Die Lange Erde

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Die Lange Erde (Originaltitel: “The Long Earth”) ist ein Science-Fiction-Roman der englischen Schriftsteller Terry Pratchett und Stephen Baxter. Die englischsprachige Erstausgabe erschien im Juni 2012 in der Random House-Verlagsgruppe, eine deutsche Übersetzung von Gerald Jung im darauffolgenden Jahr im ebenfalls zu Random House gehörenden Manhattan Verlag.

Der Roman erzählt von der Entdeckung eines für jeden Menschen leicht nachzubauenden „Wechslers“, der es ermöglicht, sekundenschnell in beliebig viele an die Erde angrenzende, unerforschte Parallelerden – die sogenannte „Lange Erde“ – zu reisen. Während die Menschheit damit beginnt, zunächst Zug um Zug direkte Nachbarwelten zu besiedeln, versuchen der junge Joshua Valienté, dem es von Natur aus möglich ist, ohne technische Hilfe zu „wechseln“, und der als künstliche Intelligenz reinkarnierte tibetische Mechaniker Lobsang, in weit entfernte Gebiete der Langen Erde vorzustoßen.

Die Lange Erde ist der erste Teil einer Serie, die mit The Long War (auf Englisch erschienen 2013) und The Long Mars (auf Englisch erschienen 2014) fortgesetzt wird, zwei weitere Bücher sind in Planung.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

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Autoren Pratchett und Baxter

Grundlage des Romans ist Terry Pratchetts erst 2012 veröffentlichte Kurzgeschichte “The High Meggas”, die er während der Veröffentlichungsphase seines ersten Scheibenweltromans („Die Farben der Magie“) Mitte der 1980er-Jahre als möglichen Ausgangspunkt einer noch zu entwickelnden Serie verfasste. Der Erfolg von „Die Farben der Magie“ veranlasste Pratchett dann aber, den Stoff vorerst beiseite zu legen, um die Geschichte rund um die Scheibenwelt weiterzuführen.[1] Der Entschluss zur Wiederaufnahme entstand in den späten 2000er-Jahren während einer Diskussion mit Stephen Baxter, der die Idee der „Langen Erde“ ins Spiel brachte, und nach der die beiden Autoren schließlich eine Zusammenarbeit vereinbarten.[2]

Die Handlung ist in Madison, Wisconsin, angesiedelt, was die Autoren in einer Danksagung damit erklären, dass in der Entstehungsphase des Romans ebendort eine Scheibenwelt-Convention stattgefunden habe: „Auf diese Weise konnten wir ziemlich viele Recherchen vor Ort erledigen, in einem Aufwasch, wie wir Autoren gerne sagen. Die Convention selbst wurde dann tatsächlich zum Teil ein Massenworkshop zum Thema »Lange Erde«.“[3]

Pratchett gab die Fertigstellung des Romans am 10. Dezember 2011 via Twitter bekannt.[4] Die erste Auflage der englischsprachigen Fassung kam schließlich am 19. Juni 2012 in den Handel.

Handlung[Bearbeiten]

Die „Lange Erde“ ist eine potenziell unendliche Abfolge von Parallelwelten, die der Erde (im Roman die „Datum-Erde“ oder schlicht die „Datum“ genannt) ähneln und mittels eines simpel von jedermann zuhause nachzubauenden „Wechslers“ erreicht werden können. Die „Datum-Erde“ ist in diese Abfolge eingereiht, der Weg in die „Lange Erde“ führt demnach in zwei Richtungen, nämlich nach Ost und West, weshalb jede Parallelerde die entsprechende Bezeichnung „Ost 1, 2, 3…“ bzw. „West 1, 2, 3…“ trägt; darüber hinaus können die einzelnen Welten nur schrittweise eine nach der anderen durchlaufen werden. Während die der „Datum-Erde“ näher gelegenen Welten dieser noch recht ähnlich sind, unterscheiden sich weiter entfernt liegende zunehmend in Geologie, Flora und Fauna. Allen gemein scheint aber, dass die Evolution anders als auf der „Datum“ nirgendwo Menschen hervorgebracht hat, wohl aber einige hominide Spezies wie etwa den Homo habilis.

Der Roman beginnt in Madison am sogenannten „Wechseltag“ im Jahr 2015 – dem Tag der Entdeckung des ersten „Wechsler“-Prototyps – und handelt hauptsächlich von dem jungen Joshua Valienté, einem von wenigen „natürlichen Wechslern“, und Lobsang, einem hochentwickelten sprechenden Computer, der von sich behauptet, in einem früheren Leben ein tibetischer Motorradmechaniker gewesen und als künstliche Intelligenz wiedergeboren zu sein, die in einem Luftschiff die Reise in die noch unerforschten äußersten Gebiete der „Langen Erde“ antreten. Gemeinsam wechseln sie einige Millionen Schritte von der „Datum“ fort, um so viele Informationen wie möglich über die Parallelwelten zu sammeln. Dabei entdecken sie neben unbekannter Tier- und Pflanzenarten auch humanoide, ebenfalls wechselfähige, Spezies (genannt „Trolle“ und „Elfen“), Städte natürlich wechselfähiger Menschen, die schon vor Hunderten Jahren im Geheimen neue Kolonien in der „Langen Erde“ gründeten, außerdem Lücken in der Weltenabfolge, in denen eine Erde nie entstanden ist, und stoßen letztendlich auf Warnzeichen einer drohenden Gefahr, die sich der „Datum-Erde“ nähert.

Während Joshua und Lobsang auf Reisen sind, entwickelt der Roman in kurzen Episoden einige andere, vorwiegend politische und gesellschaftliche Probleme, die sich mit Entdeckung und Erreichbarkeit der „Langen Erde“ für die Erdbevölkerung auftun. So proklamieren irdische Staaten geografisch deckungsgleiche Gebiete in anderen Welten für sich und unterstellen sie ihrer Gesetzgebung, ohne aber tatsächlich exekutiv auf sie einwirken zu können. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, was es ökonomisch bedeutet, durch die Existenz der Parallelerden über praktisch unbegrenzte Ressourcen an Rohstoffen zu verfügen. Begleitet werden auch einige Auswanderer, die freiwillig abgeschnitten von jeglicher Zivilisation ein vorindustrielles Leben ohne Strom, fließendes Wasser oder vorhandene Infrastruktur beginnen, und eine auf der „Datum-Erde“ entstehende, mitunter terroristisch agierende Widerstandsbewegung bestehend aus Menschen, die physisch nicht in der Lage sind zu wechseln und sich von der Entwicklung ausgeschlossen fühlen.

Hauptfiguren[Bearbeiten]

Joshua Valienté[Bearbeiten]

Joshua Valienté ist ein 28-jähriger Einzelgänger, der seine Zeit damit verbringt, durch angrenzende Parallelerden zu streifen, um für sich sein zu können. Er ist von seiner Mutter Maria auf einer Parallelerde zur Welt gebracht worden, dann aber in einem von Nonnen geführten Waisenhaus auf der „Datum-Erde“ aufgewachsen. Joshua gehört zu einer kleinen Gruppe natürlich wechselfähiger Menschen, die ohne technische Hilfsmittel durch die „Lange Erde“ reisen können, was auch einer der Gründe ist, weshalb Lobsang ihn als Begleiter auswählt.

Lobsang[Bearbeiten]

Lobsang ist eine künstliche Intelligenz, die von sich behauptet, in einem früheren Leben ein tibetischer Motorradmechniker gewesen zu sein. Technisch gesehen ist er ein Computer, allerdings ist es ihm als erster Maschine gelungen, gerichtlich feststellen zu lassen, ein menschliches Wesen zu sein. Er ist anteiliger Besitzer der Firma transEarth, die aus der „Langen Erde“ Kapital zu schlagen versucht, und plant zur Informationsgewinnung eine Expedition in weit entfernte Parallelwelten. Lobsang ist außerdem Erbauer und als künstliche Intelligenz selbst auch Teil des Luftschiffs, der Mark Twain, mit dem er und Joshua die Reise schließlich antreten.

Monica Jansson[Bearbeiten]

Monica Jansson ist Polizistin in Madison. Bei der Untersuchung eines ausgebrannten Hauses, das einem seit dem Brand verschollenen Physiker namens Willis Linsay gehörte, findet sie in den Trümmern den Prototyp des „Wechslers“, dessen Pläne kurz zuvor schon im Internet aufgetaucht waren. Jansson beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Problem, dass die Möglichkeit des Wechselns in Nachbarwelten zunehmend für die gezielte Durchführung von Verbrechen oder Attentaten auf der „Datum-Erde“ ausgenutzt wird.

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Die Lange Erde ist Ausgangspunkt einer Serie, die mit The Long War (2013) und The Long Mars (2014) fortgesetzt wurde. Im Juli 2013 gaben die Autoren in einem Interview mit dem Radiosender BBC 2 bekannt, einen Vertrag über „mindestens“ 5 Bücher unterzeichnet zu haben.[2] Titel und Erscheinungsdaten der beiden folgenden Bücher sind noch nicht bekannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pratchett, Terry u. Baxter, Stephen: Die Lange Erde. München: Manhattan, 2013. ISBN 978-3-442-54727-2
  • Pratchett, Terry: A Blink of the Screen: Collected Shorter Fiction. London: Doubleday, 2012. ISBN 978-0-385-61898-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pratchett 2012, S. 79.
  2. a b Interview mit Pratchett und Baxter bei BBC Radio 2 vom 2. Juli 2013 (englisch; zuletzt abgerufen am 20. Mai 2014).
  3. Pratchett/Baxter 2013, S. 397.
  4. Tweet Pratchetts vom 10. Dezember 2011 (englisch; zuletzt abgerufen am 12. September 2014).