunikationsnetz, das den Willen des Volkes ermittelt und ausdrückt) schickt die Regierung der Hegemonie sieben auserwählte Pilger nach Hyperion. Ein letzter Versuch um, wenn nicht die Kontrolle, dann zumindest aktuelle Informationen über die Geschehnisse auf Hyperion zu gewinnen.

Erster Teil: Hyperion[Bearbeiten]

Zwischen dem Prolog und einem Epilog erstreckt sich die Geschichte von Hyperion über sechs Kapitel und 667 Seiten. Der formale Erzählzeitraum umfasst sieben Tage, also die Zeit, die die Pilger benötigen, um von der Hauptstadt bis zu den Zeitgräbern im Herrschaftsbereich des Shrike, zu reisen. Diese Reise verläuft in mehreren Etappen und ist recht eintönig. Innerhalb dieses Zeitraumes erzählen die Pilger sich deshalb gegenseitig ihre Geschichte, bzw. die Geschichte der Ereignisse, die sie zur Teilnahme an der Pilgerreise motiviert hat.

Jede einzelne der sechs Pilgergeschichten (der siebte Pilger, Het Masteen, geht unterwegs verloren) bietet genug Stoff für einen eigenen Roman. Sie sind das Herzstück des Buches und umfassen, de facto, die letzten 50 Jahre der Hegemonie. So gesehen lassen sie sich auch als historischen Abriss dieser Epoche lesen. Das Ende des ersten Teils bildet die Ankunft der Pilger im Tal der Zeitgräber.

Zweiter Teil: Der Sturz von Hyperion[Bearbeiten]

Die Fortschreibung von Hyperion umfasst 750 Seiten und gliedert sich in drei Teile sowie einen Epilog. Die Erzählung setzt mit der Freischaltung des militärischen Farcasters im System Hyperion ein. Der Abflug der Flotte, der den offiziellen Beginn des Krieges zwischen der Hegemonie und den Ousters markiert, wird in der ganzen Hegemonie gefeiert.

Erzählt wird dieser zweite Band aus zwei Perspektiven. Eine ist die des Cybriden Joseph Severn, eine vom TechnoCore künstlich geschaffenen Persönlichkeit. Die andere Sicht ist die der hegemonialen Präsidentin, Meina Gladstone.

Die Cybridperspektive erfüllt mehrere Funktionen. Historisch war Severn der beste Freund von John Keats, der ihn in Rom bis zu seinem frühen Tode pflegte. Im Roman träumt er die Träume des ihm voran gegangen seienden Cybriden John Keats, dessen Persönlichkeit derzeit in einer Schrönschleife im Bewusstsein seiner Geliebten Brawne Lamia abgespeichert ist. So gesehen spioniert Severn für den TechnoCore und für Präsidentin Meina Gladstone die Pilger auf Hyperion aus. Nicht zuletzt ist Joseph Severn ein perfektes Alter Ego des Autors, als teilnehmender Beobachter.

Die Sicht von Präsidentin Meina Gladstone eröffnet dem Leser im Laufe des Romans die wahren Motive und Pläne des TechnoCore. Es wird klar, dass der gegenwärtige Krieg gegen die Ousters einer Verschwörung des Core entspringt. Sein Ziel ist es, die Menschheit entweder gänzlich zu vernichten, oder sie endgültig zu Mental-Sklaven im Dienste der universellen Rechenleistung zu machen.

Während die Pilger auf Hyperion auf die Ankunft des Shrike warten, kämpft Meina Gladstone am Regierungssitz Tau Ceti Center ihren eigenen Kampf voller List, Tücke und geheimer Pläne.

Simmons reichert die Handlung intensiv mit religiös-esoterischen und philosophischen Elementen an. Der TechnoCore muss bei seinen Versuchen, eine gottähnliche „höchste Intelligenz“ zu erschaffen, schließlich feststellen, dass seine HI mit einer – offenbar eher zufällig aus dem Kollektivbewusstsein der Menschheit in ferner Zukunft entstandenen – dreifaltigen menschlichen Gottheit konkurrieren muss. Simmons knüpft hier an die Ideen Teilhard de Chardins an. In der Folge versuchen beide Parteien, durch mehr oder weniger subtile Manipulationen der Zukunft, ihrer Zeitlinie in der Vergangenheit, sich Vorteile zu verschaffen. Die Zeitgräber genauso wie das Shrike entpuppen sich schließlich als Instrumente, mit der die zukünftigen Gottheiten die Oberhand zu gewinnen versuchen.

Mit Meina Gladstones Befehl, die Farcasterportale, die als Sitz des TechnoCore ausgemacht wurden, zu zerstören, endet die Existenz der Hegemonie und der Roman. Im Epilog werden dann die Erzählstränge der einzelnen Pilger und auch der Präsidentin abgeschlossen.

Figuren[Bearbeiten]

Die Hauptfiguren sind zum einen die sieben Pilger:

  • Het Masteen, Tempelritter und Kapitän des Baumschiffs Yggdrasil
  • Martin Silenus, Dichter
  • Lenar Hoyt, Pater und Paul Duré, Pater beide tragen eine parasitäre Kruziform, die sie fast unsterblich macht
  • Sol Weintraub, der Historiker-Klassizist-Philosoph, ein Spezialist für Ethik und Beschützer seiner umgekehrt alternden Tochter Rachel
  • Der Konsul, ehemaliger planetarer Gouverneur des Planeten Hyperion, sympathisiert insgeheim für die Ousters
  • Fedmahn Kassad, pensionierter Oberst von FORCE:Weltraum, eine militärische Legende
  • Brawne Lamia, Privatdetektivin, Geliebte des Cybrid John Keats, trägt seine Persönlichkeit in einer Schrönschleife

Weitere wichtige Figuren:

  • das Shrike, monströses Kriegswesen aus der Zukunft, im Buch von Anhängern der Herr der Schmerzen und von der Kirche des Shrike das Avatar genannt
  • Meina Gladstone, die Präsidentin der Hegemonie
  • die beiden KI-Persönlichkeitsrekonstruktionen (=Cybriden) des Dichters John Keats genannt Johnny und seines Freundes, des Malers Joseph Severn

Preise[Bearbeiten]

Der Roman Hyperion gewann folgende Preise:

Literatur[Bearbeiten]

  • Dan Simmons: Hyperion (1989) und Der Sturz von Hyperion (1990). Sammelband: Die Hyperion-Gesänge, Körber, Joachim (Übers.), München, Heyne, 2013, ISBN 3-453-52978-2
  • Dan Simmons: Endymion – Pforten der Zeit und Endymion – Die Auferstehung, (englische Originaltitel: Endymion & The Rise of Endymion). Sammelband: Endymion, ISBN 3-442-24251-7 und EAN 978-3-442-24251-1
  • Wolfgang Neuhaus: Die Geschichte des Shrike. Der Hyperion-Zyklus von Dan Simmons als „gotische“ Space Opera, in: Das Science Fiction Jahr 2004, hrsg. von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke, München 2004, ISBN 3-453-87896-5, S. 113–129.

Eine Hörbuchfassung vom Hyperion- sowie Endymionzyklus wurde von Detlef Bierstedt verfasst und erschien im Jahr 2008 exclusiv bei Audible.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Audible.de: Hyperion & Endymion – Hörbuch