Dietenheim

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Dietenheim in Deutschland, für die gleichnamige Fraktion der Gemeinde Bruneck siehe Dietenheim (Bruneck)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dietenheim
Dietenheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dietenheim hervorgehoben
48.21194444444410.073333333333513Koordinaten: 48° 13′ N, 10° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Alb-Donau-Kreis
Höhe: 513 m ü. NHN
Fläche: 18,76 km²
Einwohner: 6557 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 350 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89165
Vorwahl: 07347
Kfz-Kennzeichen: UL
Gemeindeschlüssel: 08 4 25 028
Adresse der
Stadtverwaltung:
Königstraße 63
89165 Dietenheim
Webpräsenz: www.dietenheim.de
Bürgermeister: Christopher Eh
Lage der Stadt Dietenheim im Alb-Donau-Kreis
Landkreis Biberach Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Heidenheim Landkreis Reutlingen Ulm Allmendingen (Württemberg) Allmendingen (Württemberg) Altheim (Alb) Altheim (bei Ehingen) Altheim (bei Ehingen) Amstetten (Württemberg) Asselfingen Ballendorf Balzheim Beimerstetten Berghülen Bernstadt (Alb) Blaubeuren Blaustein Breitingen Börslingen Dietenheim Dornstadt Ehingen (Donau) Ehingen (Donau) Emeringen Emerkingen Erbach (Donau) Griesingen Grundsheim Hausen am Bussen Heroldstatt Holzkirch Hüttisheim Illerkirchberg Illerrieden Laichingen Langenau Lauterach (Alb-Donau-Kreis) Lonsee Merklingen Munderkingen Neenstetten Nellingen Nerenstetten Oberdischingen Obermarchtal Oberstadion Öllingen Öpfingen Rammingen (Württemberg) Rechtenstein Rottenacker Schelklingen Schnürpflingen Setzingen Staig Untermarchtal Unterstadion Unterwachingen Weidenstetten Westerheim (Württemberg) Westerstetten BayernKarte
Über dieses Bild
Dietenheim, Ansicht von Westen

Dietenheim ist eine Stadt am südöstlichen Rand des Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Dietenheim liegt auf halber Strecke zwischen Ulm und Memmingen an der Iller.

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Da die Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern nicht dem heutigen Verlauf der Iller folgt, sondern etwas westlich davon liegt, an der Stelle, an der der Fluss sich Anfang des 19. Jahrhunderts befand, haben Dietenheim und Regglisweiler bei ihrem Wachstum Richtung Osten bald diese Grenze erreicht. Das führt zu der Besonderheit, dass die Sportanlagen in Regglisweiler, ein kurzes Stück der Landesstraße 260 in Regglisweiler, die Sportanlagen in Dietenheim sowie einige Häuser am östlichen Ortsrand Dietenheims (in der Straße Grenzweg) bereits in Bayern liegen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Süden an Balzheim, im Westen an Wain und Schwendi, beide im Landkreis Biberach, im Norden an Illerrieden und im Osten an die bayrische Stadt Illertissen, wobei hinter der Landesgrenze zunächst ein Streifen liegt, der zum gemeindefreien Gebiet "Auwald" gehört, bevor das eigentliche Gebiet der Stadt Illertissen beginnt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehört neben dem namengebenden Dietenheim der Ortsteil Regglisweiler, der etwa ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl umfasst.[2] Auch das ehemalige Schlossgut Brandenburg, heute eine kirchliche Einrichtung, liegt auf der Stadtmarkung. Hier unternahmen württembergische Separatisten unter Führung einer Gruppe aus Rottenacker im Jahr 1816 den Versuch, eine radikalpietistische Siedlung zu gründen. Als der König von Württemberg die Genehmigung verweigerte, emigrierten die Separatisten nach Ohio und gründeten dort die Siedlung Zoar. Die Gruppe war 1800 auf Anregung der Magd Barbara Grubenmann aus Teufen im schweizerischen Kanton Appenzell Ausserrhoden entstanden, die sich in Rottenacker aufhielt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Dietenheim finden sich ab dem Neolithikum, einer archäologischen Epoche, die im Gegensatz zum vorausgegangenen Mesolithikum mit Sesshaftigkeit und Ackerbau in Verbindung gebracht wird. An der ehemaligen Straße nach Weihungszell wurde beim sogenannten „Stumpengraben“ im Jahre 1908 eine durchbohrte Hammerknaufaxt aus Serpentin gefunden (Länge 12,9 cm).[3] Ebenfalls der Jungsteinzeit zugehörig ist ein aus der südwestlich des Gerthofs gelegenen, eigentlich hallstattzeitlichen Nekropole (siehe unten) stammendes, aus Grünstein hergestelltes Beil (aus Grabhügel 1 im Jahre 1934 geborgen).[4]

Inwieweit die Region um Dietenheim während der Bronzezeit genutzt wurde, ist unbekannt. Die Eisenzeit ist mit zwei Grabhügeln in der Nähe der Kreuthöfe (ca. 1 km von Regglisweiler)[5] und dem oben erwähnten, ehemaligen Grabhügelfeld beim Gerthof vertreten. Die mittlerweile völlig eingeebneten Bodendenkmäler zählten im Jahre 1897 noch 19 Grabhügel in „2 Gruppen – von 8 bis 23 m Durchmesser und bis zu 1 m Höhe“. Bereits im Jahre 1900 schienen alle Hügel durchwühlt gewesen zu sein.[5] Spätere Nachgrabungen erbrachten eine eher geringe Anzahl an Funden, welche die Nekropole aber in die Hallstattzeit datierten. Bei der Bestattungsform handelte es sich durchwegs um Brandbestattungen.[6] Vergleichbare eisenzeitliche Bestattungsplätze liegen im Illertal zum Beispiel bei Kirchberg an der Iller oder vor allem in der Gegend um Tannheim (Württemberg).[7]

Aus römischer Zeit ist eine Münze aus der Zeit von Marc Aurel (zwischen 161 und 180 römischer Kaiser) nordwestlich von Dietenheim gefunden worden.[4] Eine dazugehörige Ansiedlung ist nicht überliefert, doch ist nördlich von Unterbalzheim ein ehemaliger römischer Gutshof mit Resten einer Hypokaustanlage bekannt,[8] Mit der Errichtung des Donau-Iller-Rhein-Limes, vermutlich im 3. nachchristlichen Jahrhundert, fiel das Gebiet um das heutige Dietenheim wohl wieder außerhalb der Reichsgrenzen Roms. Historisch belegt sind in diesem Zusammenhang römische Grenzschutzeinheiten an Iller und Donau, wie z. B. die cohors III Herculea Pannoniorum in Caelius Mons (Kellmünz) oder die cohors V Valeria Frigum in Pinianis, einem unbekannten Kastell im Bereich der Illermündung.[9] Aus dem Mittelalter stammen vermutlich eine Wallanlage aus Regglisweiler („Teufelsgraben“)[5] sowie zwei Wallanlagen auf dem Altenberg bei Dietenheim[6]. Bedauerlicherweise wurde hier erst in jüngster Zeit Schaden durch Raubgrabungen angerichtet.[10]

Regglisweiler um 1920
Ehemaliges Wappen Regglisweiler

Im Jahr 973 wurde Dietenheim erstmals als Töttinheim in einer Urkunde des Klosters Reichenau erwähnt. Bereits um 1280 erhielt Dietenheim das Stadtrecht von den Grafen Hartmann und Otto von Brandenburg, nachdem es in einer Abmachung mit König Rudolf von Habsburg Reichsgut geworden war, mit gleichzeitiger Verlehnung an die Grafen[11] – daher stammt sein Wappen mit habsburgischem Bindenschild und Reichsadler. Von den Grafen Hartmann und Brandenburg geht die Stadt 1313 an Burchart von Ellerbach über. 1446 kauft der Ulmer Patrizier Heinrich Krafft (Ludwigs Bruder) die Herrschaft, die aber schon 1481 an Hans von Rechberg, 1539 an Anton Graf Fugger fällt. In deren Herrschaft blieb die Stadt bis zur Mediatisierung 1806.

Siehe auch: Burg Regglisweiler

Im Dreißigjährigen Krieg soll Dietenheim niedergebrannt worden sein. 1796 sowie 1800 besetzten französische Truppen die Stadt. 1806 fiel die Stadt ans Königreich Bayern, wurde aber schon 1810 dem Königreich Württemberg zugeschlagen, das die vormalige Stadt zur Gemeinde Dritter Klasse zurückstufte und der Landvogtei an der Donau zuschlug. 1818 wurde das Oberamt Wiblingen geschaffen, das 1845 in Oberamt Laupheim umbenannt und 1938 in den Kreis Ulm überführt wurde. In den 1830er Jahren kaufte Johann Gottlieb Freiherr von Süßkind aus Augsburg die Herrschaft Dietenheim, von dem sie über den Erbweg an die Freiherren von Herman auf Wain gelangte.

1953 erhielt der Ort wieder das Stadtrecht verliehen. Bei der Verwaltungsreform 1972 wurde der Kreis Ulm zum Alb-Donau-Kreis vergrößert, und das vormals selbstständige Regglisweiler votiert in einer Abstimmung für eine Fusion mit Dietenheim. Die Eingemeindung Regglisweilers erfolgte am 1. Januar 1972.

Religionen[Bearbeiten]

Die vormals rein katholische Gemeinde verfügt über die 1589 durch Philipp Eduard, Oktavian und Raimund Fugger erbaute und später umgebaute bzw. erweiterte Pfarrkirche St. Martinus sowie die 1841 erbaute Pfarrkirche St. Johannes Baptista in Regglisweiler. Im Stadtteil Regglisweiler befindet sich das Kloster Brandenburg, ein Kloster der Gemeinschaft der Immakulataschwestern vom Seraphischen Apostolat, die mehrere soziale Einrichtungen in der Region betreibt.

Bedingt durch den Zuzug zahlreicher Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1955 eine evangelischen Kirche errichtet.

Des Weiteren besteht eine Neu-Apostolische Gemeinde sowie ein Türkisch-Islamischer-Kulturverein e.V.

Politik[Bearbeiten]

Dietenheim ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Dietenheim, dem neben der Stadt Dietenheim die Gemeinden Balzheim und Illerrieden angehören.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Dietenheim hat 18 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 lag bei 50,2 % und ergab folgende Sitzverteilung:

CDU 54,0 % – 1,7 % 10 Sitze ± 0
Unabhängige/SPD 45,3 % + 1,0 % 8 Sitze ± 0
WGSG 0,7 % + 0,7 % 0 Sitze

Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten, vorne in Rot ein silberner Balken, hinten in Silber ein halber, rot bewehrter schwarzer Adler am Spalt

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die Amtszeit von Sigisbert Straub (CDU) endete am 1. Juni 2012. Neuer Bürgermeister ist seit 16. Juni 2012 Christopher Eh.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Dietenheim liegt an der Anschlussstelle 124 („Illertissen“) der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bundesautobahn 7.

Ebenfalls in der bayerischen Nachbarstadt Illertissen besteht Bahnanschluss in Richtung Ulm beziehungsweise Memmingen.

Medien[Bearbeiten]

In Dietenheim erscheint der Illertal-Bote, der eine Regionalausgabe der Südwest-Presse ist.

Vereine[Bearbeiten]

1313 entstand eine Bürgerwehr, die sich nach ihrer Auflösung während des Dritten Reiches 1949 wieder neu bildete und zusammen mit dem Spielmannszug bei festlichen Anlässen paradiert. Obwohl zu Baden-Württemberg gehörig, tragen sie eingedenk der langen Zugehörigkeit zu den Fuggern die Uniform der Königlich Bayerischen Grenadiere.

Seit 1871 besteht die Freiwillige Feuerwehr Stadt Dietenheim, die ab 1972 auch Stützpunktfeuerwehr für das Illertal ist. Die Freiwillige Feuerwehr Dietenheim ist in die Einsatzabteilungen Dietenheim und Regglisweiler gegliedert. 1970 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet. Nach einer 15-monatigen Bauzeit wurde am 23. Juli 2010 die neue Feuerwache in der Industriestraße in Betrieb genommen.

Seit 1872 besteht der Turnverein Dietenheim.

1901 entstand der Liederkranz Dietenheim, 1905 wurde der TSV Regglisweiler gegründet. Im Jahre 1973 wurde die Ranzenburger Narrenzunft begründet.

Dietenheim war die Heimat des FC Auwald, des (bislang) schlechtesten Fußballvereins Deutschlands. Als höchste Niederlage wird von einem 0:33 berichtet. Die Mannschaft belegte in der C-Klasse Donau zwölf Jahre lang den letzten Platz; absteigen konnte sie nicht, denn es war die niedrigste Liga. Der FC Auwald stellte 1974 den Spielbetrieb ein.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.dietenheim.de/servlet/PB/menu/1216695_l1/index.html
  3. Fundberichte aus Schwaben NF 1 (1922) S. 25 f.
  4. a b Der Stadt- und der Landkreis Ulm. Amtliche Kreisbeschreibung. Hrsg. von der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit der Stadt Ulm und dem Landkreis Ulm (1972) S. 38 f.
  5. a b c Fundberichte Schwaben VIII (1900) S. 13 f.
  6. a b H. Zürn, Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmale und die mittelalterlichen Burgstellen der Kreise Göppingen und Ulm. Veröff. Staatl. Amt Denkmalpfl. Stuttgart A 6 (Stuttgart 1961) S. 20 f.
  7. K. Bittel, W. Kimmig, S. Schiek (Hrsg.), Die Kelten in Baden-Württemberg (Stuttgart 1981) S. 483 ff.
  8. Fundberichte aus Baden Württemberg Band 2. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung. (Stuttgart 1975) S. 219.
  9. W. Czysz, K. Dietz, T. Fischer, H. J. Kellner (Hrsg.), Die Römer in Bayern (Stuttgart 1995) S. 365.
  10. http://423930.forumromanum.com/member/forum/entry_ubb.user_423930.1181191151.1107341090.1107341090.1.raubgrabung_an_roemerschanze_zerstoerung_besonderem_kulturdenkmal-history_coburg.html
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAlwin Sing: Geschichtliches Bergheim. In: Allgemeines zu Bergheim. Abgerufen am 25. Juni 2008.

Literatur (Geschichte)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dietenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien