Die Olsenbande sieht rot

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Olsenbande sieht rot
Originaltitel Olsen-banden ser rødt
Produktionsland Dänemark
Originalsprache Dänisch
Erscheinungsjahr 1976
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Erik Balling
Drehbuch Henning Bahs, Erik Balling
Produktion Bo Christensen
Musik Bent Fabricius-Bjerre
Kamera Henning Kristiansen
Schnitt Ole Steen Nielsen
Besetzung

Die Olsenbande sieht rot ist eine dänische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1976. Es handelt sich um den achten Film mit der Olsenbande.

Handlung[Bearbeiten]

Egon wird wieder einmal aus dem Gefängnis entlassen. Über seinen Zellennachbarn, einen Rechtsanwalt, hat er Kontakt zu Baron Løvenvold hergestellt, der einem der ältesten und angesehensten dänischen Adelshäuser angehört. Dieser hat Schulden und will daher eine wertvolle chinesische Vase aus Familienbesitz an einen holländischen Geschäftsmann verkaufen. Da aber der Familienrat bei der Veräußerung von Familienbesitz zustimmen muss und keinesfalls von den Geldnöten des Barons erfahren darf, soll Egon einen Einbruch vortäuschen und dabei die Vase verschwinden lassen.

Schloss Vallø – Außenkulisse für den Wohnsitz des Barons

Der Olsenbande gelingt es ohne größere Probleme, die Vase aus dem Stadtpalais des Barons zu entfernen. Bei der Übergabe zeigt sich jedoch, dass Egon wieder einmal betrogen wurde und um seinen Anteil gebracht wird. Er sinnt nun auf Rache, und gemeinsam mit Kjeld und Benny dringt er ins Schloss des Barons ein, als dort der Verkauf stattfinden soll. Sein Ziel ist es, die echte Vase gegen eine wertlose Kopie auszutauschen und anschließend zu verkaufen. Zunächst scheint der Plan zu gelingen, jedoch tappt Egon auf der Flucht in eine Falle, die sich seit Jahrhunderten in einem der Burgverliese befindet, und wird anschließend von Frits, dem Leibwächter des Barons, in einem Kerker eingemauert. Erst in letzter Sekunde kann er von Benny und Kjeld gerettet werden.

Königliches Theater
Børge und Fie heiraten in der Jesuskirche in Valby

Trotz dieser Niederlage ersinnt Egon einen neuen Plan. Nach der erfolgreichen Übergabe der Vase will der Baron mit seinem holländischen Gast einer Aufführung von Friedrich Kuhlaus Elverhøj im Königlichen Theater beiwohnen. Während die Ouvertüre gespielt wird, kann sich die Olsenbande im Takt der Musik durch die einzelnen Aufenthaltsräume des Theaterpersonals, die alle durch stabile Wände getrennt sind, mit Hilfe von Bohrern, Brecheisen und Sprengsätzen den Weg bis in den Zuschauerraum freimachen, wo sie die Vase und den Geldkoffer unbemerkt ihren Bewachern abnehmen können.

Der Film endet damit, wie Børge seine Verlobte Fie, die ein Kind von ihm erwartet, heiratet. Anschließend fährt die Olsenbande mit der Vase zur Polizei, da auf das wertvolle Stück eine Belohnung ausgesetzt ist. Fie lässt jedoch die Vase versehentlich fallen, so dass sie unwiederbringlich verloren geht. Außerdem gelingt es ihr unbemerkt, den Koffer für ihre Hochzeitsreise mit Egons Geldkoffer zu vertauschen. Während das junge Brautpaar also mit sehr viel Reisegeld nach Mallorca aufbricht, bleibt Egon nichts mehr übrig, als freiwillig ins Gefängnis zurückzukehren und einen neuen Plan zu entwickeln.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Ouvertüre zu Elverhøj für die berühmte Szene im Königlichen Theater wurde eher zufällig gewählt. Regisseur Erik Balling hörte bei sich zu Hause im Radio die Olsenbandenmelodie, und gleich danach wurde die Ouvertüre zu Elverhøj gespielt. „Als ich die beiden Melodien gleich nacheinander im Radio hörte, hatte ich es: Wir könnten die Szenen im Königlichen Theater während der Ouvertüre zu Elverhøj machen.“[1]

Die Idee, geräuschvolles verbrecherisches Handeln durch noch lautere Klassikpassagen zu übertönen, war zuvor bereits in den Verfilmungen von Der Mann, der zuviel wußte von Alfred Hitchcock aus den Jahren 1934 und 1956 umgesetzt worden: Hier sollte jeweils durch einen bestimmten Beckenschlag ein Schuss vertuscht werden.

Deutsche Synchronisationen[Bearbeiten]

Wie alle Filme der Reihe wurde dieser Film in der DDR durch die DEFA synchronisiert. Er ist dabei einer von drei Olsenbandenfilmen, die in der DDR nicht im Kino, sondern nur im Fernsehen zu sehen waren. Egon, Benny und Kjeld wurden dabei wie üblich von Karl Heinz Oppel, Peter Dommisch und Erhard Köster gesprochen; Margit Bendokat synchronisierte zum fünften und letzten Mal die Yvonne. Der bekannte Schauspieler Herbert Köfer war in einer Nebenrolle als Chefkoch zu hören.

In Westdeutschland erschien 1989 die Synchronisation des ZDF unter dem Titel Schlagbohrer mit Musik.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Szene im Königlichen Theater wird sowohl von vielen Fans als auch von zahlreichen Beteiligten als einer der Höhepunkte der gesamten Filmreihe angesehen. Das auf die Musik abgestimmte Zuwerkegehen der Olsenbande erinnert an alte Zeichentrickfilme, genauer an eine Umkehrung des sogenannten Mickey-Mousing. Für fast zwölf Minuten entspricht in dieser Sequenz die gespielte Zeit der Spielzeit bzw. Laufzeit des Films.

Ove Sprogøe und Poul Bundgaard betrachteten Die Olsenbande sieht rot als ihren Lieblingsfilm.[2] Drehbuchautor Henning Bahs kritisierte hingegen die abgesehen von der Theatersequenz eher schwache Dramaturgie dieses Films.[2]

Mit 1,2 Mio. verkauften Tickets ist der Film bis heute die erfolgreichste dänische Kinoproduktion. Nur Titanic und Der Herr der Ringe: Die Gefährten wurden in Dänemark von mehr Menschen gesehen (Stand: 2008).[3] Allerdings wurden vor 1976 keine derartigen Daten erhoben.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Vilhelm Marstrand: Christian IV. in der Schlacht auf der Kolberger Heide
Claus Møinichen: Schlacht bei Öland
  • In diesem Film ist angesichts der immer wiederkehrenden Charaktere und stets gleichen Handlungselemente der Serie erstmals ein deutlicher Hang der Drehbuchautoren zur Selbstironie erkennbar: So weiß Benny schon im Voraus, dass Egons Zellengenosse wieder ein hilfreicher Rechtsanwalt war, der Safe des Barons stammt von der Firma Francis Hunter, Birmingham und als Krönung liefert sich Egon am Ende selbst ins Gefängnis ein. Diese Tendenz in Richtung Augenzwinkern hat sich auch auf den Synchronautoren übertragen, so dass der von Ove Verner Hansen gespielte Charakter Frits an einer Stelle als „dieses dumme Schwein“ bezeichnet wird.
  • Børge-Darsteller Jes Holtsø war an diesem Film nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Requisitenassistent beteiligt.
  • Der Film wurde noch 1976 als Olsenbanden for full musikk in Norwegen neuverfilmt.
  • Während Egon Kjeld und Benny die Familiengeschichte der Løvenvolds berichtet, werden verschiedene historische Gemälde eingeblendet. Hierbei handelt es sich unter anderem um ein Gemälde von Vilhelm Marstrand, das König Christian IV. in der Seeschlacht auf der Kolberger Heide zeigt. Ein anderes Bild, zu dem Egon anmerkt, ein Mitglied der Familie Løvenvold hätte der Marine sogar ein eigenes Schiff gespendet, zeigt eine Darstellung der Seeschlacht bei Öland des Malers Claus Møinichen. Beim abgebildeten explodierenden Schiff handelt es sich allerdings um kein dänisches Schiff, sondern um das schwedische Linienschiff Kronan, das während der Schlacht kenterte und explodierte.
  • Auf dem Plakat, welches die Vorstellung im Königlichen Theater ankündigt, ist neben Kuhlaus Elverhøj-Ouvertüre auch das Ballett Napoli genannt, das von August Bournonville choreografiert und von diversen Komponisten, darunter Holger Simon Paulli und Niels Wilhelm Gade komponiert wurde.


Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. John Lindskog, Skide godt, Egon! 30 år med Olsen banden, S. 56
  2. a b Frank Eberlein: Das große Lexikon der Olsenbande, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, S. 234/235
  3. Danmarks Statistik: Statistical Yearbook 2009, Education and culture, Tab. 99 (pdf-Datei; 893 kB)