Die Reise nach Tokyo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Die Reise nach Tokyo
Originaltitel 東京物語, Tōkyō monogatari
Produktionsland Japan
Originalsprache Japanisch
Erscheinungsjahr 1953
Länge 136 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Yasujirō Ozu
Drehbuch Kōgo Noda,
Yasujirō Ozu
Produktion Takeshi Yamamoto
Musik Kojun Saitō
Kamera Yūharu Atsuta
Schnitt Yoshiyasu Hamamura
Besetzung

Die Reise nach Tokyo (jap. 東京物語, Tōkyō monogatari) ist ein japanischer Film aus dem Jahr 1953. Dieser Film gilt als das bekannteste Werk des Regisseurs Yasujirō Ozu und wird regelmäßig als einer der besten Filme aller Zeiten bezeichnet. Die Hauptrollen spielten Chishū Ryū und Chieko Higashiyama.

Handlung[Bearbeiten]

japanisches Filmplakat

Das ältere Ehepaar Shūkichi und Tomi Hirayama beschließt, seine erwachsenen Kinder und deren Familien in Tokio zu besuchen. Nach der langen Bahnfahrt angekommen, erkennen sie aber langsam, dass der älteste Sohn Kōichi, ein Arzt, und die älteste Tochter Shige, die einen Schönheitssalon betreibt, wenig Zeit für sie haben. Einzig Noriko (Setsuko Hara), die Witwe des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohns, bemüht sich um ihre Schwiegereltern.

Nach nur wenigen Tagen in Tokio schieben Kōichi und Shige ihre Eltern in ein Seebad ab. Dort fühlen sie sich aber umgeben von feiernden Jugendlichen auch nicht wohl, so dass sie nach Tokio zurückkehren. Shūkichi verbringt dort einen Abend mit ehemaligen Freunden und Nachbarn in einer Kneipe, während Tomi die Nacht bei Noriko verbringt.

Bei der Rückfahrt in den Heimatort erkrankt Tomi schwer, weshalb die Reise bei dem jüngsten Sohn in Ōsaka unterbrochen werden muss. Zurück in der eigenen Wohnung verschlechtert sich Tomis Zustand, und die Kinder eilen an das Sterbebett ihrer Mutter.

Nach der Beerdigung reisen alle Kinder möglichst schnell wieder ab, einzig die Schwiegertochter Noriko und die noch im Elternhaus lebende jüngste Tochter bleiben bei Shūkichi zurück.

Hintergrund[Bearbeiten]

Yasujirō Ozu gilt heute als einer der bedeutendsten japanischen Regisseure, doch galten seine Filme in den 1950er Jahren, als durch den Erfolg von Kurosawas Film Rashomon das japanische Kino vom westlichen Publikum entdeckt wurde, als zu typisch japanisch als dass der Film im Ausland verstanden werden könnte. Zwar wurde Die Reise nach Tokyo auf diversen Festivals aufgeführt (und wurde unter anderem vom British Film Institute im Jahre 1958 mit einem Preis ausgezeichnet), doch erst Jahre nach Ozus Tod (im Jahre 1963) wurden seine Filme Anfang der 1970er Jahre in Europa und den Vereinigten Staaten entdeckt.

Die Reise nach Tokio wurde sehr von Leo McCareys US-amerikanischem Filmdrama Kein Platz für Eltern (1937) beeinflusst, welchen Ozu sehr schätzte.[1]

Heutzutage ist Die Reise nach Tokyo Ozus bekanntester Film, obwohl er ihn selbst als seinen melodramatischsten Film betrachtet. Der Film steht auch beispielhaft für Ozus einzigartigen visuellen Stil, der auch heute noch auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig ist. Dieser Stil ist gekennzeichnet durch die niedrige Kameraperspektive der Untersicht, die unbewegliche Kamera, die das Geschehen in einem festgelegten Rahmen darstellt (es gibt im ganzen Film nur zwei Kamerafahrten), und den frontalen Schuss und Gegenschuss bei Dialogszenen. Ebenso typisch sind mit Musik unterlegte Landschaftsaufnahmen, die die einzelnen Szenen voneinander abtrennen und doch verbinden.

Eine weitere Konstante in Ozus Schaffen ist der Einsatz derselben Schauspieler in seinen Filmen. Chishū Ryū und Setsuko Hara gehörten zu seinen Lieblingsschauspielern. Hara spielte von 1949 bis 1953 in drei verschiedenen Filmen einen Charakter namens Noriko. Auch wenn es sich nicht um dieselbe Person in diesen Filmen handelt, betrachtet man Später Frühling (Banshun, 1949), Weizenherbst (Bakushū, 1951) und Die Reise nach Tokyo als Teile einer Trilogie (Noriko-Trilogie). In allen drei Filmen spielen ein Generationenkonflikt und die Frage, ob Noriko (wieder) verheiratet werden soll, eine mehr oder weniger bedeutende Rolle. Selten hat Ozu aber dabei die Unterschiede zwischen der älteren Generation und der Jugend so melancholisch wie in Die Reise nach Tokyo dargestellt. Die abschließenden Worte des Dialogs zwischen Noriko und der jüngsten Tochter Shukishis sind genauso traurig wie resignierend: „Das Leben ist eine Enttäuschung“ - „So ist es.“

Kritiken und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Reise nach Tokyo wird heute von vielen Kritikern nicht nur als Ozus bedeutendster, sondern auch als einer der besten Filme überhaupt betrachtet. In der alle zehn Jahre stattfindenden Umfrage des britischen Filmmagazins Sight & Sound unter berühmten Regisseuren und Kritikern wurde dieser Film 1992 erstmals in die Top 10 der besten Filme aller Zeiten gewählt. 2012 wurde Die Reise nach Tokyo schließlich von den befragten Filmregisseuren zum besten Film gewählt. Bereits 2005 führte der Filmführer Halliwell's Film Guide den Film als Spitzenreiter die Liste der 1000 besten Filme.

„Der international bekannteste Film des japanischen Meisterregisseurs Ozu: eine behutsame, in meditativem Bildrhythmus entfaltete Studie über den Zerfall einer Familie, über die Begegnung von Tradition und Moderne, über den alltäglichen Mut zum Neubeginn. Jenseits spektakulärer Effekte liefert Ozu eine Beschreibung der Normalität, deren Widersprüche weder dramatisiert noch verschwiegen, sondern der aufmerksamen Beobachtung und der kritischen Anteilnahme erschlossen werden.“

Lexikon des internationalen Films

„Das Verhältnis der Generationen zueinander in einem meisterhaft gestalteten Film von sehr japanisch-eigenwilligem Stil. Ab 14 sehr zu empfehlen.“

Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 270/1965

Remake[Bearbeiten]

Auf der Berlinale 2013 wurde die Neuverfilmung Tokyo Kazoku (Tokyo Family) von Yōji Yamada (mit Yū Aoi in der Rolle der Noriko) gezeigt.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel zum Remake bei Welt Onlline
  2. Tokyo Kazoku auf Berlinale 2013. Abgerufen am 12. Dezember 2013.