Die Nacht vor der Hochzeit

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Nacht vor der Hochzeit
Originaltitel The Philadelphia Story
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1940
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie George Cukor
Drehbuch Donald Ogden Stewart
Produktion Joseph L. Mankiewicz
Musik Franz Waxman
Harold Arlen
Kamera Joseph Ruttenberg
Schnitt Frank Sullivan
Besetzung
Synchronisation

Die Nacht vor der Hochzeit (Originaltitel: The Philadelphia Story) ist eine US-amerikanische Screwball-Komödie aus dem Jahr 1940. Der Film basiert auf der Broadway-Komödie gleichen Namens von Philip Barry, in der Katharine Hepburn ebenfalls die Hauptrolle gespielt hatte. Er gilt als Klassiker der Screwball-Comedies und als ein Höhepunkt im Schaffen von Katharine Hepburn. Die Nacht vor der Hochzeit ist zudem der einzige Film, in dem die beiden Hollywood-Legenden Cary Grant und James Stewart gemeinsam auftreten.

Handlung[Bearbeiten]

Die oberen Zehntausend von Philadelphia: Die reiche, unnahbare Tracy Lord bereitet sich auf die Hochzeit mit dem Aufsteiger George Kittredge vor. Ihr Ex-Ehemann Dexter schleust die zwei Skandal-Reporter Mike Connor und Liz Imbrie als vermeintliche Freunde ihres abwesenden Bruders in ihr Haus ein, um heimlich von der Feier zu berichten. Dexter wurde dazu von Kidd, dem skrupellosen Chefredakteur der Boulevardzeitung Spy Magazine, erpresst – sollte er nicht kooperieren, droht dieser eine schmutzige Story über Tracys Vater und dessen Verhältnis mit einem Showgirl zu veröffentlichen. Dexter sieht darin aber auch die Möglichkeit, Rache an Tracy zu nehmen, die ihn seinerzeit vor die Tür gesetzt hatte.

Als Mike und Liz mit Dexter am Tag vor der Hochzeit in Tracys Haus erscheinen, vermutet diese instinktiv, dass Dexters „Freunde“ in Wirklichkeit Reporter sind, und konfrontiert Dexter damit, der nach einem kurzen Wortgefecht mit der Wahrheit herausrückt und ihr von der Erpressung erzählt. Zerknirscht gibt Tracy nach und lässt die beiden gewähren.

Am Abend vor der Hochzeit wird ein großer Ball gefeiert, Tracy trinkt entgegen ihren Angewohnheiten Alkohol und entdeckt plötzlich Sympathien für den jungen Reporter Mike Connor, der – ebenso betrunken – Dexter offenbart, dass er in Tracy vernarrt ist. Zusammen hecken sie den Plan aus, den Zeitungsmacher Kidd mit einem Artikel über seine Machenschaften auszubooten, damit er die Geschichte über Tracys Vater fallen lässt und auf einen Artikel über die Hochzeit verzichtet.

Am Swimmingpool der Lords gesteht Mike daraufhin Tracy seine Liebe, verzichtet aber als Gentleman darauf, die heillos betrunkene Tracy zu verführen. Als die beiden am nächsten Morgen von George und Dexter aufgefunden werden, kommt es um ein Haar zu einer Schlägerei unter den drei Rivalen, und George wirft seiner Verlobten vor, ihn betrogen zu haben.

Unmittelbar vor der Trauung entscheidet sich Tracy deshalb gegen die Hochzeit mit George. Als sich Mike als Ersatz anbietet, lehnt Tracy ihn ebenso ab, da sie weiß, dass Liz in ihn verliebt ist. So kommt es letztlich zur (erneuten) Hochzeit zwischen Tracy und Dexter, mit Mike und Liz als Trauzeugen.

Hintergründe[Bearbeiten]

Nach dem Film Leoparden küßt man nicht, der zwar heute als Klassiker gilt, damals aber an den Kinokassen floppte, war Hepburns Karriere in großer Gefahr. Da sie in Hollywood als Kassengift galt, zog sie sich an den Broadway zurück und spielte unter anderem auch im gleichnamigen Stück. Mit der Idee zu einem Film nach dem Theaterstück kehrte sie nach Hollywood zurück. Man stellte ihr bekannte Darsteller zur Seite, darunter auch Cary Grant, mit dem sie bereits in Leoparden küßt man nicht gespielt hatte. Viele prophezeiten einen Misserfolg und das Ende von Hepburns Karriere, doch der Film wurde ein großer Erfolg und Hepburn über Jahrzehnte eine der führenden Darstellerinnen in Hollywood.

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1949 im MGM-Synchronisations-Atelier Berlin. [1]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Tracy Lord Katharine Hepburn Eva Vaitl
C.K. Dexter Haven Cary Grant Curt Ackermann
Macauly „Mike“ Connor James Stewart Hans Nielsen
George Kittredge John Howard Wolfgang Eichberger
Onkel Willie Roland Young Anton Reimer
Seth Lord John Halliday Walter Holten
Margaret Lord Mary Nash Eva Eras
Sidney Kidd Henry Daniell Richard Münch

In dieser Übersetzung gibt es einen bemerkenswerten Übersetzungsfehler. Beim Annehmen des Heiratsantrags sagt Tracy: „... ich werde so was von tacky sein ...“, in Anspielung auf das von Dexter Haven gebaute Boot. „Tacky“ bedeutet aber schäbig, billig oder geschmacklos. Im Film wird es aber wie ein positiv besetzter Begriff wie zum Beispiel leicht lenkbar, schnell etc. verwendet. In der amerikanischen Fassung der Szene kommt der Begriff „tacky“ nicht vor, dort heißt es stattdessen „yare“.

Kritiken[Bearbeiten]

  • „Brillantes Beispiel für die amerikanische ‚Screwball-Comedy‘ der 30er Jahre, mit hintergründigem Witz, Gesellschaftskritik, schlagfertigen Dialogen und glanzvoller Besetzung.“Lexikon des Internationalen Films[2]
  • „Obwohl die Story heute kaum mehr abgibt als einen herzhaften Dialogabtausch, ist sie in dieser Besetzung und Cukors Inszenierungsstil einfach hinreißend komisch.“Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main
  • „Witzige Komödie, von Cukor prachtvoll inszeniert.“ (Wertung: 4 Sterne = hervorragend) – Movies on TV
  • „Saloppes Bühnenstück mit prominenter Besetzung.“ – 6000 Filme, 1963 [3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film gewann zwei Oscars: James Stewart wurde als bester männlicher Hauptdarsteller ausgezeichnet, außerdem Don Stewart für das beste adaptierte Drehbuch. Nominiert waren außerdem Katharine Hepburn (beste weibliche Hauptrolle), Ruth Hussey (beste weibliche Nebenrolle), George Cukor für die beste Regie und Produzent Joseph Mankiewicz für den besten Film.

Sonstiges[Bearbeiten]

1956 wurde die Vorlage mit Grace Kelly, Bing Crosby und Frank Sinatra in den Hauptrollen unter dem Titel Die oberen Zehntausend (Originaltitel: High Society) als Musical neu verfilmt. Die Handlung folgt im Wesentlichen dem Original und variiert, ebenso wie bei den Figuren, nur in Details.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Die Nacht vor der Hochzeit. Special Edition. (2-DVD-Set.) Warner Home Video 2005

Literatur[Bearbeiten]

  • Philip Barry: The Philadelphia Story. A Comedy in Three Acts. S. French, New York und Los Angeles, u.a. 1942, 141 S.
  • Autorenkollektiv: Die Nacht vor der Hochzeit. Filmprogramm Nr. 180. Wiedleroither und W. Rabe, Stuttgart 1988, 12 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Nacht vor der Hochzeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Nacht vor der Hochzeit (1940) in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 17. November 2008
  2. Die Nacht vor der Hochzeit im Lexikon des Internationalen Films
  3. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik. 3. Auflage. Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 317