Die weiße Hölle vom Piz Palü

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Die weiße Hölle vom Piz Palü
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1929
Länge 139 Minuten
Stab
Regie Arnold Fanck
Georg Wilhelm Pabst
Drehbuch Arnold Fanck
Ladislaus Vajda
Produktion Harry R. Sokal für Sokal Film
Musik Willy Schmidt-Gentner
Kamera Sepp Allgeier
Richard Angst
Hans Schneeberger
Schnitt Arnold Fanck
Hermann Haller
Besetzung

Die weiße Hölle vom Piz Palü ist ein deutsches Bergfilmdrama von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst aus dem Jahr 1929. Es handelt sich um einen Stummfilm.

Handlung[Bearbeiten]

Kino-Aushangfoto des Films Die weiße Hölle vom Piz Palü, 1929

Maria Krafft, die Frau des Bergsteigers Dr. Johannes Krafft, stürzt wegen der Leichtfertigkeit des Paares in eine Gletscherspalte am Piz Palü und stirbt.

Einige Jahre später: Das frischvermählte Paar Hans Brandt und Maria Maioni begibt sich ebendort auf eine Bergtour. Sie quartieren sich in der einsamen Diavolezzaberghütte ein. Der befreundete Kunstflieger Udet wirft ihnen eine Flasche Sekt zum Feiern mit dem Fallschirm hinunter. Die erhoffte Einsamkeit wird durch das Auftauchen des Bergführers Christian und von Dr. Johannes Krafft vereitelt. Krafft, der den Tod seiner Frau nicht verwunden hat, besteigt immer wieder den Piz Palü und versucht die Nordwand alleine zu bezwingen, was ihm aber schon zweimal misslungen ist. Maria fühlt sich zu dem schweigsamen Mann hingezogen. Seine verunglückte Frau hieß ebenfalls Maria.

Am nächsten Tag begibt sich das Paar gemeinsam mit Krafft auf den Weg zur Nordwand des Piz Palü. Eine Gruppe von bergunerfahrenen Studenten folgt ihnen, doch werden sie von einer Lawine in die Tiefe gerissen. Keiner der jungen Männer überlebt.

Hans, dem Marias offensichtliche Zuneigung zu Krafft zunehmend missfällt, möchte beweisen, dass auch er „ein Mann“ ist und übernimmt trotz Kraffts Warnung die Führung der Gruppe. Umgehend stürzt Hans ab, kann aber aufgefangen werden. Krafft bricht sich bei Hans' Rettung ein Bein.

Hereinbrechende Stürme, Steinschlag und Lawinen sowie Kraffts und Brandts Verletzungen machen einen Abstieg unmöglich. Auf einem Felsvorsprung harren die Vermissten drei Tage und Nächte aus. Hans erleidet einen Zusammenbruch und muss gefesselt werden, damit er sich in seiner Verwirrung nicht in die Tiefe stürzt. Dr. Krafft überlässt Hans seine wärmende Jacke. Der Flieger Udet entdeckt sie schließlich, doch die abgeworfenen Fallschirme mit Verpflegung verfehlen ihr Ziel. Aber er kann den Bergrettern die Position der Verunglückten zeigen.

Krafft legt sich in einiger Entfernung in den Schnee, wo er erfriert. Der ausgesendete Rettungstrupp findet das Paar und bringt es ins Tal. Christian findet Kraffts Notizbuch, in welchem er die Nachricht hinterlassen hat, dass man ihn nicht suchen solle.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Piz Palü, gesehen von der Diavolezza

Die Dreharbeiten des Films fanden von Januar bis Juni 1929 in den Schneegebieten des Berninamassivs statt. Arnold Fanck übernahm die Außenaufnahmen in den Bergen, Georg Wilhelm Pabst übernahm die Innendrehs und beriet Fanck bei der Dramaturgie. Die Ausstattung des Films stammt von Ernö Metzner. Die Naturaufnahmen der Berge und Gletscher, Schneestürme und Lawinen gelangen so gut, dass selbst Fachleute nicht an ihrer Echtheit zweifelten.[1] Fanck arbeitete mit seinem bewährten Kamerateam um Sepp Allgeier, Richard Angst und Hans Schneeberger, auch die Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl gehörte bereits seit mehreren Jahren zu Fancks ständigen Mitwirkenden. Mit dem Flieger Ernst Udet drehte er danach noch Stürme über dem Mont Blanc (1930) und SOS Eisberg (1933).

Seine Uraufführung hatte Die weiße Hölle vom Piz Palü am 11. Oktober 1929 in Wien. In Deutschland wurde er erstmals am 1. November des Jahres in Stuttgart gezeigt, offizielle Deutschlandpremiere war am 15. November in Berlin. Der Film wurde in den ersten vier Wochen nach seiner Premiere von mehr als 100.000 Menschen im Berliner UFA-Palast gesehen. Der Film wurde auch international ein Erfolg, 1930 wurde unter dem Titel The White Hell of Piz Palü eine englische Tonfilmfassung hergestellt.

Der Film wurde 1935 gekürzt (unter anderem fielen die Szenen mit dem bereits emigrierten jüdischen Schauspieler Kurt Gerron heraus) und zu einer Tonfassung mit illustrativer Musik von Giuseppe Becce umgearbeitet. Die Originalfassung von 1929 war bis 1996 verschollen. Die aufbereitete Originalfassung ist seit 1998 im Handel erhältlich. Sie enthält auch die vormals entfernten Szenen mit Kurt Gerron. Darüber hinaus wurde sie mit einer neuen Filmmusik unterlegt, die von Ashley Irwin komponiert und vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt wurde.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein Remake des Films entstand 1950 mit dem Titel Föhn unter der Regie von Rolf Hansen mit Hans Albers und Liselotte Pulver in den Hauptrollen.

Eine Anspielung auf den Film gibt es in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds: Lt. Archie Hicox, englischer Spion in Wehrmachtsuniform, erklärt einem SS-Sturmbannführer seinen seltsamen Akzent durch seine angebliche Herkunft vom Fuße des Piz Palü, er habe auch in dem Film mitgespielt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Fanck: Er führte Regie mit Gletschern, Stürmen und Lawinen. Ein Filmpionier erzählt. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1973, 394 S., ISBN 3-485-01756-6
  • Klaus Lippert Die weiße Hölle vom Piz Palü. In Günther Dahlke, Günther Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. Henschel Verlag, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 203 ff. ISBN 3-89487-009-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933, S. 203