Die Mitte der Welt

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Dieser Artikel behandelt den Roman von Andreas Steinhöfel; für den gleichnamigen Film von 1974 siehe bei Alain Tanner.
Für das Äquatormonument in San Antonio de Pichincha in der ecuadorianischen Provinz Pichincha siehe bei Mitad del Mundo

Die Mitte der Welt ist ein Roman von Andreas Steinhöfel aus dem Jahr 1998. Es ist eine Geschichte über die Probleme des Erwachsenwerdens, Pubertät, Neid und Eifersucht, Freundschaft und Liebe. Der Roman wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Das Buch wurde von Alisa Jaffa ins Englische übersetzt und von Jonas Sachwitz bearbeitet (Centre of my World, in der Neuauflage The Center of the World).

Inhalt[Bearbeiten]

Phil wohnt mit seiner Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne in der alten Villa Visible etwas abseits eines Ortes. Dessen Bewohner haben kaum Kontakt zu der als sonderbar geltenden Familie. Die Kinder werden als Hexenkinder bezeichnet. Dianne kann angeblich mit Tieren kommunizieren, lebt sehr zurückgezogen in ihrer eigenen Welt und lässt nur wenige Menschen an ihrem Leben teilhaben. Der wichtigste Kontakt zur Umwelt ist Phils beste Freundin Kat, die Tochter des Schuldirektors, die immer wieder gegen die Verbote ihrer Eltern verstößt, um Phil zu besuchen. Auch die Rechtsanwältin Tereza ist mit der Familie eng verbunden. Von ihr hat Phil die Puppe Paleiko bekommen, die mit Phil redet und ihm Ratschläge gibt.

Die Erzählung schildert mittels einzelner Anekdoten die Vergangenheit der Familie, besonders mittels Geschichten über den abwesenden Vater, einen Onkel als kompensierende Vaterfigur, Kindheitserinnerungen von Phil und Dianne. Andere Episoden mit Gegenwartsbezug handeln unter anderem von Phils Liebe zu Nicholas, seinen Gesprächen mit Kat und Streitigkeiten zwischen seiner Schwester und seiner Mutter.

In einem Teil des Buches lernt Phil die etwas sonderbare Annie Glösser, welche eine leichte geistige Behinderung hat, kennen. Phil ist zu dieser Zeit des Buches nicht älter als acht Jahre. Annie fordert ihn dazu auf, sich pornografische Darstellungen via eines kleinen Spielzeug-Fernsehers anzugucken. Im weiteren Verlauf des Buches zwingt Annie Phil, die Hauptperson dieses Buches, sich zu entkleiden und vor dem Fernseher zu masturbieren. Phil, an dem diesen Vergehen begangen worden ist, mag Annie trotz dessen sehr gerne und vermisst sie in späteren Zeiten sogar.

Die Homosexualität ist ein wichtiger Bestandteil der Haupthandlung. Phil, der sowohl Erzähler als auch Hauptperson ist, entwickelt bereits in jungen Jahren eine besondere Neigung zu anderen Jungen. Dass sowohl Phil als auch Tereza, eine gute Freundin der Mutter, homosexuell sind, verstärkt die Andersartigkeit der Familie.

Rezeption[Bearbeiten]

„Es ist die (Kinder-)Perspektive dieser Rückblenden, die dem trockenen Witz des (Kinderbuch-)Autors Steinhöfel Raum gibt, es sind die romantischen Märchenmotive – vom Teich über die schwarze Holzpuppe zum Schloß mit den Königskindern –, die der Übersetzer und Kritiker Steinhöfel einbaut, und es ist der Kunstgriff eines jungen belesenen Autors, mit dem er diese beiden Ebenen zu einem Buch über die Zärtlichkeit des Lesens und das Risiko von Gefühlen verbunden hat.“

Konrad Heidkamp, Die Zeit[1]

„»Die Mitte der Welt« fasziniert von Anfang an ein geheimnisvolles Moll-Thema, eine rätselhafte und doch verführerische Melancholie. Ob er seinen verschollen geglaubten Vater finden wird, erfahren wir nicht, aber wir träumen weiter und hoffen auf eine Fortsetzung dieses Märchens, wir wollen mehr hören von dieser Ballade »in a mellow tone«.“

Rufus Beck

Fortsetzung Defender – Geschichten aus der Mitte der Welt[Bearbeiten]

In mehreren Kurzgeschichten führt der Autor die Geschichten der handelnden Personen in Defender – Geschichten aus der Mitte der Welt fort.

In der Geschichte „Herbstastern“ geht es um Dennis und seine Geschwister, die aus Herbstastern einen Totenkranz schneiden, für ihren alkoholkranken Vater, welcher zuvor verstorben ist. Dennis hat seinen Auftritt im Buch „Die Mitte der Welt“ bei der „Schlacht am großen Auge“; er ist der Junge, der Dianne mit dem Messer an der Schulter verletzt.

In der Geschichte „Winterlandschaft“ geht es um Kora und ihren kleinen Bruder Tobbel, die gezwungen sind, ein paar Tage in einem Wohnwagen zu verbringen. Ihre Eltern haben einen schrecklichen Streit und glauben, diesen nur in Abwesenheit der Kinder beilegen zu können; die Art der Erzählung lässt die Möglichkeit, dass dadurch die Kinder geschützt werden sollen, nicht zu. Die Zeit im Wohnwagen ist für Kora und Tobbel besonders schwierig, da es Winter ist, Kora mit der Situation überfordert ist und die Kinder sich von ihren Eltern weggeschickt (oder abgeschoben) fühlen. Kora ist im Buch „Die Mitte der Welt“ Diannes einzige Freundin.

In der Geschichte „Die Katze“ erzählt Kat von ihrem Freund Thomas, was sie wirklich für ihn empfindet, ihrem ersten Mal mit ihm, aber auch von ihrer Beziehung zu ihren Eltern und ihrem besten Freund Phil, den sie sehr liebt aber auch weiß, dass sie von ihm nicht dieselbe Liebe erwarten kann. Die Kurzgeschichte hilft ein wenig zu verstehen, warum Kat Phil im Buch „Die Mitte der Welt“ derartig hintergeht.

In der Geschichte „Merle“ geht es um eine tapfere Schülerin, die nicht dem Gruppenzwang unterliegt. Ein neuer Lehrer unterrichtet an ihrer Schule und wird von Merles Mitschülern gemobbt. Nachdem sich Merle einmal daran beteiligt hat, kommen ihr Zweifel an ihrem Handeln und sie nimmt allen Mut zusammen, um ihrem Gewissen Rechnung zu tragen.

Schließlich lernt man auch „Defender“ näher kennen, der eigentlich Johannes heißt und auch in Steinhöfels Buch Der mechanische Prinz einen Gastauftritt hat.

Das Zitat, auf dem Defender aufbaut, stammt aus Charles Dickens’ Roman David Copperfield.

Das Buch wurde ebenfalls für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konrad Heidkamp: LUCHS 136: Andreas Steinhöfels Jugendroman "Die Mitte der Welt". zeit.de, 8. Januar 2013, abgerufen am 30. Januar 2013.