Die Katze auf dem heißen Blechdach (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Katze auf dem heißen Blechdach
Originaltitel Cat on a Hot Tin Roof
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1958
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Richard Brooks
Drehbuch Richard Brooks, James Poe
Produktion Lawrence Weingarten für MGM
Musik Charles Wolcott
Kamera William H. Daniels
Schnitt Ferris Webster
Besetzung
Synchronisation

Der Film Die Katze auf dem heißen Blechdach ist die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstückes von Tennessee Williams. Der am 18. September 1958 uraufgeführte Film wurde zu einem der größten Kassenschlager der 1950er Jahre. Für sechs Oscars nominiert, gewann er jedoch keine der Trophäen.

Titel[Bearbeiten]

Der Titel des Films lässt sich nicht aus der Handlung herleiten, sondern ist vom Theaterstück übernommen. Weder eine Katze noch ein heißes Blechdach tauchen im Film auf. Er erklärt sich aus einem Satz, mit dem die Hauptdarstellerin beschreibt, wie sie sich fühlt („Wie auf glühenden Kohlen sitzen“).

Handlung[Bearbeiten]

Brick, ein junger Mann um die 30, hat sich widerwillig von seiner Frau Maggie dazu überreden lassen, zum Geburtstag seines Vaters nach Hause zu fahren. Sein Vater „Big Daddy“, das Oberhaupt der Familie, ist jedoch vorerst aufgrund chronischer gesundheitlicher Probleme noch im Krankenhaus. Am Vorabend des Geburtstages fährt Brick in ein Footballstadion, trinkt - wie mittlerweile immer - flaschenweise Whiskey und denkt wehmütig an alte Zeiten, in denen er zusammen mit seinem besten Freund Skipper, der inzwischen tot ist, Football spielte. Im Alkoholrausch versucht er einen Hürdenlauf und bricht sich den Knöchel (Eingangsszene des Films).

Am nächsten Tag kehrt Big Daddy nach Hause zurück. Die Ärzte bescheinigen ihm beste Gesundheit. Er wird am Flughafen von seinem zweiten Sohn Gooper, dessen Frau und Kindern und von Maggie abgeholt. Brick, inzwischen mit Gips und Krücken, wollte nicht mitkommen. Sie fahren zum Gutshaus, wo die Geburtstagsfeierlichkeiten vorbereitet sind.

Brick ist auf seinem Zimmer und trinkt. Er will weder von seinem Vater noch von seiner Frau etwas wissen, will nicht zur Feier in den Garten gehen, geschweige denn seinem Vater das von Maggie gekaufte Geschenk überreichen. Bricks Frau Maggie wie auch der andere Sohn Gooper und seine Frau Mae sind jedoch nicht ganz uneigennützig zur Feier gekommen: Im Zweifel über den gesundheitlichen Zustand des Vaters trachten sie danach, die riesigen Ländereien von Big Daddy übernehmen zu können. Nur Brick hat daran nicht das geringste Interesse. Er ist nach dem Tod seines Freundes Skipper ein Trinker geworden, verschwiegen und resigniert. Er wirft sich insgeheim vor, seinem Freund in einer schweren Situation nicht geholfen zu haben und an seinem Tod schuld zu sein. Seiner Frau hält er vor, ihn in dieser Situation mit Skipper betrogen zu haben. Seinem Vater gegenüber empfindet er ebenfalls keine Zuneigung, weil dieser nur Interesse für Geld und seine Ländereien habe. Maggie, die Brick liebt und von ihm ein Kind will, leidet zwar unter Bricks Abneigung, ja seinem Hass ihr gegenüber, will aber um ihn kämpfen.

Der Arzt der Familie eröffnet Brick in einem stillen Moment, dass sein Vater tatsächlich unheilbar krank ist, man ihm es jedoch bisher verschwiegen habe, um ihn zu schonen. Brick ist das vorerst egal. Sein Vater kommt bald herauf, um ihn zu begrüßen. Brick redet wenig, ist stur. Aber Big Daddy will wissen, warum Brick trinkt und schweigt, warum er Maggie nicht liebt. Er lässt nicht locker. Es entspinnt sich ein Disput über Liebe und Hass, über die Verhältnisse der Familienmitglieder zueinander, Vorurteile, Neid und Missgunst. An einem Nachmittag entlädt sich nicht nur in der Natur ein Gewitter, sondern auch all der über Jahre hinweg entstandene Frust, alle Spannungen, die Brick und anderen Familienmitgliedern das gemeinsame Leben verlogen und beinahe unerträglich gemacht haben.

Im Gegensatz zum Theaterstück vernachlässigt der Film Bricks angedeutete Homosexualität, denn die eigenartige Beziehung zu seinem Freund Skipper wurde im Drehbuch für den Massenmarkt stark heruntergespielt. Immerhin behandelt der Film noch genügend Punkte, die in den 1950er Jahren als Tabu angesehen wurden: Ehebruch, Unfruchtbarkeit und Alkoholabhängigkeit.

Produktion und Rezeption[Bearbeiten]

  • Der 1958er Kinoversion ging eine Broadway-Adaption des Theaterstückes aus dem Jahre 1955 von Elia Kazan voraus, in dem bereits Madeleine Sherwood als Mae und Burl Ives als Big Daddy mitgewirkt hatten.
  • Tennessee Williams erhielt von MGM für die Filmrechte $600.000 US-Dollar.[1]
  • Aufgrund des Hays Code wurde der Aspekt der Homosexualität aus der literarischen Vorlage nach Tennessee Williams völlig außer Acht gelassen, weshalb der Autor seinen Lesern abriet, den Film zu sehen.
  • Cat on a Hot Tin Roof war 1959 für sechs Oscars nominiert, unter anderem als „bester Film“. Letztlich erhielt lediglich Burl Ives den Oscar als Bester männlicher Nebendarsteller.
  • Elizabeth Taylor hatte eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten ihren dritten Ehemann Michael Todd bei einem Flugzeugabsturz verloren, war jedoch durch den Vertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer gezwungen, die Dreharbeiten anzutreten.
  • Ihre Gage betrug 125.000 Dollar; Newman, der beim Film noch ein Neuling war, erhielt 25.000 Dollar.
  • Der Film gilt als der profitabelste, den MGM je auf den Markt gebracht hat. Die Verleihmieten, die der Film errang, betrugen 8,8 Mio. Dollar. Insgesamt spielte er 19,2 Mio. Dollar ein.
  • Es gibt zwei Neuverfilmungen fürs Fernsehen: Eine Version von Robert Moore aus dem Jahre 1976, mit Laurence Olivier, Natalie Wood, Robert Wagner und Maureen Stapleton. Die andere stammt aus dem Jahre 1985 von Regisseur Jack Hofsiss und zeigt Tommy Lee Jones und Jessica Lange.

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1958 im MGM Synchronisations-Atelier Berlin. [2]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Brick Pollitt Paul Newman Wolfgang Kieling
Maggie Pollitt Elizabeth Taylor Marion Degler
Harvey „Big Daddy” Pollitt Burl Ives Paul Wagner
Gooper Jack Carson Wolfgang Lukschy
Dr. Baugh Larry Gates Siegfried Schürenberg
Pfarrer Davis Vaughn Taylor Kurt Waitzmann

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nominierungen für die Oscarverleihung 1959:

Burl Ives gewann als Einziger den Oscar als Bester männlicher Nebendarsteller.

Bei den British Film Academy Awards wurde Die Katze auf dem heißen Blechdach als bester Film, Paul Newman als bester ausländischer Darsteller und Elizabeth Taylor als beste ausländische Darstellerin nominiert.

Kritiken[Bearbeiten]

Die Zeitschrift Cinema gab dem Film die höchste Wertung und schreibt im Fazit: „Intensives Kammerspiel. Ein zeitloser Klassiker“. Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnet ihn als „schauspielerisch glänzend gespielte Verfilmung“,[3] Der Spiegel kritisierte zwar die inhaltliche Abschwächung, nennt ihn aber „trotzdem beeindruckend“.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tennessee Williams: Die Katze auf dem heißen Blechdach. Schauspiel in drei Akten (Originaltitel: Cat On a Hot Tin Roof). Deutsch von Jörn van Dyck. Neuausgabe, 257. - 259. Tausend. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-27110-X
  • Tennessee Williams: Cat on a Hot Tin Roof. Herausgegeben von Berthold Sturm. Literarische Texte für den Englischunterricht der Sekundarstufe II. Cornelsen Verlag, Berlin 1989, 4. Auflage, ISBN 3-454-66750-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Katze auf dem heißen Blechdach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brenda Maddox: Who's Afraid of Elizabeth Taylor? A Myth of Our Time, Evans, 1977, ISBN 0-87131-243-3, S. 135
  2. Die Katze auf dem heissen Blechdach (1958) in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 18. Oktober 2008
  3. „Die Katze auf dem heißen Blechdach (Wa.)“ zum Kinostart am 17. Juni 2004 auf br-online zitiert das Lexikon des Internationalen Films, abgerufen am 4. April 2011 von archive.org
  4. „die bremer kinotaz - alle Filme, alle Termine“ Abschnitt „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ vom 15. April 2004 - Autor: „City“ - Quelle: „Der Spiegel“, abgerufen am 4. April 2011, Zitat hier sinngemäß nicht wörtlich