Die Schneekönigin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Die Schneekönigin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Snow Queen by Elena Ringo.jpg

Die Schneekönigin (der dänische Titel lautet: Sneedronningen) ist ein Kunstmärchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, eines seiner längsten und ausgefeiltesten, aber auch kompliziertesten und vielschichtigsten. Es handelt von einem kleinen Mädchen, das seinen von der Schneekönigin entführten Spielgefährten sucht. Wie viele andere Märchen Andersens thematisiert auch dieses das kleine Glück der einfachen, guten Leute und ist humorvoll und ironisch. Die Suche des Mädchens spielt sich in traumartigen Szenerien ab.

Handlung[Bearbeiten]

Briefmarkenkleinbogen aus der DDR 1972

Vor langer, langer Zeit erschuf ein Teufel einen Spiegel, der alles Schöne und Gute verzerrte und hässlich aussehen ließ. „Die schönste Landschaft sah wie gekochter Spinat aus.“ Das Böse trat darin gut hervor. Eines Tages jedoch fiel der Spiegel dem Teufel aus den Händen und zersprang in viele tausend Stücke, große und kleine, die, je nach Verwendung durch die Menschen, viel Ärger und Verwirrung stifteten. Trafen sie einen im Herzen, so wurde es so kalt wie Eis und trafen sie einen in die Augen, so sah er alles um sich herum nur noch hässlich und böse. So verteilten sich die Splitter des Zauberspiegels über die ganze Welt.

Für die Nachbarskinder Kay und Gerda gibt es im Sommer nichts Schöneres, als unter dem Rosenbusch eines Pflanzkastens, der auf der überaus großen gemeinsamen Dachrinne zweier städtischer Häuser steht, zu spielen und zu träumen. Da wird die Waise Kay von Splittern des Zauberspiegels getroffen: Ein Splitter trifft sein Herz, das sich in einen Eisklumpen verwandelt. Ein anderer Splitter gerät ihm ins Auge und er findet das Schöne nur noch hässlich. Nicht nur, dass er sogleich die Rosen abreißt, die er wurmig findet, er verspottet Gerda, ist rüpelhaft gegen alle, die es gut mit ihm meinen, und schließt sich bösen Buben an.

Im Winter ist es der größte Spaß der Jungen, ihre Schlitten an vorbeifahrende Kutschen anzuhängen. Als die prächtige Kutsche mit der weiß bepelzten schönen Schneekönigin vorbeifährt, hängt Kay sich an und wird entführt. Die Königin zieht ihn zu sich in die Kutsche. Die Kälte ihres Kusses tötet ihn beinahe, aber er spürt es nicht. Er verfällt ihrer kalten Schönheit und plappert stolz, „dass er sogar Kopfrechnen mit Brüchen“ könne. Nun lebt er in einem kalten Traum in ihrem Palast.

Als er im Frühling immer noch nicht zurück ist, beschließt Gerda, ihn zu suchen. In einem Boot treibt sie stundenlang einen großen Fluss abwärts, bis sie bei einer guten Zauberfee landet, einer alten Frau, die in einem Häuschen inmitten prächtiger Sommerblumen wohnt. Sie ist einsam und macht Gerda ihr Vorhaben vergessen, so dass diese viele Monate glücklich in dem Garten verbringt. Als sie sich wieder erinnert und aus dem ewigen Sommergarten flieht, ist es schon Spätherbst.

Im Laufe ihrer Suche kommt sie in ein königliches Schloss. Prinz und Prinzessin, die von ihrer Geschichte gerührt sind, versehen sie mit Winterkleidern, darunter einem Muff, und stellen ihr für die Weiterreise eine goldene Kutsche mit Bediensteten zur Verfügung.

In einem Wald wird die Kutsche von Räubern überfallen, und alle Bediensteten werden ermordet. Die Räubermutter jedoch hat eine recht wilde Tochter, die von Gerdas Kleidern und auch ihrer natürlichen Anmut fasziniert ist und Gerda unter ihre Obhut nimmt, nicht ohne sie mit ihrem langen Messer zu kitzeln. Auch sie lässt sich durch Gerdas Geschichte erweichen. Sie schenkt Gerda ihr Lieblingsrentier, das recht froh ist, den Messerspielchen entronnen zu sein, und lässt sie weiterziehen.

Mit der Hilfe weiser Frauen, einer Lappin, danach einer Finnin, findet Gerda schließlich das Schloss der Schneekönigin, eine Ansammlung hunderter leerer kalter Eissäle, alle von kaltem Nordlicht erhellt. Im größten, der mehrere Meilen lang ist, ist der Thron der Königin. Hier schleppt Kay, fast schwarz gefroren vor Kälte, die er wegen seines Eisklumpens im Herzen und des Kusses der Königin nicht spürt, Eisplatten herum und versucht vergeblich, das Wort „Ewigkeit“ zu legen. Die Königin hat versprochen, dass dieses Wort seine Freiheit ermöglicht. Er weiß aber nicht, wie er es schaffen soll, denn der Splitter im Auge verhindert es. So legt er denn ständig wie in einem bösen Traum rätselhafte Muster.

So findet ihn Gerda vor. Kay erkennt sie nicht einmal. Gerda weint um ihn und die Tränen lassen sein Eisherz schmelzen und die Splitter verschwinden. Von selbst erscheint das Wort „Ewigkeit“ und die beiden können davonziehen. Als sie schließlich zu Hause ankommen, sind sie erwachsen geworden.

Erste Illustration von Vilhelm Pedersen

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Zu diesem Märchen sind neben zahlreichen Verfilmungen – u. a. Die Schneekönigin (UdSSR, 1967) – und Theaterinszenierungen auch ein Musical, Kinderopern und eine Hörspiel-CD erschienen. Am 28. April 2006 hatte im Freiburger Konzerthaus zudem die romantische Vertonung von Wolfgang Roese für großen Chor, Symphonieorchester und Sprecherin mit über 200 Mitwirkenden Weltpremiere. Außerdem existiert eine Dramatisierung des Schauspielers und Regisseurs Wolfram Mehring, die er mehrmals selbst inszeniert hat. Der estnische Regisseur Marko Raat hat 2010 eine neue Verfilmung, Lumekuninganna, herausgebracht, in der die Schneekönigin als todkranke Frau auftritt.

1980 veröffentlichte Joan D. Vinge ihren Science-Fiction Roman Snow Queen, dessen Inhalt lose auf dem Märchen basiert.[1]

In stark abgewandelter Form verwendete der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom das Märchen als Bestandteil seines Romans In den niederländischen Bergen (1984). Er ist aus der Perspektive eines spanischen Straßenbauinspektors erzählt, der in seiner Freizeit Bücher schreibt und eine veränderte Fassung des Märchens zu Papier bringt. Diese spielt in moderner Zeit und in einer utopischen Variante der Niederlande, die sich bis weit in den Süden erstreckt. Ähnlich wie das zugrunde liegende Kunstmärchen reflektiert Nootebooms Roman Glück und Schönheit, zugleich jedoch auch den Prozess des Schreibens und die Unterschiede literarischer Gattungen. Dem Buch ist als Motto ein Zitat Andersens vorangestellt und es enthält eine Szene, in der der Erzähler mit Andersen über das Ende seines Werks diskutiert.

Die erste Kinderoper „Die Schneekönigin“ schrieb die deutsche Komponistin Esther Hilsberg im Jahre 2002/2003, sie wurde am 6. September 2003 beim Festival „Hohenloher Kultursommer“ uraufgeführt. In der Folge erlebte diese Kinderoper über 30 Aufführungen am Theater Halberstadt sowie über 50 Vorstellungen an der Kammeroper Köln. Im Januar 2012 wurde sie am Festspielhaus Baden-Baden aufgeführt

In Zusammenarbeit mit der holländischen Autorin Sophie Kassies formte der Komponist Daan Manneke den Stoff 2003 zu einer Kinderoper um, deren deutsche Erstaufführung 2010 in Hannover stattfand.[2]

Pierangelo Valtinoni schuf eine weitere Kinderoper, die 2010 in Berlin uraufgeführt wurde.[3][4]

Das Lied Schneekönigin (2005) von Subway to Sally thematisiert das Märchen am Rande. Durch dieses Märchen inspiriert ist das Lied Königin aus Eis (2008) von Alexander Veljanov.

Der Erfurter Komponist und Produzent Leo Sandner (alias Jens Stümpfl), Schüler von Wolf-Günter Leidel (Weimar), schrieb Musik und Libretto zu einem Musical „Die Schneekönigin“.

2009 wurde die Schneekönigin als Winter-Musical im Berliner Friedrichstadtpalast aufgeführt. Premiere war am 15. November.

In der Saison 2010/2011 führte die musicalbühne in Nürnberg eine eigene Musical-Version auf, die Premiere war am 3. November 2010.[5]

Im November/Dezember 2010 lief eine Theaterinszenierung im Wiesbadener Staatstheater; mit eigenen Kompositionen wurde das Stück speziell für Kinder auf die Bühne gebracht.[6]

Im Dezember 2011 hatte die Produktion „Die Schneekönigin“ im Kinder-Buch-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels im Münchner Marstalltheater Premiere[7]

Am 5. Februar 2012 fand die Uraufführung von Die Schneekönigin - Das Musical im Tivoli Freiberg statt. Die Produktion, ein Musical für die ganze Familie mit eigens komponierten Songs von Laura Niepold und Sebastian Dierkes, tourt seither durch Deutschland und begeisterte bis März 2013 bereits ca. 25.000 Zuschauer.[8]

Seit 1957 steht "Die Schneekönigin" in jedem Jahrzehnt einmal auf dem Spielplan des Theater an der Parkaue in Berlin. Im Oktober 2013 fand die Premiere der Inszenierung von Susanne Sachsse statt.[9]

2013 erschien Frozen (dt. Die Eiskönigin - Völlig unverfroren), ein von Disney computeranimierter Trickfilm, der lose auf Andersens Erzählung basiert.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joan D. Vinge: The Snow Queen (deutsch: Die Schneekönigin. Heyne, 1983, ISBN 3-453-30880-8).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStaatsoper Hannover: JUNGE OPER. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  3. Die Schneekönigin. Zum Stück.. Spielplantext der Hamburgischen Staatsoper vom 19. Februar 2011. Online auf hamburgische-staatsoper.de.
  4. Programmheft des Dresdner Jugendsinfonieorchesters März 2013 zu mehreren Aufführungen Februar/März in der Loge Dresden
  5. Webpräsenz der Musicalbühne. Abgerufen am 9. November 2010.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDie Schneekönigin. Hessisches Staatstheater Wiesbaden, abgerufen am 27. November 2010.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebpräsenz der Produktion. Abgerufen am 10. Dezember 2010.
  8. Die Schneekönigin - Das Musical. Website der Musicalproduktion. Online auf schneekoenigin-musical.de, Zugriff am 28. Juni 2013.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTheater an der Parkaue, Die Schneekönigin. Abgerufen am 12. August 2013.
  10. http://en.wikipedia.org/wiki/Frozen_%282013_film%29

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Schneekönigin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien