Die freudlose Gasse

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Filmdaten
Originaltitel Die freudlose Gasse
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1925
Länge 148 Minuten
Stab
Regie Georg Wilhelm Pabst
Drehbuch Willy Haas
Produktion Michail Salkind, Romain Pinès, Sofar-Film-Produktion GmbH
Musik Max Deutsch[1]
Kamera Guido Seeber, Curt Oertel, Walter Robert Lach
Schnitt Mark Sorkin
Besetzung

Die freudlose Gasse ist ein Stummfilm des Regisseurs Georg Wilhelm Pabst, gedreht im Jahr 1925 in Deutschland. Es ist die bekannteste Verfilmung eines Werkes von Hugo Bettauer und zudem einer der ersten Filme, die der Strömung der Neuen Sachlichkeit zugerechnet werden.

Handlung[Bearbeiten]

In der von Armut geprägten Melchiorgasse im Wien des Jahres 1921 gibt es neben verarmten Bürgern und Lumpenproletariat nur zwei wohlhabende Menschen: Den Fleischer Josef Geiringer (Werner Krauß) und Frau Greifer (Valeska Gert), die einen Modesalon mit angeschlossenem Nachtklub betreibt. In diesen Nachtklub zieht es die wohlhabenden Bürger Wiens. An den Nachtklub angegliedert ist das Stundenhotel „Merkl“, in dem u.a. Frauen ihren bei Frau Greifer aufgenommenen Kredit mit sexuellen Dienstleistungen abbezahlen.

Während sich die einen durch einen Aktienbetrug bereichern, fallen andere dadurch in die Armut. Derweil geschieht ein Mord an der reichen Frau Lia Leid. Am Schluss stellt sich heraus, dass diese Tat aus Eifersucht verübt wurde von der zum Straßenmädchen „Mizzi“ herabgesunkenen Marie (Asta Nielsen).

Am Ende des Films tötet Else aus Verzweiflung den Fleischer, da dieser ihr kein Fleisch geben will, und die armen Einwohner der Straße wenden sich gegen die Reichen, nachdem sie Geräusche aus dem Nachtklub hören, und beginnen, mit Steinen zu werfen. Dabei entzündet sich das Gebäude, Else und ihr arbeitsloser Mann sterben in den Flammen, können aber noch das Kind durchs Fenster in die Hände der Frauen draußen reichen und so retten. So wird es zum „Kind der Melchiorgasse“. Hoffnung, aus dieser Gasse jemals herauszukommen, besteht am Ende nur für Grete Rumfort (Greta Garbo), die von einem amerikanischen Rot-Kreuz-Offizier Aussicht auf ein besseres Leben erhält.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Die freudlose Gasse wendet sich von expressionistischer Metaphorik ab und der von Inflation gezeichneten Nachkriegsrealität zu. Die Handlung des Films Die freudlose Gasse verläuft in mehreren parallelen Ebenen, die miteinander verwoben sind und am Ende miteinander verschmelzen. Die Bauten stammen von Hans Sohnle und Otto Erdmann. Der Film begründete Georg Wilhelm Pabsts Renommee als führender Regisseur des deutschen Filmrealismus. Die noch heute starke Wirkung des Films beruht nicht zuletzt darauf, dass hier die Handlung getragen wird von den drei genialen Darstellerinnen Asta Nielsen, Greta Garbo und Valeska Gert. Übrigens der einzige Film, in dem Asta Nielsen und Greta Garbo gemeinsam auftreten.

Trotz eines Happy-Ends, das entgegen der literarischen Vorlage als Zugeständnis an die Produzenten und das Publikum gedreht wurde, wurde der Film in vielen Ländern zensiert und gekürzt. Die Fassung, die bei der Uraufführung am 18. Mai 1925 in Berlin gezeigt wurde, hatte noch eine Länge von 3738 m. In der Nacht vor der Uraufführung hatte Pabst mit seinem Cutter Mark Sorkin noch „einige wichtige Szenen“ entfernt, die der Kinobesitzer bemängelt hatte.

Durch die erste Zensur am 25. Mai 1925 fielen mit etwa 3,5 bis 4 Metern nur relativ wenige Bilder weg (etwa 7,5 Sekunden, ausgehend von 25 Bildern/Sekunde). Auf Antrag hin wurde im darauffolgenden Jahr eine weitere Prüfung durchgeführt, nach der nur noch 3477 Meter übrig blieben. Es gab in der Folge sehr viele unterschiedliche Fassungen des Films, die sich nicht nur in ihrer Länge, sondern auch in ihrer Szenenabfolge unterschieden. In England wurde der Film überhaupt verboten.

In Deutschland wurden mehrere Versuche unternommen, den Film zu rekonstruieren, mit dem Ziel, möglichst nah an die Urfassung, also die der Erstaufführung, heranzukommen. Der erste Versuch geht auf Enno Patalas zurück, der im Jahr 1989 im Münchener Filmmuseum aus drei erhaltenen Kopien des Films eine Fassung zusammengeschnitten hat, die sich eng am Drehbuch Mark Sorkins orientierte.

Von 1995 bis 1997 erfolgte dann unter Federführung Jan-Christopher Horaks die zweite Rekonstruktion im Münchener Filmmuseum, bei der alle bekannten Negativfilme verwendet wurden sowie sämtliches verfügbares Material, aus denen sich Hinweise über die richtige Reihenfolge der Szenen und der Zwischentitel ergaben. Die entstandene Rekonstruktion des Films hat eine Länge von etwa 3000 Metern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Bettauer: Die freudlose Gasse. Ein Wiener Roman aus unseren Tagen (= Ullstein-Buch 37147 Ullstein-Werkausgaben). Mit einem Nachwort von Murray G. Hall. Ungekürzte Ausgabe. Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-548-37147-7.
  • Jan-Christopher Horak: Der Fall Die Freudlose Gasse. Eine Rekonstruktion im Münchner Filmmuseum. In: Ursula von Keitz (Hrsg.): Früher Film und späte Folgen. Restaurierung, Rekonstruktion und Neupräsentation historischer Kinematographie (= Schriften der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesellschaft. Bd. 6). Schüren, Marburg 1998, ISBN 3-89472-305-X, S. 48–65.
  • Ursula von Keitz: Vorwort. In: Ursula von Keitz (Hrsg.): Früher Film und späte Folgen. Restaurierung, Rekonstruktion und Neupräsentation historischer Kinematographie (= Schriften der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesellschaft. Bd. 6). Schüren, Marburg 1998, ISBN 3-89472-305-X, S. 7–10.
  • Gerald Koll: Pandoras Schätze. Erotikkonzeptionen in den Stummfilmen von G. W. Pabst (= Diskurs Film. Bibliothek. Bd. 14). Diskurs-Film-Verlag Schaudig & Ledig, München 1998, ISBN 3-926372-64-8 (Zugleich: Kiel, Universität, Dissertation, 1996).
  • Christiane Mückenberger: Die freudlose Gasse. In Günther Dahlke, Günter Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. 2. Auflage. Henschel-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-89487-009-5, S. 115 ff.
  • Michael Pabst: Die freudlose Gasse. In: Wolfgang Jacobsen (Hrsg.): G. W. Pabst. Argon, Berlin 1997, ISBN 3-87024-365-1, S. 137–150.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Originalpartitur ging in Madrid, wo Max Deutsch ab 1934 lehrte, beim Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs verloren (siehe Primavera Driessen Gruber: Traveltalks in Music. Von Mahlers Liedern eines Fahrenden Gesellen zu Eislers Hollywooder Liederbuch und darüber hinaus. In: Johannes F. Evelein (Hrsg.): Exiles Traveling. Exploring Displacement, crossing Boundaries in German Exile Arts and Writings 1933–1945 (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Bd 68). Rodopi, Amsterdam u. a. 2009, ISBN 978-90-420-2540-0, S. 239–264, hier S. 254).

Weblinks[Bearbeiten]