Die vergessene Welt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Lost World aufgeführt
Die vergessene Welt, Erstausgabe von 1912

Die vergessene Welt (im Original: The Lost World) ist ein 1912 erschienener Roman des britischen Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle. Im Zentrum der Erzählung steht die Erkundung eines geheimnisvollen südamerikanischen Plateaus im Dschungel (siehe Tepui), das von Urtieren bewohnt sein soll.

Diese erste Folge der Challenger Stories gehört zu den früheren Science-Fiction-Romanen in englischer Sprache, greift jedoch zugleich auch Elemente des Abenteuerromans auf. Der Roman basiert in Teilen auf sorgfältigen wissenschaftlichen und historischen Recherchen. Er erlangte zwar als Abenteuer-Klassiker einige Berühmtheit, blieb dabei jedoch – vor allem in Deutschland – hinter den weithin bekannten Sherlock-Holmes-Geschichten aus Arthur Conan Doyles Feder zurück. Verbreitete deutsche Titelalternativen sind Die verlorene Welt oder Der streitbare Professor.

Handlung im Überblick[Bearbeiten]

Der junge, aufstrebende Journalist Edward Dunn Malone sucht eine Gelegenheit, sich selbst als Mann zu behaupten und so seine große Liebe für sich einzunehmen. Sein Chefredakteur schickt ihn zu dem ungezügelten, exzentrischen Biologie-Professor Challenger (dt.: Herausforderer), dessen Thesen zur Evolution in der Fachwelt für Aufsehen sorgen: Ihm zufolge seien einige Tierarten der Vorzeit nicht ausgestorben, sondern existierten, entgegen der allgemeinen Annahme, unter den besonderen Bedingungen eines entlegenen Plateaus in Südamerika weiter. Malone erwirbt das Vertrauen des Professors, der ihm daraufhin seine bisherigen Belege – hauptsächlich Knochenfunde und den Nachlass des amerikanischen Reisenden Maple White – zeigt (Kapitel 1–5).

Als der Konflikt um Challengers Thesen auf einer öffentlichen Gelehrtendebatte eskaliert, und der Entschluss gefasst wird, die Angelegenheit mithilfe einer Expedition geeigneter Männer zu überprüfen, ergreift der ehrgeizige Reporter die Gelegenheit und meldet sich, neben dem athletischen Abenteurer Lord John Roxton, als freiwilliger Teilnehmer. Er wird deren Exklusivberichterstatter; als wissenschaftliche Autorität wird Challengers Gegenspieler Summerlee entsandt (Kapitel 6).

Die Expedition reist daraufhin über mehrere kleine Zwischenstationen nach Pará, wo sie weitere Einheimische – die immer als getrennte, eher untergeordnete Gruppe betrachtet werden – in Dienst nimmt und sich auf ihr ‚Abtauchen ins Unbekannte’ vorbereitet. Sie erwartet dort nähere Einzelheiten zu erfahren – zur allgemeinen Überraschung erscheint jedoch Professor Challenger persönlich, und erklärt, die Führung dieses entscheidenden Teils der Unternehmung selbst übernehmen zu wollen (Kapitel 7).

Die Gruppe nimmt daraufhin die gefahrenvolle, beschwerliche Reise zum Ort des Plateaus auf sich, wobei Challengers Behauptungen zunehmend Bestätigung finden. Indem die Entdecker die natürlichen Gegebenheiten vor Ort geschickt ausnutzen, finden sie schließlich auch einen Weg, hinaufzugelangen (Kapitel 8 und 9).

An ihrem eigentlichen Ziel wird ihnen allerdings, aufgrund eines Verrats, jäh der Rückweg abgeschnitten, sodass sich die Gruppe plötzlich, ohne ihre Bediensteten, nur auf sich gestellt der unbekannten, ungezähmten Natur und ihren urzeitlichen Bewohnern ausgesetzt sieht: die später klassische Situation eines Dschungel-Films ist geschaffen (Kapitel 9).

Die Expedition beginnt unbeirrt, ihr Lager aufzuschlagen und das Plateau von dort aus systematisch zu erkunden. Die Wissenschaftler stoßen dabei auf zahlreiche neue Fragen und Entdeckungen, der Tross als Ganzes gerät verschiedentlich in Auseinandersetzungen mit Urtieren – darunter beispielsweise Iguanodons oder große Dinosaurier – und andere Gefahren, die gemeinsam bewältigt werden. Im Unterschied zu späteren Verfilmungen legt der Roman den Fokus aber typischerweise nicht auf extreme Spannung und Katastrophen (Kapitel 9–11).

Durch eine unvorhergesehene Wendung der Ereignisse geraten sie schließlich an ‚Affenmenschen’, die offenbar vor längerer Zeit auf das Plateau zugewandert sind. Sie fassen die Entdecker als Eindringlinge in ihrem Territorium auf, die beseitigt werden müssten. Es gelingt ihnen jedoch, auch mithilfe ihrer Feuerwaffen, der Hinrichtung zu entgehen. Kurz zuvor hat Malone bei einem Alleingang (Kapitel 12) jedoch auch heutige Menschen auf dem Plateau gefunden, auf deren Seite die Expedition nun in die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den ‚Affenmenschen’ und ihren Nachfahren eingreift. Aufgrund der mitgebrachten überlegenen Kriegstechnik entscheiden letztere den ‚Existenzkampf’ endgültig für sich (Kapitel 13–14).

Zuletzt bieten sich der Gruppe gleich mehrere Möglichkeiten für das schwierige Problem ihres Rückwegs an, sodass sie, begleitet von einer erbetenen Hilfsexpedition, erfolgreich heimkehren kann (Kapitel 15).

Durch die gebündelten Aussagen der Expeditionsteilnehmer und eine spektakuläre Demonstration gelingt es schließlich, die Richtigkeit von Challengers Hypothesen in der Welt des Romans eindeutig zu beweisen; das Plateau steht der (zivilisatorischen) Erschließung durch weitere Entdecker offen und große materielle Gewinnmöglichkeiten zeichnen sich ab. Allein Malones persönlicher Sieg bleibt aus, da seine Geliebte – entgegen den stereotypen Erwartungen des Helden wie der Leser – inzwischen einen Buchhalter geheiratet hat. Im Übrigen aber sind alle wesentlichen Ziele erreicht und die Überlegenheit der Eroberer erneut erwiesen.

Roman im Kontext[Bearbeiten]

Der Roman The Lost World, der zu den früheren Science-Fiction-Romanen in englischer Sprache gehört, ist Teil einer Trilogie um die Gelehrtenfigur des Professor Challenger. Wie bereits A. Conan Doyles vorausgegangene Erzählungen um Sherlock Holmes erweckte auch er den Anschein eines authentischen (Reise-) Berichts und stieß auf großes öffentliches Interesse. Besondere Bedeutung erlangte er – nicht unbedingt im Sinne des Verfassers – als sogenanntes boy’s book, eine spezielle, pädagogisch ausgerichtete Gattung, die Jungen in ihrer Entwicklung entlang der herrschenden Rollenbilder unterstützen sollte.

In diesem Zusammenhang steht das ausgesprochen optimistische Wissenschaftsbild des Romans, sein Ideal des männlichen Entdeckers und seine Vorstellung der Zivilisation: Verantwortungsvolle, wagemutige Forscher erschließen sich durch genaue, unvoreingenommene Forschungsarbeit ungeahnte neue Welten und kommen dabei jederzeit ihrem Objektivitätsanspruch nach. Dabei können sie sich selbst behaupten und ihre individuelle Stärke zugunsten einer guten Sache einbringen – die erfolgreiche Eroberung des neuen Landes ist erstrebenswertes Ziel der Expedition.

Der Roman bezieht viele tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien seiner Zeit ein. Seine Vorstellung der Evolution, die ja einen der Ausgangspunkte der Handlung bildet, ist jedoch noch stark teleologisch und setzt, wie auch seine Zivilisationsvorstellung, den „modernen Menschen“ mit britisch-abendländischer Kultur als Ideal voraus.

Eine wahrscheinliche Inspirationsquelle auf dem Gebiet der Literatur ist Luis Senarens’ Romanserie um den Helden Frank Reade. Darüber hinaus ist bekannt, das A. Conan Doyle für diesen Roman gezielt recherchierte und authentische Reiseberichte seiner Zeit einbezog. In diesem Zusammenhang bieten sich prähistorische Fußspurenfunde in Sussex sowie die geologische Formation um den Mount Roraima als weiterführende Anknüpfungspunkte zur geschichtlichen Realität an.

Ganz abgesehen von solchen, zum Teil problematischen, historischen Bezügen bietet der handlungsreiche Roman nach wie vor die Faszination, in der Phantasie fremde Länder zu entdecken, Urtieren zu begegnen und Erfolge zu erringen. In diesem Sinne wurde er auch Inspirationsquelle zahlreicher Verfilmungen, die sich allerdings vielfach beliebig weit von der Vorlage entfernten und besonders die Auseinandersetzung mit Dinosauriern in den Mittelpunkt rückten. Anders als die übrigen Professor Challenger- Romane erlangte Die verlorene Welt so auch in Deutschland einige Bedeutung.

Deutsche Fassungen[Bearbeiten]

Von A. Conan-Doyle's Roman The Lost World liegen bislang folgende deutschsprachige Fassungen vor:

  • Die verlorene Welt. Abenteuer-Roman. Übersetzt von Karl Soll. A. Scherl, Berlin 1926
  • Die verlorene Welt. Abenteuer-Roman. Ü: N.N. (gek. Ausgabe) Das Neue Berlin 1956/1961
  • Der streitbare Professor. Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band 6. Deutsch von Werner Engel. Blüchert, Hamburg 1962
    • diese Übertragung ab 1969 unter dem Titel Die vergessene Welt. Ein klassischer utopischer Roman bei Heyne, München
    • sowie 1978 unter dem Titel Die vergessene Welt. Eine abenteuerliche Reise ins Land der Dinosaurier im Arena-Verlag, Würzburg
    • und 2000 unter dem Titel Die vergessene Welt als Arena-Taschenbuch, Würzburg, ISBN 3-401-00262-7 [gekürzte deutsche Fassung mit kommentierendem Nachwort]
  • Die vergessene Welt. Ein klassischer Fantasy-Roman. Deutsch von Elisabeth Simon. Heyne, München 1979, ISBN 3-453-30274-5
  • Die vergessene Welt. Ein Bericht über die jüngsten erstaunlichen Abenteuer von Professor George E. Challenger, Lord John Roxton, Professor Summerlee und Mr. E. D. Malone von der „Daily Gazette“, Deutsch von Reinhard Hillich, Das Neue Berlin 1986
  • Die vergessene Welt. Ein Professor-Challenger-Roman. Deutsch von Leslie Giger. Haffmans, Zürich 1992, ISBN 3-251-20110-7
  • Die verlorene Welt (Ausgewählte Werke, Band 6), Deutsch von Reinhard Hillich, Verlag 28 Eichen, Barnsdorf 2007, ISBN 978-3-9809387-8-5.

Andere Bearbeitungen[Bearbeiten]

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Das Buch wurde erstmals 1925 verfilmt. Dabei wurden die Dinosaurier mit der Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt. Der Film weicht an mehreren Punkten vom Roman ab, beispielsweise wurde der Expedition noch eine weibliche Begleiterin hinzugefügt.

1960 drehte Irwin Allen einen weiteren Film namens die Versunkene Welt, die jedoch stark vom Original abwich und nur einige Grundzüge davon enthielt.

1992 erschien eine neue Filmversion des Buchklassikers mit John Rhys-Davies und David Warner, in der sich das Plateau jedoch in Afrika statt in Südamerika befindet. Der Film zog auch eine Fortsetzung namens Rückkehr in die Vergessene Welt mit sich.

Ab 1998 gab es eine weitere Verfilmung des Buches unter dem Titel Dinosaurs – Die Vergessene Welt. Jedoch verlegte man auch hier die „Vergessene Welt“, diesmal in die Mongolei.

Der Roman diente lose als Vorlage der Fantasyserie Die verlorene Welt, die von 1999 bis 2002 lief. Darin treten zwar die ursprünglichen Hauptfiguren auf, zusätzlich aber zwei weibliche Nebenrollen. Aufbau und Handlung werden wesentlich verändert: Außer Dinosauriern treten in der Serie auch Hexenmeister, Vampire, Echsenmenschen und sogar Rieseninsekten auf den Plan.

Im Jahr 2000 wurde die Erzählung von Stuart Orme im Zusammenarbeit mit der BBC relativ werkgetreu verfilmt. Die Hauptrollen spielten Bob Hoskins als Professor Challenger, James Fox als Prof. Summerlee, Tom Ward als Lord Roxton und Matthew Rhys als Edward Malone. Hinzugefügt wurden die Charaktere Reverend Theo Kerr (Peter Falk), ein fundamentalistischer Geistlicher, und Agnes Clooney (Elaine Cassidy) als dessen Nichte.

Inwieweit eine der bisher vorgelegten Verfilmungen dem Roman jedoch völlig gerecht wird, wird weiterhin diskutiert.

Hörspiel[Bearbeiten]

  • Die vergessene Welt, Ripper Records 2005, Regie und Bearbeitung: Frank Gustavus

Hörbuch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • R.D. Batory und W.A.S. Sarjeant, „Sussex Iguandon Footprints and the Writing of The Lost World” in: D.D. Gilette und M.D. Lockley (Hrsg.), Dinosaur Tracks and Traces: Cambridge University Press, Cambridge, S. 13–18.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die vergessene Welt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien