Die Karte meiner Träume

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Film siehe Die Karte meiner Träume (Film).

Die Karte meiner Träume (Originaltitel: The Selected Works of T.S. Spivet) ist der erste Roman des amerikanischen Autors Reif Larsen aus dem Jahr 2009. Die deutsche Übersetzung erschien im S. Fischer Verlag und stammt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse des aus Butte (Montana) stammenden Jungen T. S. Spivet. Die gesamte Handlung wird mit umfangreichen Illustrationen, Karten, Diagrammen des Jungen angereichert, mit deren Hilfe er sich die Welt erklärt und die zu einem tragenden Element der Geschichte selbst werden. In den USA kämpften zahlreiche Verlage um die Rechte am Roman.[1] 2013 erschien eine auf dem Buch basierende Verfilmung von Jean-Pierre Jeunet.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive des 12 Jahre alten T.S. Spivet. Er lebt in Butte, nahe der Kontinentalen Wasserscheide. Seine Mutter, die er Dr. Clair nennt, ist eine verschrobene Wissenschaftlerin, die auf der Suche nach einer noch unentdeckten Käferart ist. Sein Vater ist ein wortkarger Rancher mit einem ausgeprägten Hang zur Westernkultur, mit der T. S., anders als sein Bruder Layton, nichts anfangen kann. T. S. ältere Schwester Gracie leidet darunter, in der Provinz leben zu müssen. Als Layton durch einen Unfall mit einer Waffe ums Leben kommt, wird T. S. von Schuldgefühlen geplagt.

T. S. wissenschaftliches Interesse wird gefördert von einem Kollegen seiner Mutter, Dr. Yorn. Er sendet T. S.' Zeichnungen an renommierte Wissenschaftsmagazine, die diese auch wirklich abdrucken. Dr. Yorn schlägt T. S. für den Baird-Preis des Washingtoner Museums Smithsonian vor, den T. S. auch erhalten soll, da die Verantwortlichen nicht wissen, dass die Zeichnungen von einem Kind stammen. Auf eigene Faust macht sich T. S. auf den Weg nach Washington, D.C. Auf der Reise liest er in dem gestohlenen Notizbuch seiner Mutter und erfährt so von seiner Vorfahrin Emma Osterville, die eine große Forscherin und Kartografin war.

Form[Bearbeiten]

Das Buch hat Übergröße, um den Randskizzen T. S.’ genug Raum zu lassen. Über diese Zeichnungen werden einzelne Aspekte des Romans vertieft und Nebenhandlungen eingeführt. Für T. S. selbst sind sie notwendiges Instrument, um sich Wissen anzueignen. Larsen gab an, dass diese Form zunächst nicht geplant war, sie sich aber aus der Geschichte heraus ergab.[2] Dabei kam Larsen zugute, dass seine Eltern künstlerisch tätig sind – seine Mutter ist Malerin und Fotografin, sein Vater Grafiker.[3] Die meisten Zeichnungen stammen von Larsen selbst, bei einigen wurde er von dem befreundeten Künstler Ben Gibson unterstützt.[4]

Rezeption[Bearbeiten]

Seit Erscheinen der Originalausgabe im Juni 2009 ist das Buch auf der Top-100-Liste bei amazon.com. Viele Kritiker haben die Originalität gepriesen, insbesondere Vanity Fair lobte das Werk ausdrücklich.[1] Stephen King verglich den Roman mit Werken Mark Twains und Thomas Pynchons und bezeichnete ihn als ein Geschenk für den Leser.[5] Ginia Bellafante kritisierte dagegen in der New York Times, dass das gleichzeitige Lesen der Texte und Zeichnungen ermüdend sei.[6] In Deutschland lobte insbesondere Felicitas von Lovenberg den Roman als "Ausnahmeerscheinung jenseits jedes Vergleichs".[7] Ähnlich angetan war Christine Westermann bei WDR 2.[8] Auch wenn das Buch einige Längen habe, sei es doch "ein Märchen über verpasste Chancen, über die Traurigkeit in einer Familie, die Schweigsamkeit, über die Kraft der Fantasie und die Stärke eines Kindes".

Verfilmung[Bearbeiten]

2013 verfilmte der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet den Roman mit Kyle Catlett in der Hauptrolle. In weiteren Rollen sind Helena Bonham Carter als Dr. Clair, Judy Davis als G.H. Jibsen, Callum Keith Rennie als Vater und Niamh Wilson als Gracie zu sehen.

Textausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Moritz Ahrens: Literatur – Typographie – Kartographie. Reif Larsens Roman »Die Karte meiner Träume« (Heidelberg 2012) Sonderpublikation des Instituts für Textkritik: http:// www.textkritik.de/larsen/index.htm

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Evgenia Peretz: Reif Larsen’s Map Quest [1], Mai 2009
  2. Michele Filgate: An Interview with Reif Larsen. [2], Juni 2009
  3. Mark Medley: Reif Larsen, omnicurious cartographer. [3], 9. Mai 2009
  4. Carol Memmott: New Voices: Reif Larsen. [4], 13. Mai 2009
  5. Stephen King: Review, The Selected Works of T. S. Spivet. [5], April 2009
  6. Ginia Bellafante: Map Quest. [6], 11. Juli 2009
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juli 2009
  8. Radiosendung Zwei am Sonntag, Sendung vom 18. Oktober 2009