Die Mühle am Floss

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Dieser Artikel hat den Roman Die Mühle am Floss von George Eliot zum Thema. Ein ähnlicher Romantitel ist Die Mühle am Fluss von Roy Jacobsen.
Titelseite der Erstausgabe

Die Mühle am Floss (englischer Titel: The Mill on the Floss) ist ein aus sieben Teilen (Büchern) bestehender Roman von George Eliot (Pseudonym von Mary Ann Evans) aus dem Jahre 1860.

Zusammenfassung der Handlung[Bearbeiten]

Tom und Maggie Tulliver, Illustration aus dem Jahr 1910

Dorlcote Mill am Floss in Mittelengland in der Nähe der Küstenstadt St. Ogg’s (Namen und Örtlichkeiten sind fiktiv) befindet sich seit Generationen im Besitz der angesehenen Familie Tulliver. Ihr jetziger Besitzer Herr Tulliver ist ein intelligenter und gutherziger, aber leicht aufbrausender Familienvater und treibt durch leichtsinniges Geldverleihen und Gerichtsprozesse und den Hass auf seinen Gegner, den Rechtsanwalt Wakem, seinen Besitz in den Ruin, die Familie in die Armut und sich selbst in den vorzeitigen Tod.

Seine Frau Bessie gehört zu dem bornierten, selbstgerechten, auf strenge Wahrung der Konvention achtenden und von Frauen beherrschten Dodson–Klan.

Die Hauptfigur des Romans ist ihre Tochter Maggie Tulliver, die mit ihrem Bruder Tom an der Mühle und dem Fluss aufwächst. Tom ist intellektuell eher mittelmäßig begabt, gefühlsarm und herrschsüchtig, aber bestimmt durch unerschütterliche moralische Prinzipien. Maggie dagegen ist aufgeweckt, feinfühlig, impulsiv und liebesbedürftig, aber sie unterwirft sich bedingungslos dem von ihr verehrten älteren Bruder. Bei ihren Tanten eckt sie dauernd an.

Tom bekommt Privatunterricht bei einem Pfarrer zusammen mit Philip Wakem, dem aufgeweckten und künstlerisch begabten, aber buckligen und schüchternen Sohn des Rechtsanwalts. Bei einem Besuch freunden sich Maggie und Philip an.

Nach ihrem finanziellen Ruin beginnt für die Tullivers eine Leidenszeit. Der Rechtsanwalt Wakem wird neuer Besitzer der Mühle, und Herr Tulliver muss für den verhassten Widersacher als Pächter arbeiten. Tom müht sich ab, um die Schulden der Familie zurückzuzahlen. Maggie, die sich vom hässlichen Entlein zu einer attraktiven jungen Frau entwickelt hat, knüpft eine neue Beziehung zu Philip Wakem an, der sie fast wie eine Göttin verehrt. Tom zwingt seine Schwester brutal, die Beziehung zu beenden; sie sucht sich auswärts eine Stellung als Lehrerin.

Als Maggie ihre Freundin und Cousine Lucy Deane besucht, lernt sie deren Quasi-Verlobten, Stephen Guest kennen. Stephen und Maggie fühlen sich unwiderstehlich voneinander angezogen, obwohl Stephen die Verlobung mit Lucy aufrechterhalten will und Maggie zu Philip hält. Bei einer eher harmlosen Bootsfahrt kompromittieren sich Maggie und Stephen in den Augen der Gesellschaft von St. Ogg’s, von der Maggie nun geächtet wird. Nur Lucy und Philip, deren Hoffnungen Maggie zerstört hat, zeigen für sie Verständnis. Tom, inzwischen wohlhabend und wieder Besitzer der Mühle, weist sie aus dem Haus.

Als das Tal des Floss von einer großen Flut heimgesucht wird, rettet Maggie im Boot zunächst ihren Bruder, dann aber gehen sie beide, einander wieder versöhnt in den Armen liegend, in den Fluten unter. "In ihrem Tode waren sie nicht getrennt", heißt es auf dem gemeinsamen Grabstein.

Interpretation[Bearbeiten]

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Die Vorzüge des Romans[Bearbeiten]

Die Literaturkritiker sind sich weitgehend einig, dass die gelungensten Teile des Romans die ersten zwei oder drei Bücher sind, die von der Kindheit Maggies und Toms handeln. Die Autorin greift dabei auf eigene Erlebnisse zurück, die es ihr ermöglichen, vor allem die Gefühlswelt Maggies aus der Sicht des Kindes zu schildern, ihr Liebesbedürfnis, ihre Begeisterung für die Natur und ihr Leiden an ihrer Umwelt (Tom, ihrer Mutter und ihren Tanten). Auch der feinsinnige Künstlertyp Philip Wakem, der durch seinen Buckel gehandikapte schüchterne Verehrer Maggies, und die Beziehung, die sich zwischen den Kindern und später den Heranwachsenden entwickelt, werden überzeugend dargestellt.

Weitere Höhepunkte der künstlerischen Gestaltung sind die Passagen, in denen die Autorin die Borniertheit und Selbstgerechtigkeit der Gesellschaft von St. Ogg’s satirisch zeichnet. Sie bedient sich dabei einer Form des inneren Monologs, bei der gewissermaßen aus einem kollektiven Bewusstsein heraus die Vorurteile dieser von Frauen beherrschten Gesellschaft entlarvt werden.

Gelungene Satire sind auch die Gespräche des Dodson–Klans, bei denen die Enge, Selbstgefälligkeit, Spießigkeit und Ichsucht vor allem der Frauen einer vorindustriellen Welt gezeigt werden. Diese Teile zeugen auch von dem großen Verständnis der Autorin für soziologische Zusammenhänge und gesellschaftliche Prozesse, vor allem die Abhängigkeit des Einzelnen von übermächtigen Familientraditionen.

George Eliot tritt in dem Roman als allwissende Autorin auf. Stellenweise verlagert sie den Blickwinkel in das Bewusstsein der Personen und präsentiert die Geschehnisse als innere Monologe, in denen auch unbewusste seelische Regungen aufgespürt werden. Dann aber tritt sie auch immer wieder als Kommentatorin auf und sagt dem Leser, wie er das Geschehen zu bewerten hat. Da dies mit viel Originalität, Umsicht und psychologischen Feingefühl geschieht, nimmt man es ihr als Leser nicht übel, vor allem auch deshalb nicht, weil sie viel Verständnis für eher negativ gezeichnete Charaktere wie Tom Tulliver aufbringt.

Schwächen des Romans[Bearbeiten]

Maggie Tulliver gilt als Kind wegen ihrer braunen Haut und ihres zigeunerhaften Aussehens als hässlich. Sie teilt dieses Schicksal mit ihrer Autorin, Mary Ann Evans. Aber anders als diese entwickelt sie sich dann zu einer allgemein bewunderten Schönheit.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass an dieser Stelle, wo die Dramatik des Geschehens sich von der ländlichen Umgebung in die Stadt und von sozialen Konflikten ins eher Sentimentale verlagert, der Roman beginnt, unbefriedigend zu werden. Dies gilt vor allem für die Bücher sechs und sieben. In ihnen finden sich nur noch begrenzt Schilderungen der kleinlichen provinziellen Welt, die die Autorin aus eigener leidvoller Erfahrung kennt und realistisch, teils satirisch schildert. Maggie wird jetzt nicht mehr wie im ersten Teil im Spannungsverhältnis und in Rebellion zu dieser Welt dargestellt, sie erscheint nunmehr als Frau und moralische Persönlichkeit überhöht und idealisiert und liefert sich selbst einem Schicksal aus, in dem sie, um niemanden Leid zuzufügen, bereit ist, auf ihr Glück zu verzichten und eine Opferrolle zu übernehmen. Ihr Mitleid mit anderen Menschen, ihr Verzicht auf das eigene Glück und ihre Leidensfähigkeit sollen sie zu einer tragischen Heldin machen. Sie hat die höchste moralische Vollkommenheit in dem Augenblick erreicht, in dem die scheinheilige Gesellschaft von St. Ogg’s den Stab über sie bricht. Die „guten“ Freunde Philip, Lucy und der „gute“ Pfarrer bestätigen ihr das.

Das Ganze ist deshalb unbefriedigend, weil diese neue Rolle nur wenig zu der früheren Maggie passt und weil die Umstände diese Opferrolle gar nicht erfordern.

Zunächst versteht der Leser nicht, dass eine Frau wie Maggie sich in einen Stenz wie Stephen Guest verknallen kann, der als literarische Figur unzureichend gezeichnet wird, aber sicherlich als Mensch weit unter Philip steht, mit dem Maggie noch immer eine langjährige Seelengemeinschaft verbindet. Auch eine sexuelle Abhängigkeit Maggies kann nicht als Erklärung dienen – körperliche Kontakte finden so gut wie nicht statt. Maggies Lage ist keineswegs aussichtslos. Einer Ehe oder dauernden Verbindung Maggies mit Philip stände nichts im Wege, sie wäre sogar für alle das Beste; zwar lehnt ihr Bruder dies ab, doch hat er schließlich Philip schwer beleidigt und Maggie aus dem Haus gejagt.

Oder sollte ihre aus früher Kindheit herrührende instinkthafte und fast sklavische Abhängigkeit von ihrem Bruder allgewaltig sein? Diese wird aber im letzten Teil des Romans nicht mehr thematisiert und nur immer, wenn es nötig wird, als feste Größe vorausgesetzt.

Maggie könnte auch die Stadt verlassen und erneut eine Stellung als Lehrerin annehmen.

All das geschieht nicht, weil die Autorin Maggie für eine letzte große Opfertat vorgesehen hat. Sie muss heroisch untergehen bei dem Versuch, ihren Bruder Tom zu retten, der sie ein Leben lang tyrannisiert und gedemütigt und schließlich des Hauses verwiesen hat.

So ist die Flut am Schluss des Romans nicht, wie es manchmal geschieht, als die Erscheinung eines deus ex machina aus einer ausweglosen Situation zu deuten, sondern als letzte Steigerung von Maggies selbstlosem Handeln.

Dieser letzte Teil trägt keine autobiographischen Züge mehr. Das Leben der Mary Anne Evans bewegte sich in anderen Bahnen.

Modernste Übersetzung des Romans[Bearbeiten]

  •  George Eliot, Eva-Maria König (Übersetzung, Anmerkungen, Nachwort): Die Mühle am Floss. In: Reclams Universalbibliothek RUB 8080. Reclam, Stuttgart 1983 (Originaltitel: The mill on the Floss, übersetzt von Eva-Maria König), ISBN 3-15-002711-X.

Verfilmungen des Romans[Bearbeiten]

  • USA 1915.
  • England 1939 (Regie: T. Whelen).
  • La gran tentation, Argentinien 1948 (Regie: E. Arancibia).
  • England 1997 (2006 BBC Worldwide, mit Emily Watson)

Weblinks[Bearbeiten]