Die Wand (Film)

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Die Wand ist eine auf dem gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer basierende Literaturverfilmung aus dem Jahr 2012. Martina Gedeck spielt in dem österreichisch-deutschen Drama nach dem Drehbuch und unter der Regie von Julian Pölsler die Hauptrolle.

Handlung[Bearbeiten]

Zusammen mit einem befreundeten Paar begibt sich eine Frau auf eine einsame Jagdhütte in den österreichischen Bergen. Als dieses gegen Abend noch ins Dorf geht, legt sich die Frau schlafen und stellt am nächsten Morgen fest, dass das Paar nicht zurückgekehrt ist. Zusammen mit dem Hund Luchs macht sie sich auf die Suche und stößt dabei gegen eine unsichtbare Wand, die sie nicht durchbrechen kann und hinter der alles menschliche Leben wie eingefroren erscheint.

Isoliert von der Zivilisation ist die Frau aus der Stadt gezwungen, sich mit ihrer neuen Situation zu arrangieren. Sie wird zur Bäuerin und Jägerin. Eine Kuh und zwei[3] Katzen laufen ihr zu. Eine Katze wird von der Frau wegen seines weißen Fells "Perle" genannt. Die Kuh bekommt dann noch ein männliches Jungtier. Im Sommer zieht sie mit den Tieren auf die Alm. Im zweiten Sommer trifft sie dort auf einen Mann, der den jungen Stier und ihren Hund mit einer Axt tötet. Daraufhin erschießt sie ihn mit dem Jagdgewehr.

Im dritten Jahr schreibt die Frau, basierend auf ihren Notizen, auf den Rückseiten von Kalenderblättern und Geschäftsbriefen einen Bericht über ihre Zeit im Wald. Er endet, als alles Papier in der Hütte vollgeschrieben ist.

Hintergrund[Bearbeiten]

Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Bruno Wagner, Martina Gedeck, Julian Pölsler, Wasiliki Bleser und Rainer Kölmel (Österr. Filmpreis 2013)

Marlen Haushofers Roman galt aufgrund seiner metaphorische Ansätze lange Zeit als nicht verfilmbar.[4][5] Regisseur Julian Pölsler, der die Vorlage als sein „Lebensbuch“ bezeichnete, hatte Die Wand bereits in 1980er Jahre gelesen und immer wieder mit dem Gedanken einer Filmadaption gespielt.[5] Die Filmrechte hatten über die Jahre jedoch mehrfach den Produzenten gewechselt. Zuletzt lagen sie bei Klaus Maria Brandauer und seiner Frau Karin, nach deren Tode Pölsler die Rechte schließlich hatte erwerben können.[5] Sieben Jahre benötigte Pölsler anschließend, um die finale Drehbuchfassung fertigzustellen. Dabei orientierte er sich maßgeblich an Haushofers Roman, wobei er die Ich-Erzählsituation des Buches zu filmischen Zwecken um Streichungen veränderte, jedoch keine Ergänzungen vornahm.[5] Unterstützung erhielt er dabei durch den éQuinoxe Germany e.V. Screenwriters' Workshop, durch dessen Teilnahme Pölsler die US-amerikanischen Drehbuchautoren Janet und David Webb Peoples, Syd Field sowie den englischen Scriptwiter Martin Sherman kennenlernte, die ihn in seiner eigenen Vision der Leinwandumsetzung bestärkten.[5] Fields Empfehlung, dem Film ein typisches Hollywood-Ende anzufügen, schlug er jedoch aus.[5]

Gedreht wurde Die Wand an insgesamt 63 Drehtagen im oberösterreichischen Dachsteingebirge, unterteilt in einzelne Drehblöcke, zwischen Februar 2010 und Januar 2011.[6] Durch den langen Dreh erklärt sich auch die große Anzahl der Kameramänner.[7] Der bayerische Gebirgsschweißhund Luchs gehört Regisseur und Drehbuchautor Pölsler und wurde auch von diesem trainiert.[6] Der Film ist eine Produktion von coop99 Filmproduktion Wien und Starhaus Filmproduktion München und wurde in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, ARTE und in Zusammenarbeit mit dem ORF hergestellt.[6] Förderung erhielt das internationalte Projekt durch das Österreichischen Filminstitut (ÖFI), den Filmfonds Wien, Land OÖ Kultur, den FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), den DeutscheN Filmförderfonds (DFFF) und Eurimages, den Filmförderungsfonds des Europarates.[6]

Uraufführung von Die Wand war auf der Berlinale 2012, die Österreichpremiere fand am 2. Oktober 2012 statt, wenige Tage vor dem Kinostart im deutschsprachigen Raum.

Martina Gedeck synchronisierte sich selbst für die französischsprachige Ausgabe.

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

„Der österreichische Regisseur Julian Pölsler hat es nun trotzdem versucht und aus dem eigenwilligen Stoff einen eindringlichen Film modelliert, der trotz des ereignisarmen Plots seine innere Spannung von Anfang bis Ende hält. Man wird langsam aber unaufhaltsam hineingezogen in die Abgeschiedenheit dieser Welt, obwohl die Ich-Erzählerin aus dem Off in betont nüchternem Ton von ihrem Schicksal berichtet.“

zeit.de[8]

„Alle Versuche jedoch, herauszukriegen, was der Film uns sagen will, scheitern an seiner schieren Langweiligkeit. Selbst wenn Martina Gedeck eine größere Schauspielerin wäre, als sie eh schon ist, könnte sie in diese tote Allegorie kein Leben bringen.(...) Die Naturbilder sind recht schön, der Sternenhimmel, der Tau im Gras, die Krähen auf dem Baum, die rötliche Dämmerung. Aber man muss diese blauschattige Waldeinsamkeit schon sehr lieben, um nicht auf die Uhr zu gucken. Fast zwei Stunden in das melancholisch stumme Gesicht der Gedeck blicken zu müssen, hält der stärkste Mann nicht aus.“

zeit.de[9]

„Im lo-fi-Science-Fiction-Drama Die Wand eröffnet die Isolation der Protagonistin den Weg zum ozeanischen Gefühl. Nicht mehr an die Interaktion mit Menschen gewöhnt, löst sich ihr Individualismus nach und nach auf und verwandelt sich in ein kosmisches Einheitsempfinden, in ein „Wir“, das Spezies-Grenzen überwindet und die Frau mit ihren Tieren verbindet. Die Wand mag sie von ihren Mitmenschen getrennt haben – zugleich aber ist die Trennwand zwischen Mensch und Natur eingerissen. Aus dieser Dialektik erwächst auch die Zivilisationskritik der Erzählung.“

kino-zeit.de[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Wand gewann 2012 bei seiner Uraufführung auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin den Preis der Ökumenischen Jury in der Sektion Panorama. Hauptdarstellerin Martina Gedeck wurde für ihre Hauptrolle für verschiedene Filmpreise nominiert (2012: Bambi, 2013: Preis der deutschen Filmkritik, Romy, Viennale). 2013 folgte der Deutsche Filmpreis an Christian Bischoff, Uve Haußig und Johannes Konecny für die beste Tongestaltung sowie zwei weitere Nominierungen (Film und Hauptdarstellerin).

Anfang September 2013 wurde Die Wand durch eine vom Fachverband der Film- und Musikindustrie einberufene Jury als offizieller Kandidat der Austrian Film Commission für eine Oscar-Nominierung 2014 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt, erreichte die Ausscheidung aber nicht. [11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Wand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 22. März 2012, abgerufen am 11. Oktober 2014 (PDF, Prüf-Nr.: 132 078 K): „Freigegeben ab 12 (zwölf) Jahren“
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Arte Magazin Oktober 2014
  4. Die Wand. Schulmaterial. AustrianFilm.at, abgerufen am 15. Oktober 2014 (PDF; 2,7 MB).
  5. a b c d e f Presseheft DIE WAND. AustrianFilm.at, abgerufen am 10. Oktober 2014 (PDF, Subskriptionszugang).
  6. a b c d ORF-Premiere für Marlen Haushofers Bestsellerroman "Die Wand". ORF.at. 6. September 2014. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  7. Alexandra Seitz: Die Jetzt-Zeit-Frau. In: Ray Filmmagazin. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  8. Martin Schwickert: Gefangen in sich selbst. zeit.de, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  9. Ulrich Greiner: Zurück zur Natur. zeit.de, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  10. Martin Gobbin: Die Wand. kino-zeit.de, abgerufen am 1. November 2012.
  11. Die Presse: Österreich schickt „Die Wand“ ins Oscar-Rennen, 3. September 2013