Die Reifeprüfung

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Reifeprüfung
Originaltitel The Graduate
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1967
Länge 102 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Mike Nichols
Drehbuch Calder Willingham,
Buck Henry
Produktion Lawrence Turman
Musik Dave Grusin,
Paul Simon
Kamera Robert Surtees
Schnitt Sam O’Steen
Besetzung

Die Reifeprüfung (engl. The Graduate) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Mike Nichols aus dem Jahr 1967, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Charles Webb. Er erzählt, wie der College-Absolvent Benjamin Braddock (Dustin Hoffman) nacheinander zwei „verbotene“ Beziehungen eingeht: zunächst die zu einer verheirateten Frau, dann die zu ihrer Tochter.

Handlung[Bearbeiten]

Kurz vor Vollendung seines 21. Lebensjahres und mit glänzendem College-Abschluss im Gepäck kehrt Benjamin Braddock ins Elternhaus nach Südkalifornien zurück. Was er in Zukunft zu tun gedenkt, weiß er noch nicht. Nicht zuletzt deshalb wäre es ihm lieber, allein gelassen statt auf „seiner“ Party den Freunden seiner Eltern vorgezeigt zu werden. Mrs. Robinson, die ohne ihren Mann, einen Geschäftspartner von Mr. Braddock, zugegen ist, bittet Benjamin, sie nach Hause zu fahren. Dort versucht sie, ihn zu verführen, wogegen er sich sträubt und was schließlich durch die verfrühte Rückkehr von Mr. Robinson vereitelt wird. Ironischerweise ist ausgerechnet er es, der Benjamin den Rat gibt, seine Jugend zu genießen und seine Anziehungskraft auf Frauen zu nutzen. Einige Tage später ringt sich Benjamin durch, auf Mrs. Robinsons Angebot einzugehen. Seine Unsicherheit überwindet er jedoch erst in dem Moment, als sie ihn fragt, ob es sein „erstes Mal“ sei und er Angst habe zu „versagen“. Die sich anschließende mehrwöchige Affäre zwischen beiden bleibt allerdings eine rein sexuelle. Benjamins erster Versuch, über ein Gespräch mehr Nähe zu schaffen, endet im Streit und beinahe im Zerwürfnis, ausgelöst dadurch, dass Mrs. Robinson darauf besteht, er solle versprechen, nie mit ihrer Tochter Elaine auszugehen.

Besorgt ob seiner Untätigkeit und seiner nächtlichen Ausflüge ist es aber genau das, worum Benjamins Eltern ihn wiederholt bitten – bis er nachgibt. Im Bestreben, Elaine das Zusammensein mit ihm ein für alle Mal zu verleiden, geht er jedoch zu weit: Sie ist schockiert und bricht in Tränen aus. Er rechtfertigt sich, tröstet sie, küsst sie und verliebt sich. Noch am gleichen Abend gesteht er ihr, ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau gehabt zu haben. Ihr für den Folgetag geplantes Treffen vereitelt Mrs. Robinson; sie droht Benjamin, Elaine notfalls mit der vollen Wahrheit zu konfrontieren. Kurz entschlossen kommt er ihr zuvor; freilich um den Preis, dass Elaine mit ihm bricht. Als sie bald darauf nach Berkeley zurückkehrt, um ihr Studium fortzusetzen, beschließt er, ihr zu folgen. Elaine wehrt ihn zunächst ab und flüchtet sich in die Arme eines anderen Verehrers – des Medizin-Studenten Carl Smith –, sucht Benjamin aber dann ihrerseits auf und erfährt, dass ihre Mutter sie belogen hat darüber, wie es zu ihrem Verhältnis mit ihm gekommen war. Schnell nähern sich beide wieder an, Benjamin drängt sogar auf baldige Hochzeit. Doch nun intervenieren die Robinsons mit vereinter Kraft, indem sie ihre Tochter kurzerhand mit Carl Smith verheiraten wollen. Elaine resigniert und hinterlässt Benjamin einen Abschiedsbrief. Im dramatischen Finale geht es für ihn darum, herauszufinden, wo diese Hochzeit stattfindet, und rechtzeitig da zu sein, um sie zu verhindern. Als er nach mehr als 12-stündiger Odyssee ankommt, ist die Ehe gerade geschlossen, das Paar küsst sich. Sein verzweifelter Auftritt auf der verglasten Kirchenempore verändert dennoch alles: Dem Es ist zu spät! ihrer Mutter setzt Elaine ihr Nicht für mich! entgegen und läuft auf Benjamins Seite über. Ein Holzkreuz dient den Beiden als Waffe und als Riegel für die Kirchentür. Sie flüchten in einem Linienbus; während der Bus losfährt, verschwindet die Euphorie über die geglückte Flucht langsam von den beiden Gesichtern.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Der Film wirkte für damalige Verhältnisse revolutionär. Das erste Mal wurde publikumswirksam und vorurteilsfrei die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber geschildert.
  • Der Film rückte die starren Moralvorstellungen der amerikanischen Gesellschaft und die Weltfremdheit der damals jungen Generation in den Fokus.
  • Die Schlusssequenz – gehetzte Fahrt zur Kirche und Entführung der Braut aus der Trauungszeremonie – geht auf das Finale des Harold-Lloyd-Stummfilmes Girl Shy zurück. Lloyd wirkte bei den Dreharbeiten als Berater mit.[1]
  • Der deutsche Filmtitel Die Reifeprüfung ist im Kontext des Films nicht die korrekte Übersetzung des Originaltitels The Graduate. Unter „Reifeprüfung“ wird im Deutschen das Abitur bzw. die Matura verstanden. Im amerikanischen Englisch heißt sowohl der Abschluss der High School als auch der Abschluss des College „graduation“; Benjamin hat nicht etwa die Schule, sondern das College abgeschlossen. Obwohl die Übersetzung nicht korrekt ist, ist sie dennoch als Interpretation schlüssig, geht es im Film doch um ein klassisches Initiationsthema und der männliche Protagonist wird von einer älteren Frau verführt und in die Sexualität eingeführt. Er hat also eine „Reifeprüfung“ zu bestehen, die sich nicht nur in der Einführung in die Sexualität äußert, sondern auch in einer emotionalen Reifung, da er sich aller gesellschaftlichen Widerstände und Konventionen zum Trotz für seine Liebe entscheidet.
  • Die Hotelszenen wurden im Ambassador Hotel in Los Angeles (Kalifornien) gedreht, in dem im Jahre 1968, weniger als sechs Monate nach der Premiere des Films, Robert F. Kennedy ermordet wurde. Das Hotel diente als Kulisse weiterer Filme wie z. B. für Die fabelhaften Baker Boys und Catch Me If You Can.
  • Der Film unternahm die erste professionelle Produktplatzierung in Form eines Alfa Romeo 1600 Duetto Spider, womit der Film in seiner Finanzierungsstrategie Neuland betrat. Die betreffende Baureihe wird in den USA heute noch vielerorts Graduate Spider genannt. Insoweit war der Film eine Reaktion auf die sich ankündigenden gesellschaftlichen und moralischen Umbrüche und somit Vorbote von New Hollywood.
  • Die Rolle des Ben war die erste große Rolle von Dustin Hoffman, der danach zu einem Hollywood-Star aufstieg. Die Rolle erhielt er trotz seines damaligen zu hohen Alters von 30 Jahren, da er beim Vorsprechen sehr unsicher und nervös wirkte. Der Altersunterschied zwischen ihm, der einen College-Absolventen Anfang Zwanzig darstellte, und Anne Bancroft, die als Mutter einer erwachsenen Tochter agierte, betrug lediglich knapp sechs Jahre.
  • Anne Bancrofts Rolle der Mrs. Robinson war zunächst Doris Day angeboten worden, die jedoch absagte.[2]
  • In der berühmten Szene, die auch für das Original-Kinoplakat verwendet wurde, in welcher Dustin Hoffman im Türrahmen steht und auf die Beine von Mrs. Robinson starrt, sind nicht die Beine von Anne Bancroft, sondern die der damals 26-jährigen Linda Gray zu sehen, welche später in der Fernsehserie Dallas berühmt wurde.
  • In den letzten Jahren erlebte der Film durch erfolgreiche Theater-Aufführungen ein Comeback, so in London, wo Mrs. Robinson mit großem Erfolg von Jerry Hall dargestellt wurde.

Soundtrack[Bearbeiten]

Hauptartikel: The Graduate (Album)

Für die Entstehungszeit durchaus ungewöhnlich wurde Popmusik gezielt eingesetzt, um die Stimmung einer Szene zu transportieren. Der von Simon & Garfunkel eingespielte Soundtrack (mit The Sound Of Silence, Mrs. Robinson und Scarborough Fair/Canticle; siehe auch Sounds of Silence) wurde für das Duo zu einem ihrer größten Erfolge.

Adaptionen[Bearbeiten]

  • Die Eröffnungssequenz inspirierte Quentin Tarantino für den Vorspann in seinem Film Jackie Brown. Das Ende wurde mehrmals im Fernsehen und Kino parodiert, so z. B. in King of Queens, Die Simpsons, Wayne’s World 2 und Shrek 2. Ebenso findet sich eine Anspielung auf die Kirchenszene in dem Film Ein Trauzeuge zum Verlieben und dem Computerspiel The Secret of Monkey Island.
  • Im Film American Pie finden sich ebenso Anspielungen auf die Liebesgeschichte. Während der Begegnung des Charakters des Paul Finch mit der reiferen Janine Stifler findet auch das Lied Mrs. Robinson Verwendung.
  • Die Szene, in der Dustin Hoffman im elterlichen Swimming-Pool taucht, wozu The Sound of Silence zu hören ist, wurde ebenfalls in dem Film Old School adaptiert.
  • Für einen Werbespot für den damals neuen Audi A6 kehrte Dustin Hoffman 2004 in seine Rolle zurück: Man sah ein Hochzeitspaar, Hoffman auf der Galerie der Kirche, die junge Braut flüchtete mit ihm im Audi. Darauf sie: „Danke Dad!“ – er: „Wie deine Mutter.“
  • Im Film Wo die Liebe hinfällt von 2005 wird die Filmstory in gewisser Weise fortgesponnen: eine junge Frau erfährt kurz vor der Hochzeit ihrer Schwester, dass ihre Familie das Vorbild für den Film darstellt. Shirley MacLaine übernahm die Rolle von Mrs. Robinson, Kevin Costner gibt Benjamin Braddock.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

„Verwaschener Hollywood-Film, bei dem nicht einmal klar wird, ob die bisweilen auftretende Komik gewollt oder ungewollt ist. Unnötig.“

Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 419/1968

„Temporeiche Gesellschaftssatire, die gleichermaßen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt, die sich aber deutlich auf die Seite der unangepaßten Söhne und Töchter schlägt. Mit musikalischem Elan, schicken Pop-Elementen und spitzem Humor inszeniert.“

Lexikon des internationalen Films[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Programmheft Internationale Stummfilmtage 14.–24. August 2008, Bonn
  2. Derald Hendry: The Films That Never Were
  3. Die Reifeprüfung im Lexikon des Internationalen Films