Dieter Henrich (Philosoph)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieter Henrich (* 5. Januar 1927 in Marburg) ist ein deutscher Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Dieter Henrich machte 1946 sein Abitur am humanistischen Gymnasium Philippinum in Marburg. Von 1946 bis 1950 studierte er Philosophie, Geschichte und Soziologie. in Marburg, Frankfurt und Heidelberg. Im Jahre 1950 wurde er bei Hans-Georg Gadamer an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit der Arbeit über Die Einheit der Wissenschaftslehre Max Webers zum Dr. phil. promoviert.

Henrichs Habilitation folgte 1956 mit der Schrift Selbstbewusstsein und Sittlichkeit. Anschließend lehrte er an verschiedenen Universitäten, als ordentlicher Professor ab 1960 in Berlin und ab 1965 in Heidelberg. Er war von 1968 bis 1986 ständiger Gastprofessor in den USA (Harvard und Columbia) und hatte zudem Gastprofessuren an der Universität Tokio, University of Michigan, Yale. 1981 nahm er eine Berufung nach München an, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 Ordinarius für Philosophie war. Nach seiner Emeritierung von der LMU 1994 leitete er weiterhin die Forschungsstelle Klassische Deutsche Philosophie. Seit 1997 ist er Honorarprofessor der Berliner Humboldt-Universität. Henrich ist unter anderem Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences, seit 1969 Mitglied im Comité directeur der Internationalen Gesellschaft für Philosophie. Ab 1970 war er Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung.

Wirken[Bearbeiten]

Dieter Henrich ist ein international bekannter deutscher Philosoph. Während seine Dissertation über Max Weber noch einen soziologischen Charakter aufweist, wandte er sich danach der historischen Forschung zu. Wie kaum ein anderer Gegenwartsphilosoph konzentrierte er dabei seine Arbeiten auf den deutschen Idealismus. Von besonderem Interesse war dabei für ihn die Möglichkeit der Metaphysik als philosophische Hauptdisziplin.

Henrichs thematische Schwerpunkte liegen bei Kant, Fichte, Schelling und Hegel. Außerdem erforscht er die philosophischen Ansätze Friedrich Hölderlins. Gleichzeitig hat er mit eigenen Argumentationen an die Philosophie dieser Zeit in Untersuchungen über Selbstbewusstsein, zur Ethik und zur Theorie der Kunst angeschlossen. Beachtung fanden auch seine Untersuchungen zu Gedanken von einem Absoluten und zur Begründung einer Metaphysik in der Moderne. Für „seine herausragenden Interpretationen zur Philosophie Immanuel Kants“ erhielt Henrich 2004 den internationalen Kant-Preis der Zeit-Stiftung.

Henrich äußert sich auch regelmäßig zu aktuellen politischen Themen. So setzte er sich nach dem Mauerfall mit den Essays Eine Republik Deutschland (1990) und in Nach dem Ende der Teilung (1993) mit dem Problem einer deutschen Identität auseinander und warb für die Einheit.

Im Kant-Jahr 2004 veröffentlichte Henrich sein historisches Hauptwerk Grundlegung aus dem Ich, in dem er die Genese kantischer Positionen rekonstruierte. In seiner Aufsatzsammlung Die Philosophie im Prozess der Kultur (2006) lieferte Henrich historische und systematische Positionsbestimmungen der Philosophie. In Denken und Selbstsein (2007) griff er die Fragestellung des Verhältnisses des Menschen zu sich selbst auf, das sich als Selbstbewusstsein oder Selbstvergewisserung artikuliere. In Werke im Werden (2011) untersuchte Henrich die Entstehung von philosophischen Konzeptionen.

Mitgliedschaften und Ämter[Bearbeiten]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Einheit der Wissenschaftslehre Max Webers, Tübingen 1952
  • Selbstbewußtsein und Sittlichkeit. Habilitationsschrift (Schreibmaschinenskript), Heidelberg 1956
  • Der ontologische Gottesbeweis, Tübingen 1960
  • Fichtes ursprüngliche Einsicht, Klostermann, Frankfurt am Main 1967
  • Hegel im Kontext. Frankfurt: Suhrkamp, 1971.
  • Fluchtlinien. Philosophische Essays. Frankfurt am Main 1982
  • Selbstverhältnisse. Gedanken und Auslegungen zu den Grundlagen der klassischen deutschen Philosophie. Stuttgart 1982
  • Der Gang des Andenkens. Beobachtungen zu Hölderlins Gedicht. Stuttgart 1986
  • Ethik zum nuklearen Frieden. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1990. ISBN 3-518-58017-5
  • Der Grund im Bewußtsein. Untersuchungen zu Hölderlins Denken (1794/95). Stuttgart: Klett-Cotta, 1992. ISBN 3-608-91613-X (2. erw. Aufl. 2004)
  • Bewußtes Leben. Untersuchungen zum Verhältnis von Subjektivität und Metaphysik, Reclam, Stuttgart 1999
  • Versuch über Kunst und Leben. Subjektivität - Weltverstehen - Kunst. München: Carl Hanser, 2001. ISBN 3-446-19857-1
  • Fixpunkte. Abhandlungen und Essays zur Theorie der Kunst. Frankfurt: Suhrkamp, 2003. ISBN 3-518-29210-2
  • Grundlegung aus dem Ich. Untersuchungen zur Vorgeschichte des Idealismus. Tübingen - Jena 1790-1794. Frankfurt: Suhrkamp, 2004. ISBN 3-518-58384-0
  • Die Philosophie im Prozeß der Kultur. Frankfurt: Suhrkamp, 2006. ISBN 978-3-518-29412-3
  • Denken und Selbstsein. Vorlesungen über Subjektivität. Frankfurt: Suhrkamp, 2007. ISBN 978-3-518-58481-1 (Rezension)
  • Werke im Werden. Über die Genesis philosophischer Einsichten, C.H. Beck: München, 2011. ISBN 978-3-406-60655-7

Weblinks[Bearbeiten]