Die Insel des Dr. Moreau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Insel des Dr. Moreau (englischer Originaltitel The Island of Dr. Moreau) ist ein 1896 erschienener phantastischer Roman des englischen Schriftstellers H. G. Wells. Er enthält Elemente der Science Fiction-, der Horror- und der Abenteuerliteratur.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau [Bearbeiten]

Der Roman besteht aus zwei Teilen: einer Einführung, bei der Wells auf das literarische Mittel der Herausgeberfiktion zurückgriff, und dem eigentlichen Bericht.

Inhalt [Bearbeiten]

Im Nachlass Edward Prendicks wird dessen folgender Bericht gefunden. Prendick galt seit dem 1. Februar 1887 als bei einem Schiffsunglück, auf 1° südlicher Breite und 105° westlicher Länge, ertrunken. Nach 11 Monaten taucht er aber im gleichen Gebiet (5° S, 101° W) in einem Boot im offenen Meer wieder auf. Sein Bericht klang so seltsam, dass man ihn damals für wahnsinnig hielt.

Nach einer Kollision erleidet das Schiff Lady Vain Schiffbruch. Drei Personen können sich mit etwas Wasser und Schiffszwieback in ein kleines Boot retten. Einer von ihnen ist der Passagier Edward Prendick. Als ihnen das Wasser ausgeht, gibt es nur eine Möglichkeit zu überleben. Einer muss sich für die anderen opfern. Das Los fällt auf den Stärksten, der sich aber mit dem Entscheid nicht einverstanden zeigt.

Nur Prendick überlebt beim anschließenden Handgemenge und treibt weiter übers Meer. Bald ist er dem Tode nahe, als ein Schiff ihn aufnimmt. Einem mysteriösen Passagier namens Montgomery gelingt es, durch medizinische Behandlung, ihm das Leben zu retten, in dessen Begleitung ist ein seltsam entstellt wirkender Mann. Mannschaft und Kapitän verhalten sich beiden gegenüber feindselig. Das Schiff erreicht eine Insel, auf der Montgomery und sein Begleiter mit ihrer Fracht, unter anderem ein Puma, abgesetzt werden sollen. Der Kapitän weigert sich, den schiffbrüchigen Prendick weiter an Bord zu behalten und lässt ihn in einem Boot aussetzen. Montgomery, der nicht die Absicht hatte, Prendick mit auf die Insel nehmen, ändert angesichts dessen Notlage seine Meinung.

Bereits bei der Ankunft fallen Prendick eine Reihe sonderbar aussehender Menschen auf. Er lernt den Wissenschaftler Dr. Moreau kennen und erhält ein kleines Quartier. Prendick kann sich erinnern, dass vor Jahren ein Dr. Moreau aufgrund verbotener Tierversuche aus England geflohen war. Aus einem verschlossenen Labor, das direkt an sein Zimmer grenzt, hört er die eindringlichen und zermürbenden Schreie des Pumas, die ihn dazu treiben, die Unterkunft zu verlassen und über die Insel zu streifen. Er begegnet verschiedenen Wesen, die jedes auf seine Art, etwas merkwürdig Tierhaftes an sich haben, obwohl sie sprechen und menschliche Eigenschaften zu besitzen scheinen. Er fühlt sich zunehmend unwohl und auch beobachtet. Umherirrend gerät er in die Dunkelheit und wird von einer Kreatur verfolgt. Nur mit Mühe gelingt es ihm, nach einem kurzen Kampf, sich zurück zum Lager zu retten.

Am nächsten Tag findet Prendick im Labor eine vernarbte, menschenähnliche Gestalt, und es kommt ihm der Gedanke, dass Dr. Moreau Menschen in tierische Mischwesen verwandelt. Aus Angst, selbst das nächste Opfer zu werden, flieht Prendick erneut. Montgomery und Dr. Moreau verfolgen ihn. Er findet Zuflucht bei den Tiermenschen, die in einer Kolonie und nach einer Reihe von „Gesetzen“ leben, an die sie sich aus Furcht vor dem Doktor halten und die sie immer wieder rhythmisch anstimmen, "Nicht auf allen Vieren gehen / Das ist das Gesetz / Sind wir nicht Menschen ... Keine anderen Menschen jagen / Das ist das Gesetz / Sind wir nicht Menschen ...". Als sich Montgomery und Dr. Moreau die Kolonie erreichen, wenden sich die Tiermenschen unvermittelt gegen Prendick, dem eine kurze Flucht gelingt. Als er gestellt wird, appelliert er an die Tiermenschen, sich ihrer Überzahl bewusst zu werden und gegen Dr. Moreau und seinen Helfer Montgomery zu stellen. Die beiden könnten leicht getötet werden, sie hätten ebenso viel Furcht vor den Tiermenschen wie umgekehrt.

Dr. Moreau überzeugt Prendick jedoch davon, dass er im Labor nicht Menschen in Tiere, sondern Tiere mittels Vivisektion in menschenähnliche Wesen verwandelt. Durch die den Kreaturen hypnotisch suggerierten Gesetze wolle er sicher sein, dass die Kreaturen ihm gefügig bleiben, da sonst deren Tiernatur rasch durchbrechen würde.

Als ein getötetes und halb aufgefressenes Kaninchen gefunden wird, ist Dr. Moreau beunruhigt. Das Kosten von Blut und essen von Fleisch ist den Kreaturen verboten, da sie sich dadurch ihrer ursprünglichen tierischen Verhaltensweisen erinnern.

Um herausfinden, wer das Gesetz gebrochen hat, lässt Dr. Moreau die Tiermenschen vor sich versammeln. Der Schuldige, ein Leopardenmensch, flüchtet und wird schließlich – gegen den Willen Moreaus – von Prendick getötet, um ihm eine schmerzvolle Vivisektion zu ersparen. Mittlerweile erwecken noch weitere Tiere den Anschein, sie hätten ebenfalls das Gesetz gebrochen.

Dr. Moreau widmet sich wieder der Schaffung eines Pumamenschen, als dieser sich plötzlich losreißt und flüchtet. Dr. Moreau nimmt die Verfolgung auf, kehrt aber nicht mehr zurück. Montgomery und Prendick begeben sich auf die Suche nach dem Wissenschaftler und finden seine Leiche. Die Tiermenschen scheinen über dessen Tod verstört. Montgomery ist verzweifelt und betrinkt sich. In seinem Rausch kommt er auf die Idee, auch einigen Tieren Alkohol zu verabreichen.

Prendick hört Schüsse. Er findet den sterbenden Montgomery mit von ihm im Kampf getöteten Kreaturen. Die Lage spitzt sich zu, da Montgomery die einzigen Boote zerstörte und durch ein Missgeschick Prendicks, deren Behausung mit allen Vorräten abbrannte. Die Tiermenschen der Insel verlieren den Respekt vor Prendick, da sie überzeugt sind, dass ihr Herr nun tot sei und das Gesetz nicht mehr gelte. Der von ihnen misstrauisch beäugte Prendick versucht dies zu verhindern, indem er vorgibt, Dr. Moreau hätte die Gestalt gewechselt und würde sie weiter beobachten.

Wie von Dr. Moreau prophezeit, fallen die Geschöpfe nach einiger Zeit wieder in ihre Tiernaturen zurück, verlernen Sprache und aufrechten Gang – wobei sie aber die Chimären bleiben, aus denen sie geschaffen wurden, z.B. ein Hyänen-Schwein. Für Prendick stellen sie eine wachsende Gefahr dar. Das Verlangen, in die Zivilisation zurückzukehren, wird immer größer. Versuche, ein Floß zu bauen, wollen ihm nicht gelingen, und er verzweifelt allmählich an seiner ausweglosen Lage.

Eines Tages taucht am Horizont ein kleines Segelboot auf. Prendick versucht auf sich aufmerksam zu machen. Das Boot zeigt keine Reaktion und treibt an die Küste, die beiden Insassen sind tot. Prendick benutzt das Segelboot, um von der Insel zu entkommen. Tage später wird er von einem Schiff an Bord genommen. Niemand glaubt ihm die Geschichte, die er zu erzählen hat, weshalb er sie fortan für sich behält.

Zurück in London, erträgt er die Gesellschaft anderer Menschen nicht mehr; sie ähneln ihm zu sehr den Tiermenschen der Insel. Seine dauerhafte Furcht, auch sie könnten jederzeit in ihre Tiernatur abgleiten, lässt ihn sich weitestgehend von der Menschenwelt zurückziehen und Frieden in der Welt der Bücher und der Wissenschaft finden.

Bedeutung [Bearbeiten]

Der Autor kritisiert in seinem Roman den Sinn und Zweck biologischer Experimente. Weiteres Thema ist der Gegensatz zwischen angeborenen und erworbenen Verhaltensweisen. Der Wissenschaftler Moreau ähnelt der Figur des Dr. Frankenstein: beide versuchen, den „Schöpfer“ bei seinem Werk nachzuahmen.

Verfilmungen [Bearbeiten]

Das Buch wurde bisher dreimal verfilmt. Die erste Verfilmung erschien 1932 unter dem Titel Island of Lost Souls (Die Insel der verlorenen Seelen). Die Rolle des Dr. Moreau spielte Charles Laughton, und der Dracula-Star Bela Lugosi hatte einen kleinen Auftritt als Affenmensch. Der Film wurde seinerzeit ein Flop, von christlichen Gruppen als gotteslästerlich eingestuft und erst später als Juwel des Horrorgenres erkannt.[1]

1977 erschien eine zweite Verfilmung mit Burt Lancaster als Dr. Moreau. Der Schiffbrüchige wurde umbenannt in Andrew Braddock und von Michael York gespielt. Als neue Figur wurde die Tochter des Wissenschaftlers eingeführt. Diesem, wie auch der dritten Verfilmung von John Frankenheimer aus dem Jahr 1996 war kein kommerzieller Erfolg beschieden. Diese Verfilmung ist eine moderne Fassung des Romans unter dem Titel D.N.A - Experiment des Wahnsinns. Marlon Brando spielte Dr. Moreau, Val Kilmer spielte Montgomery und David Thewlis spielte den Erzähler, allerdings umbenannt in Edward Dougles.

In einer (Halloween-)Folge der Zeichentrickserie „The Simpsons“ wird das Buch parodiert.

Hörbuch [Bearbeiten]

Ausgaben [Bearbeiten]

Englisch [Bearbeiten]

  • The Island of Doctor Moreau. A Possibility. Heinemann, London 1896; Stone & Kimball, New York 1896. Faksimile der ersten amerikanischen Auflage
  • The Island of Dr. Moreau. A critical text of the 1896 London edition, with an introduction and appendices. Edited by Leon Stover. McFarland, Jefferson und London 1996.

Deutsche Übersetzung [Bearbeiten]

  • Dr. Moreaus Insel. Ins Deutsche übertragen von Felix Paul Greve. J. C. C. Bruns, Minden 1904.
  • Die Insel des Dr. Moreau. Roman. Deutsch von Felix Paul Greve, neu durchgesehen von Christine Mrowietz. Mit dem Essay Der frühe Wells von Jorge Luis Borges. Vollständige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), München 1996, ISBN 3-423-12264-1

Weblinks [Bearbeiten]

 Wikisource: The Island of Doctor Moreau – Quellen und Volltexte (englisch)

sowie englischsprachiges Hörbuch

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Seeßlen/Jung: Horror, Schüren, Marburg 2006, S. 585