Die eiserne Ferse

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The Iron Heel, Erstausgabe

Die eiserne Ferse (OT: The Iron Heel) ist ein dystopischer Roman von Jack London. Er erschien 1907 bei MacMillan in New York und 1908 bei Everett in London.[1] Er wurde u. a. von Erwin Magnus übersetzt. Der in einer nahen Zukunft spielende Science-Fiction-Roman beschreibt mehr die künftigen politischen und sozialen Änderungen als den technologischen Fortschritt.[1] London schrieb den Roman nach seinen Erfahrungen in der Socialist Party of America und dem Scheitern der russischen Revolution von 1905, in die er große Erwartungen gesetzt hatte.[2] Bei der Beschreibung der titelgebenden Oligarchie nimmt London hellsichtig spätere Strukturen des Faschismus vorweg, siedelt diese aber vor allem in den USA an.[3] Die eiserne Ferse stand im Mai 1933 auf Wolfgang Herrmanns Schwarzer Liste der verbotenen Bücher.[4]

Handlung[Bearbeiten]

Im 27. Jahrhundert wird in einer hohlen Eiche eine Handschrift von Avis Everhard, der Frau des Sozialistenführers Ernest[5] Everhard, gefunden. In ihr schreibt sie über ihre Beziehung zu Everhard und die gescheiterte proletarische Revolution in den Jahren von 1912 bis 1932.

Das Manuskript

Avis lernt Ernest während einer Diskussionsrunde im Haus ihres Vaters John Cunningham, eines bekannten Wissenschaftlers, kennen. Zuerst von seiner groben Art abgestoßen, verliebt sie sich mit der Zeit in ihn. Durch ihn erhält sie, die Tochter aus begütertem Hause, Einblicke in die ihr fremde Welt und die Nöte der Arbeiter San Franciscos. In Gesprächen und Vorträgen redet Everhard über die unversöhnlichen Gegensätze zwischen Arbeit und Kapital. Dabei hält er den Klassenkampf gegen die eiserne Ferse, die Trusts und Finanzoligarchen, die die Arbeiter unterdrücken und die USA beherrschen, und deren Untergang für unvermeidlich. Cunningham als Verfasser eines kritischen Buches muss die Universität verlassen und wird gesellschaftlich geächtet. In dieser Zeit heiraten Avis und Everhard. Ein drohender Krieg zwischen den USA und dem Deutschen Reich wird durch Generalstreik in beiden Ländern verhindert, der deutsche Kaiser in der Folge abgesetzt und Deutschland ein sozialistischer Staat. Nach den Erfahrungen mit dem Generalstreik schafft die Oligarchie Arbeiteraristokratien, um die Gewerkschaften zu spalten. Everhard wird für die Sozialistische Partei Amerikas in den Kongress gewählt, aber nach einem Bombenanschlag eines Agent Provocateur im Kapitol mit den anderen sozialistischen Abgeordneten verhaftet und zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Während seiner Zeit im Gefängnis nimmt die Unterdrückung weiter zu, Angehörige der Mittelklasse werden in den Bankrott getrieben, vereinzelte Streiks werden durch Streikbrecher und Miliztruppen schnell und blutig beendet, Farmer enteignet. Zwei Jahre nach seiner Verhaftung werden in einer landesweiten Aktion Everhard und 350 weitere Sozialisten aus den Gefängnissen befreit. Für das Frühjahr 1918 wird im Untergrund eine landesweite Revolte geplant, doch die Oligarchie kommt dem zuvor, indem sie in Chicago Unruhen provoziert und ein blutiges Exempel statuiert. Avis und Ernest Everhard können im letzten Moment aus der umkämpften Stadt entkommen. Nach Jahren im Untergrund wird für 1932 eine weitere Revolution geplant.

Das Manuskript bricht mitten im Satz ab.

Weitere Ereignisse

Ernest Everhard wird heimlich hingerichtet, Avis flüchtet nach Kalifornien, schreibt ihr Manuskript, kann es in der Eiche verstecken und wird vermutlich ebenfalls getötet. Die zweite Revolution von 1932 scheitert trotz Unterstützung aus den sozialistischen Staaten Frankreich, Deutschland und Australien. In der Folge herrschen auch dort wieder oligarchische Regime. In den USA werden die Wunderstädte Ardis und Asgard errichtet. Erst im 23 Jahrhundert kann die Herrschaft der Eisernen Ferse nach vielen Anläufen beendet werden und das Zeitalter der Menschenbrüderschaft beginnt.

Aufbau des Romans[Bearbeiten]

Die eiserne Ferse hat die Form einer historisch-kritischen Ausgabe des Everhard-Manuskripts mit einem Vorwort, das in manchen deutschen Ausgeben fehlt,[6] und 120 Anmerkungen. Teile der Handlung und die Schicksale einzelner Personen werden nur in den Anmerkungen dargestellt. Mit dem Kunstgriff der Anmerkungen, die für die imaginären Leser des 27. Jahrhunderts geschrieben sind und die diesen die Selbstverständlichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts erklären, vermittelt London dem tatsächlichen Leser seiner Zeit auch etwas von seiner Vorstellung des Zeitalters der Menschenbrüderschaft, z. B. ist die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel frei,[7] Diebstahl nur noch eine Jugendsünde[8] und Gewalttaten mit Blutvergießen unbekannt.[9]

Der dystopische Charakter des Romans wird durch die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft nach 300 Jahren der Unterdrückung durch die eiserne Ferse abgemildert und in Richtung positiver Utopie gelenkt.[10]

deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • Die eiserne Ferse. Ein sozialer Roman, übersetzt von Fritz Born. See-Verlag, Konstanz 1922 (deutsche Erstausgabe)
  • Die eiserne Ferse, übersetzt von Erwin Magnus, Einführung von Anatole France, Vorwort von Anthony Meredith. Büchergilde Gutenberg, Berlin 1927 (genannt einzig berechtigte Übersetzung)
  • Die eiserne Ferse. Roman, Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter in der UdSSR, Moskau 1935
  • Die eiserne Ferse, übersetzt von Eduard Thorsch. Büchergilde Gutenberg, Zürich 1948
  • Die eiserne Ferse, übersetzt von Christine Hoeppener, mit Illustrationen von Horst Bartsch, Nachwort von Horst Ihde. Verlag Neues Leben, Berlin (Ost) 1972 (Ausgabe in der DDR, 1973 nachgedruckt im Weismann Verlag, München; 1984 bei Ullstein)
  • Die Scharlachpest. Die eiserne Ferse. Zwei Romane in einem Band, übersetzt von Erwin Magnus. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/M., 1977. ISBN 3-7632-2114-X
  • Die eiserne Ferse, mit einer Einführung von Anatole France, Wilhelm Heyne Verlag, München 1978. ISBN 3-453-00922-3 (Taschenbuchausgabe)
  • Die eiserne Ferse. Roman, übersetzt von Christine Hoeppener. Ullstein Verlag Frankfurt/M., Berlin, Wien 1984. ISBN 3-548-20454-6 (im Rahmen der Ozeanischen Bibliothek 1984 herausgegeben und mit einem Nachwort von Herbert W. Franke)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Seitenzahlen und Nummern der Anmerkungen beziehen sich auf: Jack London Die eiserne Ferse (Nachwort von Herbert W. Franke) Ullstein, Frankfurt/M; Berlin; Wien, 1984, ISBN 3-548-20454-6

  1. a b Everett F. Bleiler Science-fiction, the early years, The Kent Stat University Press, 1990, ISBN 0-87338-416-4
  2. Herbert W. Franke im Nachwort zu Die eiserne Ferse S.238
  3. Susanne Rohr Jack London. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur-Lexikon. Band 10: Leo – Mar. 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, S. 270f.
  4. Verbannte Bücher: Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften
  5. In manchen dt. Übersetzungen auch Ernst
  6. Die eiserne Ferse S. 230 (Nachwort)
  7. Die eiserne Ferse S. 204, Nr 17
  8. Die eiserne Ferse S. 206, Nr 25
  9. Die eiserne Ferse S. 220, Nr 90
  10. Die eiserne Ferse S. 230,(Nachwort)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Volltext – Quellen und Volltexte (englisch)