Die geheime Geschichte

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Die geheime Geschichte (Original-Titel: "The Secret History") ist der Debüt-Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna Tartt. Das Buch erschien erstmals 1992 im Verlag Alfred A. Knopf und wurde zum Bestseller. Mittlerweile wurde es in 24 Sprachen übersetzt.

Inhalt[Bearbeiten]

Richard Papen, ein 20-jähriger Altgriechisch-Student aus einer Kleinstadt in Kalifornien, bewirbt sich am (fiktiven) Hampden College in Vermont. Er wird Schüler von Professor Julian Morrow, dessen Griechisch-Klasse, isoliert vom restlichen Leben an der Universität, aus nur insgesamt sechs Studenten besteht: dem belesenen Musterschüler Henry, dem Bohemien Francis, Edmund, genannt Bunny, sowie den Zwillingen Charles und Camilla. Richard freundet sich mit ihnen an und verbringt schon bald seine gesamte Freizeit mit ihnen, die immer wieder von Trinkgelagen im Haus des reichen Francis beansprucht wird.

Nach einiger Zeit fällt Richard auf, dass seine neuen Freunde ein Geheimnis zu haben scheinen. Bunny, der einen hedonistischen Lebenswandel pflegt, zieht den Ärger der Gruppe auf sich, weil er immer wieder versteckte Andeutungen über einen Farmer macht, der während des Semesters tot in einem Tal in Vermont aufgefunden wurde. Richard findet heraus, dass Henry, Francis und die Zwillinge Tickets nach Argentinien gebucht haben, sie die Reise aber nicht angetreten haben. Er stellt Francis und Henry zur Rede und errät intuitiv, was ihr Geheimnis ist: "And the horrible thing was, somehow, that I did know. 'You killed somebody,' I said, 'didn't you?'" (Tartt, Donna: "The secret history", Penguin Books, 1993, Seite 191).

Charles, Camilla und Francis haben unter der Leitung von Henry ein Bacchanal gewagt, um noch tiefer in die Materie des Griechisch-Unterrichts einzutauchen. Bunny zeigte bei den Vorbereitungen des Experimentes nur wenig Disziplin und war deswegen auch nicht in der Nacht dabei, als die Freunde im Rausch einen Farmer töten. Aufgrund eines Zeitungsberichtes über den Mord reimt Bunny sich zusammen, was passiert ist, und macht sich einen Spaß daraus, seine Freunde mit seinem Halbwissen über den Vorfall zu erschrecken.

Einer griechischen Tragödie gleich nimmt nun die Handlung unausweichlich ihren Lauf. Bunny wird immer mehr zur Gefahr für die Freunde, auch Richard ist nun gefährdet, da er als Mitwisser die Tat nicht anzeigt. Bunny, ein vormals entspannter und warmherziger Mensch, wird im Umgang mit seinen Freunden zunehmend gereizt. Er erpresst Henry und Francis, deren Vermögen bald aufgebraucht ist. Auch eine Italien-Reise, von Henry finanziert und begleitet, kann Bunny nicht umstimmen. Die Freunde sehen keine andere Möglichkeit, Bunny zum Schweigen zu bringen, und beschließen, ihn zu töten. Nachdem mehrere Versuche in ihrer Planung oder Umsetzung gescheitert sind, trifft die Gruppe Bunny bei einem seiner ausschweifenden Spaziergänge an und Henry stürzt ihn einen Abhang hinunter.

Einige Wochen nach Bunnys Tod findet Julian einen Brief in seiner Post, angeblich von Bunny, in dem dieser seinem Professor vom Mord an dem Farmer berichtet und von seiner Angst, Henry würde auch ihn, Bunny, umbringen. Julian hält den Brief für einen dummen Streich eines Studenten. Francis und Henry, denen Julian den Brief vorliest, bemerken jedoch das Logo eines italienischen Hotels auf dem Briefkopf: Es ist das Hotel, in dem Bunny und Henry gewohnt haben. Julian erkennt nun ebenfalls, dass der Brief echt ist und dass Bunny ihn wenige Tage vor seinem Tod geschrieben haben muss. Er zeigt seine Studenten jedoch nicht bei der Polizei an, sondern verlässt das College Hals über Kopf und bricht jeden Kontakt zu seiner Klasse ab. Dies trifft vor allem Henry, der eine starke Bindung zu Julian hat.

Nach dem Mord an Bunny zerbricht die Gruppe langsam, aber sicher. Besonders Charles leidet unter der Angst, entdeckt zu werden, und muss sich einem Polizeiverhör unterziehen. Er entwickelt sich zum Alkoholiker. Charles hatte, wie Francis Richard berichtet, ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Schwester Camilla, die eine Beziehung mit Henry beginnt. Aus Angst vor ihrem Bruder, mit dem sie zuvor zusammengelebt hat, zieht sie mit Henry in ein Hotel. Eines Nachts sind Richard und Francis zu Besuch, als plötzlich Charles im betrunkenen Zustand mit einer Waffe das Zimmer stürmt in der Absicht, Henry zu erschießen. Henry gelingt es, Charles die Waffe zu entwinden, anschließend begeht er vor den Augen seiner Freunde Selbstmord.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Donna Tartt begann 1986 mit dem Verfassen des Romans. Das fiktive Hampden College im Roman wurde maßgeblich von Tartts Studentenzeit am Bennington College, Vermont, beeinflusst. Ihr Studienfreund Bret Easton Ellis vermittelte ihr die Literaturagentin Amanda Urban. Tartts Debütroman wurde daraufhin ein Bestseller und verkaufte sich allein in der Erstauflage 75000 mal.

Aufbau des Romans[Bearbeiten]

Dem eigentlichen Roman gehen eine Widmung (u.a. an Bret Easton Ellis), zwei Zitate, eine Danksagung und ein Prolog voraus. Bei den Zitaten handelt es sich um Ausschnitte von Friedrich Nietzsches "Unzeitgemäßen Betrachtungen" und Platons "Der Staat". Im Prolog schildert der mittlerweile 28-jährige Richard Papen rückblickend die Ereignisse und bezieht sich dabei auch auf den Titel des Romans.

"I suppose at one time in my life I might have had any number of stories, but now there is no other. This is the only story I will ever be able to tell."

Interpretation und Anleihen[Bearbeiten]

Tartts Roman ist gespickt mit klassischen Zitaten. Neben Griechisch wird auch Latein und Französisch zitiert. Das Buch ist, wie viele Werke griechischer Philosophen, aufgeteilt in "Buch I" und "Buch II". Wie in der klassischen griechischen Tragödie spielt das Schicksal in Tartts Roman eine besondere Rolle: Die Planung des Mordes an Bunny erscheint folgerichtig, da es keine andere Möglichkeit gibt, ihn zum Schweigen zu bringen. Auch die Ausführung der Tat ist dem Zufall zu verdanken: Henry, Francis, Charles, Camilla und Richard treffen Bunny zufällig in den Bergen von Vermont, als sie das Gebiet für den Mord an ihm ausspähen.

Aus zwei der ehemaligen Freunde werden Feinde; Bunny, weil er eine potentielle Gefahr für die Gruppe darstellt und sie verraten könnte, und Charles, der durch den Alkohol unberechenbar geworden ist und seine Schwester und Henry bedroht. Henry glaubt, niemals mit Camilla glücklich sein zu können, solange Charles ihm nicht vergibt, und tötet sich deswegen selbst.

Literarische Rezension[Bearbeiten]

Das Buch erhielt weltweit hervorragende Kritiken. So schrieb die New York Times: „Forceful, cerebral and impeccably controlled, 'The Secret History' achieves just what Ms. Tartt seems to have set out to do: it marches with cool, classical inevitability toward its terrible conclusion.“[1]

Die Sunday Times bezeichnete den Roman als „brilliant“. In gleicher Weise rühmte The Times Literary Supplement The Secret Story als „haunting, compelling and brilliant piece of fiction“[2]

Tartts Roman hielt sich dreizehn Wochen lang in der Bestseller-Liste der New York Times.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Books of The Times; Students Indulging In Course of Destruction. In: New York Times, 4. September 1992. Abgerufen am 1. Juli 2014.
  2. Zitiert nach: The Secret History - reviews. Auf: Book Drum. Abgerufen am 1. Juli 2014.