Die Sieben Schwaben

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Deckblatt der "Geschichte von den Sieben Schwaben", Kupferstich (1856)
„Schlachtordung“ der Schwaben
Darstellung der Sieben Schwaben durch die Trommgesellenzunft Munderkingen, Fastnacht 2006
Ludwig Aurbachers Geburtshaus

Die Sieben Schwaben sind ein Erzählstoff, in dem es um die Abenteuer von sieben als tölpelhaft dargestellten Schwaben geht. Die sieben Protagonisten stehen dabei stellvertretend für sieben Charaktertypen. Als Höhepunkt des Dummenschwanks steht der Kampf mit einem Untier, das sich als Hase herausstellt (internationaler Erzähltyp AaTh oder ATU 1231). In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm steht der Schwank ab der Zweitauflage von 1819 an Stelle 119 (KHM 119; ATU 1321C, 1231, 1297*) nach einer Version aus Hans Wilhelm Kirchhofs Wendunmuth (Von neun Schwaben ein histori) und einer von Johannes Bolte (Zwei Flugblätter von den sieben Schwaben, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 4, 1894). In Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch steht Das Märchen von den sieben Schwaben 1845 als Nr. 3, 1857 als Nr. 2.

Stoffgeschichte[Bearbeiten]

Die älteste vollständige Version bietet 1545 ein Meisterlied von Hans Sachs (1494–1576) – allerdings mit den Neun Schwaben. Eine der von Johannes Agricola († 1566) gesammelten Redensarten lautet: Der fürchtet sich für ihm selbs. Hierzu schrieb Eucharius Eyring († 1597) eine gereimte Erklärung, in der die Sieben Schwaben auftreten (erschienen in den drei Bänden der Proverbiorum Copia, Eisleben 1601–1604):

„Im Mertzn reisten eins siben Man,
Die nur ein Schweinsspieß theten han,
In welcher Zeit die Hasen blind
Uber das Feld lauffen geschwind,
Von Schwaben Ragen Ohrlin genant.
Als diese zogen uber Land,
Lieff in ein Hase ohngesehr
Uber das quere Feld doher,
Die solchs für gspenst zu halten pflegen,
Wann eim ein Has erst thut begegnen
Gar bald sprach, der den Spieß thet han,
Da trettet all an Schafft hinan,
Reckten den Spieß dem Hasen dar,
Forchten, er würd sie fressen gar.
Und als sie stunden an dem Spieß,
Der hinter was kün, sich verließ,
Er müst die sechs vor alle fressen,
Ehe dann er im auch gleich thet messen,
Und sprach den Hasen tapffer an,
Gangk ran, Ragen Ohrlin, gangk ran,
Welchs den fordren verdriessen thett,
Der sich rumb wand und zu im red,
Ja stündestu he forn als ech,
Du würdest nichten also sprech, Gangk ran, Ragen Ohrlin, gangk ran.
Ich must gleichwol zum ersten dran,
Und wann er mich dann brecht umbs leben,
So würd ir all die flucht thun geben.
Und bey mir stehn, wann ich bezwungen,
Gleich wie der Has bey seinen jungen,
Vor dem wir uns doch hie mit spot
Allesampt forchten wolln zu todt.“

Der frühneuzeitliche Spott über die Schwaben griff die in gedruckten Schwankbüchern verbreitete Geschichte gern auf. Gedruckte illustrierte Flugblätter des 17. Jahrhunderts zitierten den schwäbischen Dialekt. Eine eigene Dialektdichtung widmete Sebastian Sailer dem Thema, Vorläufer einer ganzen Reihe volkstümlicher Theaterstücke über den Stoff.

Besonders populär wurden die Sieben Schwaben durch das vielfach nachgedruckte Volksbüchlein von Ludwig Aurbacher, in der literarische Schwankstoffe der frühen Neuzeit zu einer Episodenreihe verarbeitet wurden. Einige Episoden sind von Aurbacher mit regionalem Bezug zu seiner Heimat versehen worden, von ihm erhalten die Sieben Schwaben im 2. Band des Volksbüchleins von 1829 auch ihre Namen (die Namen sind an seinem Geburtshaus verewigt):

Allgäuer, Seehas, Nestelschwaub, Blitzschwaub, Spiegelschwaub, Gelbfüssler und Knöpfleschwaub.

Auch wenn einige von ihnen eine landsmannschaftliche Zuordnung erfahren, stehen sie dabei eher stellvertretend für die Eigenschaften, die man den Bewohnern der jeweiligen Regionen zuschreibt.

Angelehnte Literatur[Bearbeiten]

Die Geschichte begegnet dem Leser auch in den Märchensammlungen der Brüder Grimm und Ludwig Bechsteins. Dort tragen die Sieben Schwaben die Namen Herr Schulz, Jackli, Marli, Jergli, Michal, Hans und Veitli. Vgl. Das Märchen von den sieben Schwaben in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch.

Unübersehbar sind die literarischen und außerliterarischen Rezeptionszeugnisse des im Wesentlichen von Aurbacher geformten Stoffs. Es gibt unzählige Ausgaben und Bearbeitungen der Geschichte, daneben auch Bücher, die sich an die Popularität des Themas anlehnen. So publizierte Theodor Heuss eine literarische Anthologie von sieben modernen Autoren unter diesem Titel.

1887 schuf Karl Millöcker eine Operette Die sieben Schwaben.

1992 setzte Rolf Gozell den Stoff in dem Kinderhörspiel Hans Eierkuchen um.

Die sieben Schwaben: Siegfried Stadler liefert ironisch eine marxistische Deutung.[1]

Das Wohnhaus, in dem Joseph Haydn die Österreichische Kaiserhymnen komponierte, hieß damals „Zu den sieben Schwaben“.

Kult um die Sieben Schwaben[Bearbeiten]

Im Sieben-Schwaben-Museum

Aurbachers Geburtsort Türkheim hat den Begriff der Sieben Schwaben geschützt. Das Heimatmuseum heißt Sieben-Schwaben-Museum, Aurbachers Geburtshaus wurde zum Siebenschwabenhaus. [2] Die Narrenzunft hat sich ebenfalls den Sieben Schwaben gewidmet. [3]

In Schwaben[Bearbeiten]

Bemerkenswert ist, dass ähnlich wie bei Ortsneckereien der ursprüngliche Spott über die Schwaben von diesen aufgenommen und positiv umbewertet wird. Aus den Spottfiguren wurden schwäbische Identifikationssymbole.[4]

  • Einige lokale Unternehmen haben die Sieben Schwaben in ihren Firmennamen integriert.
  • Von 1950 bis 1979 erschien die Zeitschrift der schwäbischen Heimatpflege in Kempten unter dem Titel Die sieben Schwaben.
  • Die Touristik-Arbeitsgemeinschaft der Städte Stuttgart, Esslingen, Fellbach, Ludwigsburg, Reutlingen, Sindelfingen und Tübingen gab sich in den 1980er Jahren den Namen 7 Schwaben.
  • In Augsburg wird ein Sieben-Schwaben-Preis in mehreren Sparten vergeben.
  • In Bolheim wird ein Teil des dortigen Landschaftsschutzgebietes nach einer Begebenheit der Sieben Schwaben offiziell als Hasenloch bezeichnet. Sieben in einer Reihe wachsende Bäume an einer ansonsten waldlosen Stelle erinnern noch heute an die angeblich dort erfolgte Begegnung der Schwaben mit dem Hasen.
  • Einer der Sieben Schwaben trägt bei Aurbacher den Übernamen Seehas. Dieser ist Namensgeber des Seehasenfestes in Friedrichshafen am Bodensee; auch ein Eisenbahnzug am Bodensee heißt Seehas.
  • Die Stuttgarter Ultimate-Frisbee-Mannschaft nennt sich 7 Schwaben.
  • Im Raum Ulm/Neu-Ulm gibt es die Sieben-Schwaben-Karnevalsvereinigung, die sich aus sieben Karnevalsvereinen zusammensetzt.
  • In Kornwestheim gibt es das Theater Die 7 Schwaben, das im eigenen Theater im Casino regelmäßig Vorstellungen aus dem Genre des amüsant unterhaltenden Volkstheaters gibt.

Bei vielen Festlichkeiten wird der Sieben-Schwaben-Stoff aufgegriffen und etwa als Festzugsgruppe beim Rutenfest Ravensburg, beim Fischertag in Memmingen oder bei Narrensprüngen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht „szenisch“ dargestellt.

Außerhalb von Schwaben[Bearbeiten]

  • Es gibt zahlreiche Gasthäuser mit dem Namen Zu den Sieben Schwaben oder einzelner Figuren wie Restaurant Blitzschwab – auch außerhalb von Schwaben, beispielsweise in Prag.
  • Gaststätten nennen Fleischgerichte Sieben Schwaben.
  • Im Dresdener Stadtteil Neugruna (heute Blasewitz) gibt es eine Sieben-Schwaben-Schule.
  • In Weißenbach am Lech führen die "Sieben Schwaben" den traditionellen Dorfumzug im Fasching an

Bildliche Darstellungen und Ausstellungen[Bearbeiten]

„Die 7 Schwaben“, Mitte 19.Jahrhundert, Privatbesitz

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Rölleke (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert. 2., verb. Auflage, Trier 2004. S. 122–131, 559–560. Wissenschaftlicher Verlag Trier; Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35; ISBN 3-88476-717-8.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Siegfried Stadler: Marx' Märchen. In: Die Horen. Bd. 1/52, Nr. 225, 2007, ISSN 0018-4942, S. 211-216.
  2. http://www.siebenschwabenhaus.de/
  3. http://www.sieben-schwaben.de/
  4. http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/abendschau-der-sueden/schwaben-ausstellung-spott-100.html
  5. http://www.schwaebisches-volkskundemuseum.de/index.php?id=164#c2171

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Sieben Schwaben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die Sieben Schwaben – Quellen und Volltexte