Die Sünde des Abbé Mouret

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Titelseite der Erstausgabe

Die Sünde des Abbé Mouret (franz. La Faute de l'Abbé Mouret) ist ein 1875 erschienener Roman von Émile Zola.[1] Er bildet den 5. Teil des Rougon-Macquart-Zyklus. Die Handlung spielt im fiktiven kleinen Provinzstädtchen Artauds. Im Mittelpunkt steht Serge Mouret, der dem Leser bereits aus Die Eroberung von Plassans bekannt ist. Ungewöhnlich für Zolas Romane ist, dass hier nur wenige Charaktere und Orte beschrieben werden und dass reale Beobachtungen und phantastische Erscheinungen ineinander fließen.

Der Roman wurde 1970 von Georges Franju verfilmt.

Handlung[Bearbeiten]

Der neurotische junge Priester Serge Mouret hat eine Pfarrstelle in dem kleinen Städtchen Artauds angetreten. Die Einwohner Artauds sind religiös desinteressiert und durch Inzest erblich geschädigt. Nach einer schweren nervlichen Erkrankung verliert Serge sein Gedächtnis. Auf dem Landgut Le Paradou wird er von Albine, der Tochter des Eigentümers des Guts, gepflegt. Seine medizinische Versorgung übernimmt Doktor Pascal. Die offenbar in der Familie Mouret vererbte Nervenkrankheit wird von Doktor Pascal erforscht und in mehreren Büchern des Zyklus thematisiert. In dessen letztem Roman übernimmt Doktor Pascal die Hauptrolle und präsentiert dort schließlich das Ergebnis seiner Forschungen.[1] Serge kommt langsam wieder zu Kräften. Gemeinsam mit Albine durchstreift er den weitläufigen Garten von Le Paradou, in dem viele schöne und seltene Pflanzen wachsen. Zunächst verbindet ihn eine kindliche Zuneigung zu Albine, aus der allmählich eine geschlechtliche Liebe wird. Er verspricht Albine Treue. Ihr monatelanges Zusammenleben weist Parallelen zum biblischen Sündenfall auf. Als Serge aus der Ferne den Glockenschlag seiner Kirche hört, kehrt seine Erinnerung zurück. Er verlässt das Mädchen und nimmt sein Amt als Pfarrer wieder auf. Albine, die ein Kind von ihm erwartet, sucht eine Aussprache mit Serge, bei der er sich hinter seinen religiösen Verpflichtungen versteckt und alle Verantwortung von sich weist. Als der Versuch, ihn wiederzugewinnen, gescheitert ist, nimmt sich Albine das Leben, indem sie ein Zimmer mit stark duftenden Pflanzen anfüllt und darin einschläft. Serge zelebriert die Beerdigung Albines, ohne eine Regung des Bedauerns zu zeigen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Sabine Küster: Medizin im Roman. Untersuchungen zu „Les Rougon Macquart“ von Emile Zola. 1. Auflage. Cuvillier Verlag, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8672-7793-8, S. 153 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).