Die rote Flut

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Dieser Artikel behandelt den Film Die rote Flut aus dem Jahr 1984. Für das Remake von 2012 siehe Red Dawn (2012).
Filmdaten
Deutscher Titel Die rote Flut
Originaltitel Red Dawn
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1984
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe FSK 18 (vormals indiziert)
Stab
Regie John Milius
Drehbuch Kevin Reynolds,
John Milius
Produktion Buzz Feitshans,
Barry Beckerman
Musik Basil Poledouris
Kamera Ric Waite
Schnitt Thom Noble
Besetzung

Die rote Flut ist ein US-amerikanischer Kriegsfilm von John Milius aus dem Jahr 1984. Er erzählt die Geschichte einer Invasion der USA durch kubanische, nicaraguanische und sowjetische Truppen, die zur Bildung einer Guerilla-Truppe amerikanischer Teenager führt.

Es war die erste Zusammenarbeit von Jennifer Grey und Patrick Swayze, dem späteren Traumpaar aus Dirty Dancing. Aber laut übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten war es auch der Beginn einer Hassliebe der beiden, die sie in Dirty Dancing geschickt verbargen.

Der Film kam am 10. August 1984 in die amerikanischen Kinos. In der Bundesrepublik Deutschland startete der Film am 21. Dezember 1984 und löste heftige Reaktionen aus; nach Protesten von Friedensaktivisten wurde der Film in einigen Städten (unter anderem Berlin, Düsseldorf und Freiburg) schnell wieder abgesetzt.[1] Die deutsche Fernsehpremiere war am 14. Oktober 1995 auf RTL. 2012 wurde eine Neuverfilmung gedreht.[2]

Handlung[Bearbeiten]

Calumet, eine Kleinstadt in Colorado. An einem ganz gewöhnlichen Tag im Herbst fallen plötzlich Fallschirmjäger vom Himmel. Die schwerbewaffneten Soldaten schießen auf alles, was sich bewegt. Eine Gruppe Schüler wird von der Invasion überrascht, während sie im Geschichtsunterricht gerade die Gräueltaten der Mongolen durchnimmt. Das erste Opfer ist der Geschichtslehrer.

Panik bricht aus, als man feststellt, dass Russen und Kubaner gelandet sind. Die Invasoren vergewaltigen die Einwohner, besetzen das lokale Autokino und verbrennen Bücher. Feindlicher Truppennachschub trifft in Charterflugzeugen ein.

Einigen der Schüler gelingt es, sich in die Berge abzusetzen. Dort bilden sie kurz darauf eine Widerstandsgruppe namens Wolverines. Die Überfälle, die die Jugendlichen begehen, sind gegen die riesige Übermacht nur Nadelstiche, trotzdem kämpfen sie verbissen weiter.

Karte von den Ereignissen, die in dem Film beschrieben werden:
Blau: Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Kanada, das Vereinigte Königreich und die Volksrepublik China
Rot: Die Sowjetunion mitsamt den eroberten Gebieten und ihren Verbündeten Kuba und Nicaragua
Grün: Die neutralen Staaten Westeuropas
Die roten Punkte zeigen einige wichtige Standorte wie Washington, D.C., Omaha (Nebraska), Kansas City (Missouri) und Peking (China), die von Atombomben ausgelöscht wurden.

Von einem abgeschossenen US-Piloten erfahren sie, dass die USA nicht zur Gänze besetzt sind, es also noch Hoffnung gibt, obwohl die meisten ihrer Landsleute, die nicht mit den Besatzern zusammenarbeiten wollen, in Internierungslagern sind. Der Pilot gibt der Gruppe auch die Hintergrundinformation, dass die Sowjetunion zeitgleich einen weiteren Krieg mit China begonnen hatte, der nach mehreren Atomwaffenschlägen bereits mehr als 400 Millionen Chinesen das Leben gekostet habe. In den folgenden Monaten führt die Gruppe mit Unterstützung der Bevölkerung ihren verlustreichen Guerillakrieg weiter.

Als sich herausstellt, dass ausgerechnet der Sohn des Bürgermeisters zum Verräter geworden ist, droht die Gruppe auseinanderzubrechen.

Nach einem halben Jahr verbissener Kämpfe ist die Hälfte der Teenager tot. Zwei Mitglieder sollen in das „Freie Amerika“ fliehen, während die anderen beiden einen Ablenkungsangriff starten. Der Plan geht auf, aber während des Angriffs sterben die beiden Mitglieder. Die Erzählerin besucht am Jahrestag des Kriegsendes das Denkmal, das der Widerstandsgruppe Wolverines errichtet wurde. Dessen Inschrift lautet:

“… In the early days of World War 3, guerrillas – mostly children – placed the names of their lost upon this rock. They fought here alone and gave up their lives, so that this nation should not perish from the earth.”

„… In den Anfangstagen des 3. Weltkrieges schrieben Guerillas – zumeist Kinder – die Namen ihrer Gefallenen auf diesen Felsen. Sie kämpften hier allein und gaben ihre Leben, damit diese Nation nicht von der Erde getilgt wurde.“

Kritiken[Bearbeiten]

Die rote Flut entstand zwei Jahre nach Reagans Rede über „Das Reich des Bösen“ und so ist der umstrittene Film dann auch ein Produkt der Eiszeit des Kalten Krieges.

Das Time Magazine schrieb:

„Bei ‚Die rote Flut‘ handelt es sich um eine Allegorie, die geschickt entworfen wurde, um die Moral des Vietnamkriegs umzudrehen. Die USA werden von kommunistischen Truppen besetzt (Kubaner und Nicaraguaner im Dienste der Sowjets), und amerikanische Teenager als Helden und Heldinnen ziehen sich in die Berge von Colorado zurück, um eine Guerilla-Truppe aufzubauen. So sind jetzt Amerikaner der Vietcong, die kleinen Leute, die Underdogs, die für ihr eigenes Land kämpfen. Die Sowjets sind jetzt die unterdrückende Großmacht (wie die Amerikaner in Vietnam), die Eroberer mit überlegenen Kräften und den todbringenden Kampfhubschraubern. So liegt die Schuld bei den Sowjets, und über das amerikanische Kinopublikum kommt eine eigenartige, sublime Absolution.“[3]

Die Süddeutsche Zeitung kritisierte:

„Milius’ jugendliche Helden sind ein Ausbund an Sauberkeit, Intelligenz und Opferbereitschaft, während ihre sowjetischen Gegenspieler sich durch viehische Brutalität und durch Dummheit auszeichnen.“

Hellmuth Karasek merkte im Spiegel ironisch mit Blick auf Ronald Reagans Aufrüstungsprogramme bezüglich der Neutronenbombe und des SDI-Programmes an:

„Der Film, offensichtlich zur moralischen Aufrüstung gedacht, verfehlt sein Ziel auf das bedenklichste und ist richtig wehrkraftzersetzend. Denn was braucht der Westen, was braucht die freie Welt Raketen, Neutronenbomben und Laserkanonen, wenn es doch reicht, daß ein paar Schüler nach der Schule statt zum Football zum Partisanenkrieg gehen?“[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Brad Savage wurde 1984 für einen Young Artist Award nominiert.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die rote Flut ist auch Titel eines Romans von Wilhelm Weigand aus dem Jahr 1935 (Untertitel Der Münchener Revolutions- und Rätespuk 1918/19).
  • Die Operation, die 2003 zur Festnahme Saddam Husseins führte, trug den Namen Operation Red Dawn.
  • In Deutschland war der Film über viele Jahre in der ungeschnittenen Fassung indiziert. Die Indizierung ist seit dem 30. November 2001 aufgehoben.[5] Für die nicht indizierte Fassung war der Film um Szenen mit einer Länge von insgesamt 12 Minuten und 20 Sekunden auf 109 Minuten gekürzt.
  • 2010 erschien eine australische/US-amerikanische Produktion mit dem Titel Tomorrow, When the War Began. Die Verfilmung des gleichnamigen, 1993 erschienenen Jugendbuches des Autors John Marsden hat eine ähnliche Handlung und spielt in Australien. Während in der Literaturvorlage die Herkunft der Invasoren im Dunkeln bleibt, sind die im Film gezeigten Invasoren asiatischen Ursprungs. Allerdings liegt im Film, wie in der Buchvorlage, der Schwerpunkt der Handlung im Gegensatz zu Red Dawn eher auf den Sorgen und Ängsten der handelnden Teenager und weniger auf den Actionszenen.
  • 2010 sollte eine Neuverfilmung des Stoffs in die Kinos kommen. Regie führte der bisher nur als Stunt-Coordinator und Second-Unit-Regisseur in Erscheinung getretene Dan Bradley; das Drehbuch des Remakes stammt von Carl Ellsworth, Jeremy Passamore und Tony Gilroy. Die Handlung des Films wird aus den 1980ern in die Gegenwart versetzt, die kommunistischen Invasoren kommen diesmal aus Nordkorea.[6] Ursprünglich war die Story jedoch vollkommen anders, denn die Invasoren kamen aus der Volksrepublik China. Das war auch der Grund, warum der Film komplett umgeschnitten und eine Menge Arbeit in die digitale Nachbearbeitung gesteckt werden musste, um chinesische Symbole und Plakate nunmehr durch nordkoreanische zu ersetzen. Dies geschah, nachdem der Film bereits fast komplett fertig gedreht war. Außerdem waren finanzielle Gründe des Filmstudios MGM ausschlaggebend für die lange Verzögerung. Der Film ist am 21. November 2012 in den USA veröffentlicht worden.[7]
  • Im Vorspann erklären einige Sätze, wie es überhaupt zur Invasion kommen kann. In der englischen Version des Filmes lautet einer dieser Sätze:

„Greens Party gains control of West German parliament. Demands withdrawal of nuclear weapons from European soil.“

„Die Partei der Grünen erlangt die Kontrolle über das Parlament der Bundesrepublik Deutschland. [Sie] fordert den Abzug nuklearer Waffen von europäischem Boden.“

  • In diesem Film standen die späteren Dirty-Dancing-Stars Jennifer Grey und Patrick Swayze das erste Mal gemeinsam vor der Kamera. Grey nennt diese filmische Zusammenarbeit, bei der sie eine Liebesszene gemeinsam spielten – die für das Endprodukt allerdings geschnitten wurde – in einem Interview (1987) als Grund, dass sie bei den Probeaufnahmen zu ihrem Filmhit so gut miteinander harmonierten.[8]
  • Das Guinness-Buch der Rekorde nennt Die Rote Flut als den Film mit den meisten Gewaltszenen.[9]
  • Der letzte Satz des Mahnmals "should not perish from the earth" findet sich auch in der Gettysburg Address, einer berühmten Rede Abraham Lincolns, die Teil des historisch-kulturellen Erbes der USA ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jonathan Bernstein: Pretty in Pink. The Golden Age of Teenage Cinema. New York, 1997. ISBN 0-312-15194-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rote Flut – eingedämmt?, Der Spiegel 2/1985
  2. Red Dawn in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Time Nr. 1/85
  4. Hellmuth Karasek: Weltkrieg als Western, Der Spiegel, Ausgabe 52/1984
  5. Die Rote Flut, unter ofdb.de.
  6. http://www.filmstarts.de/nachrichten/18470724.html/
  7. http://nymag.com/daily/entertainment/2011/12/red-dawn-china-invades-america-because-of-debt.html
  8. Interview mit Jennifer Grey auf Youtube
  9. Guinness-Buch der Rekorde von 1986, Frankfurt/M., Berlin, 1985; S. 279