Dietmar Hahlweg

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Dietmar Hahlweg, 2009

Dietmar Hahlweg (* 31. Dezember 1934 in Jagatschütz, Landkreis Trebnitz) ist ein deutscher Politiker (SPD) und war von 1972 bis 1996 Oberbürgermeister der Stadt Erlangen.

Lebenslauf bis zum Amt des Oberbürgermeisters[Bearbeiten]

Dietmar Hahlweg wurde im niederschlesischen Dorf Jagatschütz geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnte er mit seiner Familie in Oberfranken. Nach dem Abitur 1953 studierte Hahlweg von 1953 bis 1957 Rechtswissenschaften in Bonn, München und Erlangen. 1960 promovierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen folgte 1961/62 ein Auslandsaufenthalt an der Universität Pittsburgh.

Hahlweg war ab 1964 Beamter beim Landratsamt Erlangen. 1971/72 leitete er das Amt für Planung und Bauaufsicht bei der Regierung von Mittelfranken.

Dietmar Hahlweg ist verheiratet. Die Fernsehmoderatorin Barbara Hahlweg ist seine Tochter.

Oberbürgermeister der Stadt Erlangen (1972 bis 1996)[Bearbeiten]

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Hahlweg trat erstmals 1971 als Kandidat der SPD für das Amt des Erlanger Oberbürgermeisters an, unterlag mit 48,1 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Heinrich Lades. Bei der ein Jahr später wegen der Gebietsreform notwendig gewordenen Neuwahl des Oberbürgermeisters gewann er klar mit 56,4 Prozent gegen Lades. Bei seinem Amtsantritt war er mit 37 Jahren jüngster Oberbürgermeister Bayerns.

Bei den Oberbürgermeister-Wahlen 1978 (57,9 Prozent unter anderem gegen Gerd Lohwasser (CSU)), 1984 (59,4 Prozent unter anderem gegen Gerd Lohwasser) und 1990 (57,4 Prozent unter anderem gegen Joachim Herrmann (CSU)) wurde Hahlweg in allen Fällen im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Bei der Oberbürgermeisterwahl 1996 verzichtete Hahlweg auf eine erneute Kandidatur und schied zum 30. April 1996 aus seinem Amt aus. Zu seinem Nachfolger wurde Siegfried Balleis (CSU) gewählt.

Umweltpolitik[Bearbeiten]

Zu einem Markenzeichen der Politik Dietmar Hahlwegs wurde seine „Überzeugung der Gleichwertigkeit von Ökologie und Ökonomie“.[1] Dies führte zu einer am Umweltgedanken orientierten Stadtentwicklung mit umweltfreundlicher Verkehrspolitik und Landschafts- und Gartenplanung. Vor allem die konsequente Förderung des Radverkehrs brachten Erlangen den Ruf einer „Radfahrerstadt“ ein. Aber auch andere Maßnahmen unter Dietmar Hahlweg wie die Modernisierung der Kläranlage, der Ausbau des Fernwärme- und Erdgasnetzes und die Direkteinspeisung von Solarstrom in das Netz der Stadtwerke führten zur Aufnahme Erlangens in die UN-Ehrenliste „Global 500“ und die Vergabe des Titels „Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz“ durch die Deutsche Umwelthilfe sowohl 1990 als auch 1991.

Ostpolitik[Bearbeiten]

Der Sozialdemokrat Hahlweg bemühte sich ebenfalls, die Ostpolitik Willy Brandts auf kommunaler Ebene zu unterstützen. Dazu gehörten Veranstaltungen wie „Begegnung mit Polen“ (1976) oder die Aufnahme von Verhandlungen über eine Städtepartnerschaft mit Wladimir in der damaligen Sowjetunion. Diese führten 1987 ebenso zum Erfolg wie die Verhandlungen mit Jena.[1]

Verschuldung[Bearbeiten]

In den 24 Jahren seiner Amtsführung als Oberbürgermeister stiegen die Schulden der Stadt Erlangen von 52,33 Millionen Euro 1972 auf 181,83 Millionen Euro 1996, was einer Zunahme um 244 Prozent entspricht. Dies ist umso erstaunlicher, da seit 1974 die Schulden der städtischen Eigenbetriebe und seit 1978 auch die Schulden der städtischen Krankenhäuser nicht mehr in der Statistik der Schulden der Stadt mitgerechnet werden. Während der Amtszeit Hahlwegs stiegen die Schulden der eigentlich reichen Stadt Erlangen damit deutlich stärker als im selben Zeitabschnitt die durchschnittlichen Schulden aller bayerischen Großstädte (Erlangen gilt seit 1974 als Großstadt) und ebenfalls deutlich stärker als im selben Zeitabschnitt die durchschnittlichen Schulden der bayerischen Mittelstädte.

Deutscher Städtetag[Bearbeiten]

Hahlweg war Mitglied einiger Ausschüsse des deutschen Städtetages und dessen Vertreter im Ausschuss der Regionen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Dietmar Hahlweg hat in seinem Leben eine Vielzahl von Auszeichnungen erhalten. 1981 erhielt er den Naturschutzpreis des Bundes Naturschutz in Bayern. Seit 1991 ist er Ritter der französischen Ehrenlegion, 1993 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Seit 1995 ist er Träger des Bayerischen Verdienstordens. Er ist außerdem Ehrensenator der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Für seine Verdienste um die Stadt Erlangen wurde Dietmar Hahlweg bei seinem Ausscheiden aus dem Amt 1996 die Ehrenbürgerwürde Erlangens verliehen.

Im selben Jahr erhielt er auf dem Comic-Salon Erlangen den Max-und-Moritz-Preis als „Spezialpreis“ der Jury. „Diesem Mann, der nicht einmal expliziter Comic-Fan genannt werden will, ist es zu verdanken, daß der Erlanger Comic-Salon zu dem werden konnte, was er heute ist: ein Comic-Festival mit Weltruf.“ (Raphael Wünsch 1996)[2]

Überregional bekannt wurde Dietmar Hahlweg durch die Erlanger Fun-Metal-Band J.B.O., da er in ihrem Lied Der Weiße Hai im Dechsendorfer Weiher erwähnt wird.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2 (online).
  • Schweigert, Walter/Treuheit, Klaus (Herausgeber): … daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist … 120 Jahre Sozialdemokratie in Erlangen, Erlangen 1990

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dietmar Hahlweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Klaus Springen: Der Weg in die Gegenwart, in: 1000 Jahre Erlangen, Sonderausgabe der Erlanger Nachrichten
  2. Raphael Wünsch: Internationaler Comic-Salon Erlangen 1996. In: Hinter-Net!. Abgerufen am 15. November 2009.