Die bewohnte Insel

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Die bewohnte Insel (russisch Обитаемый остров) ist ein Science-Fiction-Roman von Arkadi und Boris Strugazki. Er erschien 1969 im Original in russischer Sprache und bildet den ersten Teil der dreiteiligen Maxim-Kammerer-Reihe.

Inhalt[Bearbeiten]

Der junge Maxim Kammerer ist Mitglied der Gruppe „Freie Suche“, die auf eigene Faust fremde Planeten erkundet. In der Fiktion dieses Romans ist der Mensch in der Lage, selbst größte Distanzen im Raum zu überwinden. Somit sind der Menschheit zahlreiche außerirdische Spezies bekannt. Beim Anflug auf einen fremden Planeten wird Maxims Raumgleiter schwer beschädigt, durch einen Meteoriten, vermutet Maxim; er muss notlanden. Zu seinem Glück trifft er auf der Oberfläche eine lebensfreundliche Umwelt an und verlässt sein beschädigtes Raumgefährt. Als er seine nähere Umgebung erkundet, zerstören Unbekannte seinen Raumgleiter: Maxim ist vom Kontakt zu seiner Heimatwelt abgeschnitten, wie Robinson auf seiner Insel. Allerdings ist seine Insel bewohnt. Maxim sucht Kontakt zu den Einheimischen des Planeten mit Namen „Sarraksch“ und wird von Bewaffneten festgenommen. Erste Versuche der Verständigung führen dazu, dass man ihn für einen Verrückten hält. Die Bewohner der Welt Sarraksch können infolge atmosphärischer Besonderheiten keinen Sternenhimmel sehen, wissen daher nichts vom Weltall und anderen Planeten. Nach und nach stellt Maxim fest, dass er in ein von Krieg und Terror zerstörtes Land geraten ist und er immer weiter in einen für ihn fremden Konflikt rutscht. Da er ohne Möglichkeit zur Flucht notgedrungen das Schicksal der Bewohner dieser fremden Welt teilen muss, entschließt er sich, aktiv etwas zu verändern. Maxim erkennt, dass er mit seinen Vorstellungen von Gerechtigkeit und menschlicher Moral brechen muss, will er etwas zum Guten wenden.

Stil[Bearbeiten]

Die Erzählperspektive im Buch wechselt zwischen Maxim und den Einwohnern des Sarraksch. Spannung wird vor allem darüber aufgebaut, dass Maxim seine Situation meist erst im Nachhinein richtig einschätzen kann und im Gegensatz zum Leser erst langsam eine Ahnung von den Gegebenheiten seiner neuen Umwelt bekommt. Die Nüchternheit und Objektivität des Erzählers versetzt den Leser in die Lage, moralische und ethische Werte auf die Ereignisse der Geschichte und ihre Akteure anzuwenden und das Handeln Maxims zu bewerten.

Die Welt des Romans[Bearbeiten]

Als erdähnlicher Planet stellt sich Sarraksch dem Leser vor, eine Welt mit mehreren Kontinenten und zahlreichen verfeindeten Staaten und Volksgruppen. Der Großteil der Handlung spielt in einem diktatorisch regierten Staat, der nicht nur im Krieg mit mehreren Nachbarstaaten, darunter dem „Inselimperium“ der „weißen Submariner“ steht, sondern auch eine Ausrottung genetisch veränderter Nachkommen der verstrahlten Atomkriegsopfer betreibt. Der Lebensalltag der Bewohner ist geprägt von Lasten und Gefahren aus vergangenen Kriegen sowie steter Armut und Entmündigung. Unter Kontrolle gehalten wird die Bevölkerung von einer anonymen Clique von Diktatoren, die die Bevölkerung mittels bewusstseinsverändernder Strahlung und brutaler Polizeigewalt kontrolliert und erbarmungslos gegen eine Minderheit vorgeht, die gegen die Strahlen immun ist.

Der Roman spielt in der „Welt des Mittags“, so wie die meisten Bücher der Strugazkis. An verschiedenen Stellen wird klar, dass Maxim Kammerer einer Erde entstammt, die nach kommunistischen Grundsätzen funktioniert. So isst er beispielsweise in einem Gasthaus ohne über funktionierende Zahlungsmittel zu verfügen und ist verwundert über den Ärger der Besitzer ob seiner Zechprellerei. Auch seine Moralvorstellungen, die er von Zeit zu Zeit äußert, legen den Schluss nahe, dass die Autoren die Erde als sozialistische Utopie darstellen. Der diktatorische Missstand auf dem Sarraksch bildet hierzu den krassen Gegenpol, hier existieren Verfeindung untereinander und besitzgesteuerter Eigensinn. Maxim erkennt erst am Schluss des Buches, dass es das Kontrollzentrum der Strahlentürme – von den Machthabern als „Raketenabwehrtürme“ gegen feindliche Angriffe verklärt – ist, welches die Bevölkerungsmehrheit daran hindert, ihre eigene Lage zu reflektieren und gegen die Diktatoren vorzugehen.

Zwei Fassungen[Bearbeiten]

Es existieren zwei deutsche Übersetzungen der "Bewohnten Insel" mit gleichem Titel. 1969 erschien die erste Übersetzung, die auf einem Zeitschriftenvorabdruck beruhte und um mehrere Kapitel gekürzt war. Erkennbar ist diese Fassung daran, dass hier Maxim Kammerer noch Maxim Rostislawski heißt (z.B. ist diese Übersetzung im Ullstein Taschenbuch Verlag 1982 erschienen.) Nach Meinung des Strugatzki-Kenners Erik Simon ist dies die wesentlich schwächere Fassung.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Der Roman erschien in deutscher Sprache erstmals 1972 in der Übersetzung von Hermann Buchner beim Marion von Schröder Verlag (BRD).
  • Die überarbeitete und vervollständigte Ausgabe von 1971 wurde von Erika Pietraß übersetzt und erschien erstmals 1982 im Verlag Das Neue Berlin (DDR).
  • Eine vollständige Version des Romanes (und der gesamten Trilogie) erschien 2010 als erster Band der Gesammelten Werke im Heyne Verlag, von Erik Simon überarbeitet und ergänzt, mit einem Vorwort von Dmitri Gluchowski und zahlreichen Anmerkungen. ISBN 978-3-453-52630-3
  • Parallel dazu erscheint eine in Leinen oder Leder gebundene Liebhaberausgabe derselben Edition in limitierter Auflage im Golkonda-Verlag. ISBN 978-3-942396-06-6

Verfilmung[Bearbeiten]

2008 erschien eine aufwändige zweiteilige Verfilmung des Romans unter der Regie von Fjodor Bondartschuk,[2] die sich eng an die literarische Vorlage hält. Die bewohnte Insel wurde mit 30 Millionen US-Dollar Kosten als bis dahin teuerster russischer Film produziert.[3] Außerhalb Russlands wird er unter dem Titel Dark Planet vertrieben. Es gibt eine sehr stark zusammengeschnittene 120-Minuten-Version (Dark Planet: Prisoners of Power)[4] und eine Ausgabe mit dem kompletten Film von 220 Minuten[5] (Dark Planet: The Inhabited Island + Rebellion).

Siehe auch[Bearbeiten]

Die Bücher aus der Maxim-Kammerer-Reihe:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erik Simon: Arkadi & Boris Strugatzki: Leben und Werk, in: Hannes Riffel(Hrsg.): Golkonda Gazette (PDF; 1,4 MB). Ausgabe 1, April 2010.
  2. Hannah Beitzer: Planet der Dunkelheit., Meldung in Moskauer Deutsche Zeitung vom 2. April 2009
  3. Manfred Quiring: Russlands teuerster Film, Meldung vom 2. Februar 2008 in Die Welt Online
  4. Prisoners of Power ist der Name der englischen Übersetzung des Romans Die bewohnte Insel.
  5. Übersicht zur internationalen Version

Weblinks[Bearbeiten]