Die Lage des Landes

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Die Lage des Landes ist der deutsche Titel des 2006 veröffentlichten Romans The Lay of the Land des US-amerikanischen Autors Richard Ford. Die Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch durch Frank Heibert erschien 2007 im Berlin Verlag.

Die Lage des Landes ist der vorläufig letzte Teil einer Trilogie, dem die Romane Der Sportreporter (1989) (orig. The Sportswriter, 1986) und Unabhängigkeitstag (1996) (orig. Independence Day, 1995) vorausgingen.

Wie in den ersten beiden Teilen steht erneut der 1944 in Mississippi geborene Immobilienmakler Frank Bascombe im Mittelpunkt, der seine Berufslaufbahn als Schriftsteller und Sportreporter in New York begonnen hatte. Der Roman spielt in dem fiktiven Ort Haddam an der Atlantikküste von New Jersey, wo Frank inzwischen ein eigenes Immobilienbüro leitet, das er zusammen mit seinem exil-tibetanischen Kollegen Mike Mahoney führt. Die Handlung erstreckt sich (ähnlich wie in Unabhängigkeitstag) über drei lange Tage vor dem Thanksgiving Fest im Jahr 2000. Sein Geschäft verlangt ganzen Einsatz. Sohn und Tochter werden mit ihren Partnern zum Fest erwartet. Präsidentschaftswahlen stehen bevor.

Ähnlich wie in den beiden vorhergehenden Romanen benutzt Ford die Vorbereitung zu einem Fest (Ostern, 4. Juli, Thanksgiving) als Zeitrahmen, der mit den Beobachtungen und Selbstreflexionen des Protagonisten ausgefüllt wird. Als Geschäftsmann ist Frank einigermaßen erfolgreich. Er zieht Gewinn aus dem blühenden Immobilienmarkt und damit indirekt aus dem Wirtschaftsboom unter Präsident Clinton. Viele Zeichen stehend jedoch auf Veränderung. Als Parteigänger der Demokraten und sozial engagierter Bürger sieht Frank einem möglichen Wechsel im Präsidentenamt skeptisch entgegen. Sein mittelständisches Milieu liefert lebendiges Anschauungsmaterial und Raum für moralische und politische Überlegungen zur Lage des Landes.

Der Roman schildert ziemlich minutiös amerikanischen Alltag an der Ostküste mit seinen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, ihren Ansichten und Verhaltensweisen. Frank Bascombe selbst verkörpert dabei die subjektive Befindlichkeit des intelligenten, kritischen und zur Selbstironie fähigen Durchschnittsbürgers zur Jahrtausendwende.

Seine Komplexität gewinnt der Roman durch die Verknüpfung der geschäftlichen, persönlichen und politischen Handlungsebenen. Denn gesundheitlich steht es mit Frank nicht zum Besten. Diagnose: Prostatakrebs. Privat kämpft er um seine zweite Frau: Sally trägt sich mit der Absicht, zu ihrem ersten Mann zurückzukehren, der als verschollen galt, jedoch nach vielen Jahren für alle überraschend auftauchte. Die Beziehung zu seinen Kindern und seiner ersten Frau bieten Anlass für eine Zwischenbilanz seines bisherigen Lebens, das schon bald sein ganzes gewesen sein könnte.

Wie schon in Unabhängigkeitstag benutzt Richard Ford in Die Lage des Landes das Immobiliengeschäft seines Protagonisten als vielstimmiges metaphorisches Instrument, um die moralische Gestimmtheit der Gesellschaft zum Klingen zu bringen. Die Beziehungen zwischen Makler und Klient dienen als alltägliche Beispiele für allgemeinere gesellschaftliche Beziehungen. Nicht ohne Ironie gelingt es Ford gleichsam unter der Prämisse ‚Wohnen als Elementarbedürfnis’ anhand alltäglicher Situationen die psychische Disposition der Wohnungssuchenden bzw. Hauskäufer offenzulegen, um auf die moralischen Weiterungen und die persönlichen Folgen einzugehen, die aus ihren Entscheidungen erwachsen. (Insofern wäre es spannend zu erfahren, ob Ford die Immobilienkrise zum Anlass für einen Folgeroman nimmt – der dann vermutlich in den Tagen vor dem Neujahrsfest spielen würde ...)

Obwohl man die Grundstimmung des Romans als schwermütig bezeichnen muss, gelingt es Ford, mit der Hefe der Ironie den lebensphilosophischen Teig zu einem lockeren Kuchen aufgehen zu lassen. Frank erscheint zwar als moralisch integre Persönlichkeit, ist indes keineswegs so prinzipienfest, wie die „permanenten Periode“, als die er seinen augenblicklichen Lebensabschnitt bezeichnet, vermuten lässt. Indem noch viele Optionen offen gehalten werden, erscheinen auch die Grenzen und Grundsätze der Lebensgestaltung eher als Arbeitshypothesen, die am konkreten Beispiel auf ihre Tragfähigkeit getestet werden.

Formal ist Die Lage des Landes ein geradliniges, bisweilen reportagehaftes Buch. Sein Stil ist essayistisch, seine Sprache ausdrucksstark, gleichwohl konventionell. Dennoch besticht die Erzählung durch die psychologische Durchzeichnung der zahlreichen Personen, die gleichsam photographische Schärfe der Beobachtung und die atmosphärische Schilderung der Situationen. Während der Roman daher stellenweise als Modell für amerikanisches ‚creative writing’ aufstößt, vermag er dennoch als ausschnitthafte Beschreibung des mittelständischen Milieus (der Ostküste der USA) und seiner Seelenlandschaft zu überzeugen.

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