die tageszeitung

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die tageszeitung
Beschreibung deutsche Tageszeitung
Verlag taz, die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG
Erstausgabe 1978
Erscheinungsweise täglich Montag bis Sonnabend
Verkaufte Auflage
(IVW Q1/2009, Mo.−Sa. gesamt)
56.076 Exemplare
Chefredakteur Bascha Mika
Herausgeber taz-Genossenschaft
Weblink taz.de
Artikelarchiv letzte 12 Monate
ISSN 0931-9085

die tageszeitung (Abkürzung taz) ist die siebtgrößte überregionale Tageszeitung in Deutschland. Sie wurde 1978 in West-Berlin als linkes, selbstverwaltetes Zeitungsprojekt gegründet. Herausgeberin ist die taz-Verlagsgenossenschaft e. G. Seit 1999 ist Bascha Mika Chefredakteurin, sie verlässt das Blatt Mitte Juli 2009.[1] Ihre Nachfolgerin wird Ines Pohl.

Inhaltsverzeichnis

Die Zeitung

Die verkaufte Auflage der taz beträgt rund 57.000 Exemplare, davon 45.000 im Abonnement. Die taz ist bundesweit erhältlich und erscheint täglich von Montag bis Sonnabend. Sie erscheint im sogenannten Berliner Format. Damit ist sie etwas kleiner als die meisten anderen großen überregionalen Zeitungen, die im Norddeutschen Format erscheinen. Seit dem 12. Mai 1995 (seinerzeit als erste deutschsprachige Zeitung) stellt die taz ihre Inhalte vollständig ins Internet. Die Artikelsuche auf der Archiv-Website ist kostenpflichtig, wobei in den Artikeln der aktuellen Ausgabe kostenlos geblättert werden kann. Seit 18. April 2009 erscheint in der Samstagsausgabe als Beilage: die sonntaz [2]

Die Genossenschaft

Im Zuge einer existenziellen finanziellen Krise der Zeitung wurde 1992 die taz, die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG gegründet, um neue Investitionsmittel zu erhalten und gleichzeitig die publizistische Unabhängigkeit zu wahren. Die seither als Herausgeberin der Zeitung agierende Genossenschaft hatte im Oktober 2008 mehr als 8080 Mitglieder mit einem Genossenschaftskapital von über 7,9 Millionen Euro. Die Zahl der Genossen ist stetig steigend. Von Januar bis Oktober 2008 sind bereits mehr als 436 Mitglieder beigetreten. Der Eintritt als „Genosse“ in die Genossenschaft wird mit einer einmaligen Zahlung von mindestens 500 Euro, höchstens aber 25.000 Euro, an die taz abgeschlossen.[3]

Regionalausgaben

Sitz der tageszeitung in der Rudi-Dutschke-Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg.

Seit dem 4. November 1980 erscheint die taz mit einem Berliner Regionalteil. Dieser ist heute auch Bestandteil der in den ostdeutschen Bundesländern vertriebenen Ausgaben. Darüber hinaus gibt es die Regionalausgabe Nord für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Spezialisiertere Regionalausgaben, etwa die münster taz, taz ruhr oder eigene Ausgaben für Bremen und Hamburg, sind nach längeren Diskussionen in den großen Regionalausgaben aufgegangen, dies vor allem aus Kostengründen. Die taz nord umfasst neben der Mantelzeitung drei Seiten allgemeinen Regionalteil und eine Wechselseite jeweils für die Länder Bremen und Hamburg. Die taz nrw, die aus den Regionalausgaben taz Köln und taz Ruhr hervorgegangen ist, erschien aus finanziellen Gründen nach einer gescheiterten Rettungskampagne am 4. Juli 2007 zum letzten Mal.

Perşembe

Perşembe war eine zweisprachig auf Deutsch und Türkisch erscheinende Wochenzeitung, die seit dem Jahr 2000 jeden Donnerstag deutschlandweit der taz beigelegt wurde. Perşembe bedeutet auf Türkisch Donnerstag. Verantwortlicher Redakteur des achtseitigen Blattes war Ömer Erzeren. Das vielgelobte Experiment[4] wurde nach einiger Zeit wieder eingestellt.

Geschichte

Die taz entstand in Folge des Tunix-Kongresses im Januar 1978 in Berlin und war auch eine Reaktion auf den „Deutschen Herbst“ 1977. Die erste Vorausgabe erschien am 27. September 1978. Allerdings trug sie das Datum 22. September – fünf Tage hatte die Bearbeitung der „Nullnummer Nr. 1“ mit 16 Seiten gedauert. Sie enthielt einen doppelseitigen Bericht des Schriftstellers und Journalisten Gabriel Garcia Marquez über den Sieg der Sandinistas in Nicaragua. Weitere Schwerpunkte waren die geplante Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll in Gorleben, die Verhaftung von Astrid Proll, ein Interview mit einer Animierdame einer Peepshow, der Widerstand gegen Uranbergbau im Schwarzwald, das NATO-Großmanöver AUTUMN FORGE. Die erste reguläre Ausgabe der taz erschien dann am 17. April 1979. Die Zeitung verstand sich als Alternative zum von ihr bisher ausschließlich bürgerlich orientiert empfundenen Zeitungsmarkt mit der Zielgruppe Studenten, Alternative, Grüne, Linksliberale, linke Sozialdemokratie und später auch für die ab 1980 anwachsende Hausbesetzerbewegung.

Im Laufe der Jahre gab es mehrere Relaunches. Runde Jubiläen werden in der Regel mit besonderen Ausgaben gefeiert. Zum 30. Jahrestag des regelmäßigen Erscheinens im April 2009 gab einen tazkongress, der sich aktuellen politischen Diskussionen widmete. Zudem erschien die Zeitung in einem renovierten Layout und mit einer neuen, sonntaz genannten, Wochenendbeilage, die das bisherige taz mag ablöste. [5]

Politische Ausrichtung

Protestbutton gegen die USA-freundliche Haltung Angela Merkels
Protestbutton gegen Atomkraft

Die taz sieht sich nach eigenem Anspruch der Überparteilichkeit verpflichtet und wird traditionell links eingeordnet. Sie kritisierte häufig die rot-grüne Regierung (1998 – 2005), positionierte sich jedoch vor der Bundestagswahl 2005 deutlich gegen eine mögliche CDU-geführte Regierung. Unter anderem entwarf sie Protest-Buttons gegen eine mögliche Bundeskanzlerin Angela Merkel, gegen die geplante „Kopfpauschale“ und gegen ein kritikloses Verhältnis zur Politik des US-Präsidenten George W. Bush. Allgemein gilt sie als Bündnis 90/Die Grünen nahestehend, kritisiert diese aber auch häufig. Beobachter bezeichnen dieses Verhältnis zwischen taz und den Grünen oft als „Hassliebe“.

Als selbstverwaltetes Projekt erlebte die taz vor allem in den Anfangsjahren immer wieder dramatische Auseinandersetzungen um prinzipielle Fragen.

Nach Auseinandersetzungen in der taz-Genossenschaft um die geplante Schließung der Lokalredaktion Bremen, die Entlassung eines Mitarbeiters, die als Zensur empfundenen Eingriffe der Geschäftsführung in die genossenschaftsinterne Kommunikation sowie ein Kooperationsprojekt der Zeitung mit der EnBW-Tochter NaturEnergie AG richteten kritische Genossenschaftsmitglieder 2005 eine selbstverwaltete Mailingliste zur offenen Diskussion solcher und anderer Fragen ein.[6]

Im April 2008 startete Achtung: tazblog!, ein kritisches Blog, das die taz daran messen will, wofür sie gegründet worden sei: „Um ‚systemkritischen Sichtweisen‘ eine Stimme zu geben“.[7]

Die taz steht - im Gegensatz zu beispielsweise der linken Tageszeitung junge Welt - hinter der Rechtschreibreform von 1996 und brachte darüber hinaus den Wunsch nach einer noch weitergehenden Reform bis hin zur Kleinschreibung zum Ausdruck.

Ein Markenzeichen der taz sind ihre satirischen Schlagzeilen wie „Jeder dritte Bayer gegen Stoiber“, als die CSU bei der Landtagswahl 2003 über 60 % erhielt. Dieser oft sarkastische Ton findet sich auch in der Zeitung. So werden beispielsweise die Sportseiten „leibesübungen“ und das Fernsehprogramm „flimmern und rauschen“ genannt. Die letzte Seite, eine Satire-Seite, wird als „die wahrheit“ veröffentlicht und enthält die „gurke des tages“. Unter dem Motto „was alles nicht fehlt“ werden Sportnachrichten in Kürze erwähnt.

Im Oktober 2003 wurde als zweiter Teil der Zeitung „tazzwei“ eingeführt, um auch jüngere Leser an die taz zu binden. In der tazzwei geht es weniger um Tagespolitik, sondern hauptsächlich „um deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf unser Leben“.[8] Kritiker befürchten, dass mit tazzwei „das Boulevardeske, Profane“ in der taz überhand nehmen könnte.[9]

Bezahlung der Mitarbeiter

Rund 250 Angestellte in Redaktion und Verlag arbeiten für die taz, die es sich bislang nicht leisten kann, ihre Mitarbeiter branchenüblich zu bezahlen. Bis 1991 gab es einen Einheitslohn für alle Angestellten, vom Schriftsetzer bis zur verantwortlichen Redakteurin. Seither gibt es „Verantwortungszuschläge“ von wenigen hundert Euro, etwa für die Leiter der einzelnen Ressorts. Der Bruttolohn für die meisten Angestellten liegt laut Haustarif bei rund 2.000 Euro im Monat; es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Bis heute verdienen Redakteure bei der taz deutlich weniger als in anderen Zeitungen, zum Teil verzichten sie aus Solidarität mit der Zeitung sogar auf einen Teil ihres Gehaltes.

Das Logo

Das Logo der Zeitung ist der Abdruck einer Tatze (auch „Tazze“ genannt). Roland Matticzk, der Erfinder des Logos, versäumte es jedoch, sich in den Gründungsjahren der taz die Rechte daran zu sichern. Das Unternehmen Jack Wolfskin registrierte in den 1980ern ein ähnliches Logo für sich. Den Rechtsstreit zwischen den beiden Unternehmen verlor die taz im Jahre 2002, was zur Folge hatte, dass sie die Tatze nun nicht mehr auf Produkte drucken darf, die zum Kerngeschäft von Jack Wolfskin gehören. Zudem darf sie die Tatze auf eigenen Produkten nur in Verbindung mit dem Zusatz „die tageszeitung“ nutzen.

Auch gegen die Abbildung einer daraufhin mit einem Kreuz überstickten „Tazze“ neben dem geforderten Schriftzug auf einem Badehandtuch, das über den verlagseigenen Taz-Shop vertrieben wird, ging Jack Wolfskin vor: „Das ‚Durchstreichen‘ des Tatzensymbols (beinhaltet) eine rufschädigende Abwertung der bekannten Marke“, monierten die Anwälte.[10]

Rettungskampagnen

Seit ihrer Gründung stand die taz mehrmals vor der Insolvenz. Mit Aufmerksamkeit erregenden Kampagnen hat die Zeitung immer wieder versucht, mehr Abonnenten zu bekommen. Während einer Erpressungs-Kampagne „drohte“ die Redaktion zum Beispiel damit, die Zeitung einen Tag lang ohne Fotos, ohne Kritik, als Boulevardblatt usw. erscheinen zu lassen, wenn in einer bestimmten Woche nicht genug neue Abos abgeschlossen würden. In der Folge wurden die „Drohungen“ teilweise umgesetzt. Im ersten Halbjahr 2003 konnte die tageszeitung erstmals in ihrer Geschichte einen Gewinn verbuchen.

Regelmäßig wirbt die taz um neue Mitglieder für ihre Genossenschaft sowie um höhere Einlagen der Genossenschaftsmitglieder. Ende 2003 suchte die Zeitung Kapitalgeber für die taz EntwicklungsKommanditgesellschaft, die unter anderem seit dem 8. Dezember 2003 einen täglichen Lokalteil in Nordrhein-Westfalen finanzierte, der allerdings im Juli 2007 eingestellt wurde.

Im Winter 2004 startete die taz mit dem ExtraBlatt – Erlesenes erhalten eine Abokampagne, mit der zugleich auf die besondere Bedeutung von Tageszeitungen im Allgemeinen aufmerksam gemacht werden soll. Als Autoren konnten zum Beispiel Juli Zeh, Michael Jürgs, Maxim Biller, F. W. Bernstein oder Michael Rutschky gewonnen werden. Einen zeichnerischen Ost-West-Dialog steuerten die Cartoonisten Eckhard Henscheid und Manfred Bofinger bei.

Seit dem 30. April 2005 hat die taz eine neue Titelseite, mit der sie vor allem versucht, die Zahl der Kioskkäufe zu erhöhen. So steht jetzt ein bestimmtes Thema mehr im Mittelpunkt, was auch durch ein großes Bild unterstrichen wird.

Preisstruktur

Um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen und gleichzeitig die Finanzierung der Zeitung sicherzustellen, bietet die tageszeitung beim regulären Abonnement drei unterschiedliche Preisstufen an. Welcher Preis bezahlt wird, soll sich nach der finanziellen Kraft der Abonnenten entscheiden, jedoch findet keine Überprüfung statt; die taz vertraut darauf, dass die Abonnenten den Wert ihrer Zeitung kennen. Zudem gibt es noch ein digitales Abonnement, das wahlweise aus Text-, HTML-, EPUB-, oder PDF-Dateien besteht. Alle Abonnements schließen die deutsche Ausgabe der Monatszeitung Le Monde diplomatique mit ein.

Darüber hinaus gibt es – wie bei vielen anderen Zeitungen – zahlreiche weitere befristete Abonnementsvarianten zu Festpreisen. Sonderaktionen zu wichtigen politischen Ereignissen schlossen ein „Neuwahl-Abo“ zur Bundestagswahl 2005 ein, bei dem der Wahlausgang den Abonnementspreis beeinflussen sollte. Ähnlich ist auch die Aktion der taz zur bayrischen Landtagswahl Ende September 2008. Unter der Überschrift „taz manipuliert Wahl“ wurde für neue Abos im Zusammenhang der CSU-Prozente zur Landtagswahl geworben. Für jedes Prozent, das die CSU unter 50 Prozent der Wählerstimmen kommen würde, wäre ein Monat eines neu abgeschlossenen Abos umsonst. Letzten Endes konnten somit 50 neue Abonnenten die taz 7 Monate lang kostenlos beziehen. Laut einem Bericht von Spiegel Online handelt es sich um Zeitungen im Wert von 11.375 Euro.[11]

Aufsehenerregende Aktionen

Unter dem Motto „Das einzige Medium gegen Propaganda-Müll und Verlautbarungs-Dünnsäure ist nach wie vor Literatur“ (18. September 1987) wurde die Redaktion im Herbst 1987 für drei Tage namhaften Autoren übergeben. Hans Magnus Enzensberger, Heiner Müller, Alfred Sohn-Rethel, Hans Mayer, Erich Kuby, Johannes Mario Simmel, Elfriede Jelinek und Hermann Henselmann machten dabei mit.

Nachdem seit dem 26. Februar 1990 eine in der DDR produzierte taz ddr erschienen war, veröffentlichte diese im Juni 1990 als erste Zeitung in einer Sondernummer eine Liste von 9251 Stasi-Objekten in der DDR – eine umstrittene Aktion, die auch unter DDR-Bürgerrechtlern Kritiker fand. Im Dezember 1991 ging die dann so genannte taz Ost in der Mutterzeitung auf.

Bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2003 unterstützte die taz die Sängerin Senait Mehari mit dem Lied Herz aus Eis. Den Text des Liedes durften die Leser verfassen, ebenso standen mehrere Melodien zur Auswahl. In der deutschen Vorentscheidung kam Senait auf den vierten Platz.

In der Samstagausgabe vor der Landtagswahl in Bayern im September 2003 verkündete die taz auf der Titelseite „Stoiber erringt klaren Sieg“ sowie das vorläufige Wahlergebnis, die Lottozahlen und Bundesligaergebnisse.

Im Dezember 2003 wurde die Redaktion im Rahmen der Studentenproteste gegen die Etatkürzungen an den Berliner Universitäten eine Zeitlang besetzt.

Im Mai 2004 startete die taz anlässlich der geplanten Liberalisierung des Kartellrechts für Zeitungen eine tägliche Reihe zu Einzeitungskreisen und machte damit erfolgreich auf die zunehmende Pressekonzentration aufmerksam.

Die tageszeitung, die bereits seit 1982 ihren Titel klein schreibt, veröffentlichte am 12. August 2004 eine Ausgabe in der sogenannten „gemäßigten Kleinschreibung“. Dies war als Gegenreaktion auf die Ankündigung einiger deutscher Verlage gedacht, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. - Das Binnen-I (nicht selten als "Taz-I" bezeichnet) wurde zwar nicht von der taz erfunden, jedoch in Deutschland vor allem durch sie verbreitet.

2005 schlug die taz anlässlich des 25. Todestages von Rudi Dutschke vor, einen Teil der Berliner Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen. Nachdem hierüber langjährig gerichtliche Auseinandersetzungen mit einer Anwohnergemeinschaft (deren Mitglied wiederum der Axel-Springer-Verlag ist) geführt wurden, erklärte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg im April 2008 die Umbenennung endgültig als rechtskräftig.

Aus Urheberrechtsgründen musste die taz ihre satirische Seite-1-Rubrik, die nach der ARD-Nachrichtensendung Tagesschau benannt worden war, neu betiteln. Seitdem heißt die Rubrik „verboten“ und ist mit dem Hinweis „übrigens: verboten darf nicht tagesschau heißen“ versehen. Seit Januar 2008 wurde der Rubrik-Name täglich an Leser verkauft. Nach einem längeren Namensstreit unter der Leserschaft hatte ein Leser für fünf Euro und zehn alte Rubel den Rubrik-Namen dachgold gekauft und damit den Auftakt für einen täglich neuen und von Lesern gekauften Namen gemacht, u. a. kaufte der Schauspieler Dietmar Bär den Namen und ließ dafür „Jens Lehmann“ einsetzen. Seit dem 5. Mai wird jedoch wieder der alte Name ohne Zusatz verwendet.

Das Verhältnis zur Bild

Eine besondere Beziehung hat die taz zur Bild-Zeitung. Deren Chefredakteur Kai Diekmann klagte gegen die taz, als deren Autor Gerhard Henschel am 8. Mai 2002 auf der Satire-Seite „die wahrheit“ behauptete, Diekmann habe sich einer Penisvergrößerung unterziehen wollen. Diekmann verklagte die Zeitung auf 30.000 Euro Schadenersatz. Das Berliner Kammergericht entschied in zweiter Instanz, dass Diekmann als Chefredakteur der Bild „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer sucht“ und daher „weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet wird“. Er müsse „davon ausgehen, dass diejenigen Maßstäbe, die er anderen gegenüber anlegt, auch für ihn selbst von Belang sind“. Daher stufte das Gericht die Persönlichkeitsverletzung als nicht so schwerwiegend ein, dass ein Schmerzensgeld angemessen sei. Gleichzeitig verbot das Gericht der taz, die Meldung zu wiederholen. Im März 2006 sagte Diekmann der türkischen Zeitung Hürriyet, dass die Klage „ein Fehler“ gewesen sei. Er habe sich dadurch umso lächerlicher gemacht.

Am 50. Geburtstag der Bild-Zeitung im Jahre 2002 titelte die taz50 Jahre Bild – Jetzt reichts!“, um so gegen den Boulevardjournalismus der Zeitung zu protestieren. Zum 25. Geburtstag der taz (am 27. September 2003) wurden dagegen die „Lieblingsfeinde“ als Redakteure für einen Tag in die tageszeitung zur Mitarbeit eingeladen (als „Feindliche Übernahme“ betitelt). Chefredakteur der Ausgabe war Kai Diekmann. In selbiger Ausgabe wurde durch diesen auch erstmals Altkanzler Helmut Kohl für die taz interviewt.

2005 ließ der Axel Springer Verlag die Ausstrahlung zweier taz-Kino-Spots per einstweiliger Verfügung untersagen. Springer argumentierte, dass es sich dabei um eine „Rufausbeutung“ zu Lasten der Bild-Zeitung handele. Die Spots gewannen im August 2006 einen First Steps Award.

In der Sonderausgabe zum 30. Jahrestag der Erstausgabe am (27. September 2008) gratulierte die Bild-Zeitung mit einer ganzseitigen Anzeige zu dem Jubiläum. Zu sehen war ein Pflasterstein mit Geburtstagskerze. Ähnliches wiederholte sich am 18. April 2009: die Jubiläumsausgabe zum 30. Jahrestag des regelmäßigen Erscheinens erschien mit einer Anzeige des Axel Springer Verlages mit der Frage: „Ist es nicht schön, ein Alter erreicht zu haben, in dem man Cocktails trinkt, anstatt sie zu werfen?“.

Die „Kartoffel-Affäre“

Ein am 26. Juni 2006 auf der die wahrheit genannten letzten Seite der taz, der Satire und Nonsens vorbehalten ist, erschienener Artikel führte zu Verstimmungen im deutsch-polnischen Verhältnis[12]. In dem Artikel Polens neue Kartoffel. Schurken, die die Welt beherrschen wollen. Heute: Lech „Katsche“ Kaczynski wurden der polnische Präsident Lech Kaczyński sowie sein Zwillingsbruder und damaliger Ministerpräsident Jarosław Kaczyński satirisch überhöht als politisch unerfahren und einfältig dargestellt. Die Überschrift „Polens neue Kartoffel“ war ein nur für taz-Leser erkennbarer Insiderwitz: Der frühere aus Polen stammende Papst Johannes Paul II. wurde auf der Wahrheit-Seite der taz regelmäßig „Kartoffel“ genannt. Die kurz darauf geplanten politischen Gespräche zwischen Frankreich, Deutschland und Polen – auch Weimarer Dreieck genannt – wurden von Lech Kaczyński abgesagt. Offiziell geschah das zwar aus Krankheitsgründen, politische Analysten gingen aber davon aus, dass dies unmittelbare Folge des Artikels war. Die Absage wurde von acht ehemaligen polnischen Außenministern in einem offenen Brief vehement kritisiert. Demgegenüber forderte der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei PiS, Przemysław Gosiewski, Justizminister Ziobro auf, zu prüfen, ob gegen die taz ein Strafverfahren wegen Beleidigung des Präsidenten eingeleitet werden könne. Außerdem forderten polnische Regierungsvertreter die deutsche Bundesregierung auf, den Artikel zu verurteilen. Diese lehnte das jedoch mit Hinweis auf die in Deutschland geltende Pressefreiheit ab.

taz von Abhöraktion mitbetroffen

Das Landeskriminalamt Kiel und das Bundeskriminalamt haben bei Ermittlungen gegen eine vermeintliche terroristische Vereinigung in Norddeutschland im Vorfeld des G8-Gipfels von Heiligendamm (2007) unter anderem mindestens 19 Telefonate mit Journalisten abgehört, darunter auch Gespräche von Mitarbeitern der taz. Außerdem betroffen waren Mitarbeiter von NDR-info, Spiegel online und tagesschau.de, sowie mehrere Strafverteidiger.[13]

taz-Panter

Der „taz-Panter“ wird seit 2005 jährlich als Jury- und auch als Leserpreis in Berlin verliehen. Der Preis wurde ins Leben gerufen, um Bürger bekannt zu machen, die „mit Mut und Phantasie etwas in der Gesellschaft bewegen“. Die Preise sind jeweils mit 5.000 € dotiert.

taz-Panter-Stiftung

Die taz Panter Stiftung wurde am 2. Oktober 2008 als gemeinnützige Stiftung mit einem Stiftungskapital von 709.962,75 € gegründet. [14]

Die hauptsächlichen Zwecke der Stiftung bestehen darin, den jährlichen taz Panter Preis (5.000 €) finanziell abzusichern, sowie die taz Akademie zu gründen und zu betreiben. [15] Diese Akademie soll in Workshops junge Nachwuchsjournalisten ausbilden. Die Stiftung wirbt sowohl um Zustifter, um das Kapital der Stiftung zu erhöhen, als auch um Spender, um die laufenden Projekte direkt zu fördern. [16]

Quellenangaben

  1. Spiegel Online: Bascha Mika verlässt die "taz" (abgerufen am 25. Juni 2009)
  2. Peter Unfried in der Einladung zur GV 2008
  3. taz.de - Genossenschaft
  4. Karl-Heinz Meier-Braun: Migranten in Deutschland: Gefangen im Medienghetto?
  5. [1] 30. Ersterscheinungs-Jubiläum: tazkongress
  6. Matthias Bauer: Zensur bei der taz. In: Grünes Blatt 02/2007. ISSN 1612-2186
  7. Das gibt zu denken – Hans Pfitzinger, taz vom 23.04.2008
  8. http://www.taz.de/digitaz/.etc/nf/geno/chefredaktion
  9. http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Medien;art290,2256300
  10. No logo! In: taz vom 10./11. März 2007. ISSN 0931-9085
  11. Teure CSU-Wahldebatte - „taz“ verschenkt Abos an Neuleser, Spiegel Online, 29. September 2008
  12. Polens neue Kartoffel. In: taz vom 26. Juni 2006. ISSN 0931-9085
  13. Staatsaktion
  14. http://www.taz.de/zeitung/taz-panter-stiftung/die-wichtigsten-infos/
  15. http://www.taz.de/index.php?id=2126
  16. http://www.taz.de/index.php?id=2394

Verwandte Themen

Literatur

  • taz - die tageszeitung. Die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft e. G., Berlin 1.1987,1ff. ISSN 0931-9085
  • Oliver Tolmein/Detlef zum Winkel: tazsachen. Kralle zeigen - Pfötchen geben. Hamburg 1988. ISBN 3922144764
  • Jörg Magenau: Die taz. Eine Zeitung als Lebensform. München 2007, ISBN 978-3-446-20942-8
  • Nora Münz: Links und liebenswert. Nutzungsmotive von Lesern der tageszeitung (taz). In: Senta Pfaff-Rüdiger / Michael Meyen (Hg.): Alltag, Lebenswelt und Medien. Lit Verlag. Münster 2007. S. 215-235. ISBN 978-3-8258-0897-6

Weblinks

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