Die zweigeteilte Frau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Die zweigeteilte Frau
Originaltitel La Fille coupée en deux
Produktionsland Deutschland, Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2007
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Claude Chabrol
Drehbuch Claude Chabrol
Cécile Maistre
Produktion Patrick Godeau
Musik Matthieu Chabrol
Kamera Eduardo Serra
Schnitt Monique Fardoulis
Besetzung

Der Film Die zweigeteilte Frau (La fille coupée en deux) ist ein Thrillerdrama des französischen Regisseurs Claude Chabrol. Nach seiner eigenen Aussage dienten ihm das Privatleben und die Ermordung des New Yorker Architekten Stanford White im Jahre 1906 als Ausgangspunkt für die Erzählung.[1] Den Titel kann man auch als die Persönlichkeitsspaltung einer Figur zwischen Unschuld und Korrumpierung interpretieren.[2]

Handlung[Bearbeiten]

Die junge und attraktive Gabrielle arbeitet als Wetterfee bei einem Fernsehsender in Lyon. Als sie den Erfolgsautor Charles Saint-Denis kennenlernt, beginnt sie mit dem verheirateten älteren Mann eine leidenschaftliche Affäre. Für Gabrielle ist Charles die große Liebe. Sie ahnt nicht, dass sie für den notorischen Fremdgänger lediglich ein Seitensprung ist und er gar nicht daran denkt, seine Ehe mit Dona zu beenden. Unglücklich, weil von ihm verlassen, tröstet sich Gabrielle in den Armen des reichen Erben Paul Gaudens. Als Charles von der anstehenden Heirat erfährt, sucht er Gabrielle auf, um ihr eine Wiederaufnahme der Affäre anzubieten, was sie empört ablehnt. Paul erweist sich unterdessen als instabil. Zunehmend plagt ihn Eifersucht, insbesondere als Gabrielle ihm Details ihrer Liebschaft erzählt. Er erschießt Charles in aller Öffentlichkeit.

Um Haftminderung für Paul zu erlangen, bittet seine bourgeoise Mutter Gabrielle, dem Gericht doch intime Details ihrer Beziehung zu Charles offenzulegen. Gabrielle macht schließlich eine entsprechende Aussage, um Paul zu helfen – trotz des unweigerlich damit verbundenen Skandals. Paul erhält daraufhin ein milderes Urteil, aber Gabrielle muss feststellen, dass die Familie den Kontakt zu ihr jäh abgebrochen und Paul die Scheidung eingereicht hat. Erst als ihr Onkel ihr einen Job als Assistentin in seiner Zauberschau anbietet, findet sie im Rampenlicht zu ihrem Lächeln zurück.

Bewertungen der Kritik[Bearbeiten]

Die Darstellung des reichen Sohnes durch Benoît Magimel war mehreren Kritikern eine Erwähnung wert. Die österreichischen Blätter Presse und Standard lobten, er gebe eine „köstliche Schnösel-Charge“[2] und übertreibe seine Rolle gekonnt.[1] Für den film-dienst spielt er überdreht eine nicht ernstzunehmende, aber amüsante Gestalt.[3]

Die taz befand, Chabrol, der das Bürgertum feiere wie angreife, habe einen Film vorgelegt, der „zugleich elegant und kühl, spielerisch und philosophisch, intelligent und leicht ist.“[4] Nach dem Urteil der Presse ist es „vermutlich Chabrols schwärzeste Komödie“ seit einem Vierteljahrhundert, die mittels repräsentativer Figuren ein perfektes Abbild einer lächerlichen, perversen Bürgergesellschaft entwickelt.[2] Und nach Einschätzung der Cinema dreht der Regisseur immer noch erfrischend junge Filme: „Chabrol könnte solche Geschichten mittlerweile im Schlaf inszenieren, filmt aber alles andere als verschnarcht: Gewohnt präzise liefert er böse Charakterstudien und schneidende Dialoge.“[5] Als eine mit intellektueller Schärfe erzählte Versuchsanordnung betrachtete die Welt den sehr „klassischen“ Film. Chabrol zeige keine differenzierten Figuren, sondern vorgefertigte Typen, was den Vorteil habe, dass die Tragödie dem Publikum umso unausweichlicher erschiene.[6]

Gemischt fällt das Urteil des Tagesspiegels aus: Nach einem halben Jahrhundert sei das Publikum Chabrols müde, und dieser Film eher einer der schwächeren in seinem Oeuvre. „Er misslingt nicht einmal auf großartige Weise. Aber man wird denkend dabei, also hellwach. […] Und optisch ist er wie so oft bei Chabrol von makellos kühler Eleganz und Perfektion.“ Das Ereignis des Films sei Ludivine Sagnier, die angebliche Ausstrahlung des alten Schriftstellers auf die junge Frau aber nicht nachvollziehbar.[7]

Atmosphärisch dicht und erotisch aufgereizt findet der film-dienst die routinierte Inszenierung des bürgerlich-wohlhabenden Milieus, doch Motivationen und Gefühle der Gestalten blieben vage Behauptungen.[3] Ähnliches bemängelt der Standard: Die Gefühle wirkten wie herbeigeschrieben, Qualitäten zeigten sich nur „in den kleinen Dingen: den Spielereien mit Namen und Bonmots, Gesten und Kostümen.“ Zu seinen ewiggleichen Themen rund um die Bourgeoisie sei Chabrol nichts wesentlich Neues eingefallen.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Gespräche[Bearbeiten]

Kritikenspiegel[Bearbeiten]

Positiv

  • Die Presse, 9. Januar 2008, von Christoph Huber: Niedertracht zum Niederknien (volle Zustimmung zum Gesellschaftsbild)
  • taz, 10. Januar 2008, S. 24, nicht gezeichnete Kurzkritik: „Die zweigeteilte Frau“ von Claude Chabrol

Eher positiv

Gemischt

Eher negativ

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Der Standard, 8. Januar 2008, S. 32, von Isabella Reicher: Im Paradies der Intriganten
  2. a b c Die Presse, 9. Januar 2008, von Christoph Huber: Niedertracht zum Niederknien
  3. a b film-dienst Nr. 1/2008, S. 23, von Esther Buss
  4. taz, 10. Januar 2008, S. 24, nicht gezeichnete Kurzkritik: „Die zweigeteilte Frau“ von Claude Chabrol
  5. Cinema Nr. 1/2008, S. 60, von Karl-Heinz Schäfer
  6. Die Zeit, 10. Januar 2008, von Maximilian Probst: Hübscher Goldfisch im Haifischbecken
  7. Der Tagesspiegel, 10. Januar 2008, S. 25, von Kerstin Decker: Erlöst den Wetterfrosch!