Die Straße in Flandern

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Die Straße in Flandern (frz. La Route des Flandres) ist ein Roman des französischen Literatur-Nobelpreisträgers Claude Simon aus dem Jahr 1960.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Der Kavallerist Georges gerät zusammen mit seinen Kameraden Blum, Wack und Iglésia in deutsche Gefangenschaft. In einem Lager an der Elbe sind Erdarbeiten und großer Hunger an der Tagesordnung.

Zuvor war die Schwadron von der Wehrmacht aufgerieben worden. Der Kommandeur Rittmeister de Reixach, ein Verwandter Georges', war gefallen.

Der Text lebt von Erinnerungen der Gefangenen an die Vorkriegszeit. Der ehemalige Jockei Iglésia hatte zum Beispiel Corinne - das ist die sehr junge Gattin de Reixachs - das Reiten gelehrt. Dabei war es nicht geblieben. Er hatte die fraulichste aller Frauen „umgelegt“[2]. Iglésia weiß noch, de Reixach war die Liaison nicht unbemerkt geblieben. Corinne hatte ihren Ehemann - einen Verlierer - zutiefst verachtet.

Georges' Fluchtversuch aus der Gefangenschaft schlägt fehl. Er wird eingesperrt und muss darauf Kohlen gabeln. Nur ungern erinnert sich Georges an die vergeblichen Versuche seines Vaters, einen Bücherwurm aus ihm zu machen.

Form[Bearbeiten]

In manchen Sätzen Claude Simons werden dringend erforderliche Interpunktionszeichen kurzerhand weggelassen.[3] Darüber sieht der Leser leicht hinweg, nicht aber über die von Burmeister[4] angesprochene Unordnung. Anstelle einer vorwärts schreitenden Handlung herrscht ein Hin- und Herspringen zwischen Erinnerungen vor.

Einordnung in das Werk des Autors[Bearbeiten]

Der Roman wurde von der Literaturwissenschaft entsprechend seiner Form dem nouveau roman zugerechnet.[5]

Interpretation[Bearbeiten]

Der Widersinn des Soldatseins wird wiederholt betont.[6] Der Erzähler verachtet die de Reixach. Seine Sympathie gilt der „arbeitenden Klasse“.[7]

Rezeption[Bearbeiten]

Burmeister[8] hat den Roman besprochen und gibt autobiographische Hintergrundinformationen. Im August 1939 eingezogen, habe der Autor im 31. Dragonerregiment unter Oberst Ray gedient. Das Regiment sei Mitte Mai 1940 in Frankreich an der belgischen Grenze von der Wehrmacht aufgerieben worden. Ein deutscher Heckenschütze habe den Oberst erschossen. Claude Simon sei im Oktober 1940 die Flucht aus der Gefangenschaft bei Mühlberg gelungen. Burmeister weist auf repetitive Symmetrien hin. Der tödliche Schuss aus dem Hinterhalt - wiederholt beschrieben - rahmt den Roman. Die Vernichtung des Reiterregiments - in der Romanmitte platziert - ist von einem Pferderennen in Friedenszeiten, das der Oberst - im Roman der Rittmeister de Reixach - verliert, flankiert.

Literatur[Bearbeiten]

Verwendete Ausgabe[Bearbeiten]

  • Die Straße in Flandern. Roman. Aus dem Französischen von Elmar Tophoven. Mit einem Nachwort von Brigitte Burmeister. Verlag Volk und Welt, Berlin 1980. 342 Seiten (Lizenzgeber der deutschen Übersetzung: R. Piper, München 1961), ohne ISBN

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Burmeister, S. 47 oben
  2. Verwendete Ausgabe, S. 144, 12. Z.v.o.
  3. siehe zum Beispiel verwendete Ausgabe, S. 324, 1. Z.v.u.
  4. Burmeister im Nachwort der verwendeten Ausgabe, S. 333
  5. Burmeister, S. 57 unten
  6. siehe zum Beispiel verwendete Ausgabe, S. 198-199
  7. Verwendete Ausgabe, S. 317
  8. Burmeister, S. 47-70