Dietwil

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Dietwil
Wappen von Dietwil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4231i1f3f4
Postleitzahl: 6042
Koordinaten: 672386 / 22255347.1499968.393061433Koordinaten: 47° 9′ 0″ N, 8° 23′ 35″ O; CH1903: 672386 / 222553
Höhe: 433 m ü. M.
Fläche: 5.49 km²
Einwohner: 1285 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 234 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.dietwil.ch
Dietwil

Dietwil

Karte
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Dietwil (schweizerdeutsch: Diettel, ˈdiətːəl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal und ist die am südlichsten gelegene Gemeinde des Kantons. Früher hiess die Gemeinde zur Unterscheidung vom luzernischen Grossdietwil auch Kleindietwil oder Dietwil im Reusstal. Nicht zu verwechseln mit der bernischen Gemeinde Kleindietwil.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt rund eineinhalb Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt auf einem Moränenhügel. Dieser befindet sich am Fusse des Ibergs, der die westliche Gemeindegrenze und zugleich die Grenze zum Seetal bildet. Die Ebene zwischen dem Dorf und dem Fluss ist völlig flach, der Fluss selbst wird durch einen Hochwasserschutzdamm und einen dahinter verlaufenden Entwässerungskanal begrenzt. Etwa zweihundert Meter vom Flussufer entfernt liegt der Weiler Eien. An den Hängen des Ibergs liegen mehrere verstreute Einzelhöfe.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 549 Hektaren, davon sind 94 Hektaren bewaldet und 49 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich auf 538 m.ü.M., der tiefste auf 400 m.ü.M.

Nachbargemeinden sind Oberrüti im Norden, Risch im Osten, Honau im Südosten, Inwil im Süden und Sins im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1236 wurde Tuerwile erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Engelberg erwähnt, wobei es sich hier aber um eine Falschschreibung von Tuetwile handelt. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Tuotinwilari und bedeutet «Hofsiedlung des Tuoto».[3] Im Mittelalter gehörte das Dorf zum habsburgischen Amt Meienberg.

1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte die Luzerner Familie von Moos die niedere Gerichtsbarkeit erworben. 1422 verkaufte sie diese an die Stadt Luzern, die damit einen grossen Einfluss auf das Dorf ausüben konnte, obwohl es rechtlich gesehen zum gemeinsamen Besitz der Eidgenossen gehörte. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Dietwil war eine Gemeinde im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Während des Sonderbundskriegs von 1848, der schliesslich zur Gründung des schweizerischen Bundesstaates führte, hatten die Zürcher in Dietwil ihr Heerlager errichtet, als sie gegen Luzern vorrückten. Deren Anführer versuchte, Leute aus dem Dorf anzuwerben, doch die Dietwiler verhielten sich neutral und ergriffen für keine der beiden Seiten Partei. 1863 zwang der Kanton die Gemeinde Dietwil, Zigeuner einzubürgern, die während der napoleonischen Kriege aus Weissrussland geflohen waren. Bis etwa 1900 verkehrten zwei Fähren über die Reuss.

Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb Dietwil ein kleines Dorf, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte. Viele Jahrzehnte lang stagnierte die Bevölkerungszahl. Doch dann sorgten die Eröffnung der Autobahn A14 in unmittelbarer Nähe sowie die Nähe zu den Agglomerationen von Luzern und Zug für einen Wachstumsschub. Das Dorf entwickelte sich zu einer Wohngemeinde und die Bevölkerungszahl nahm innerhalb von 25 Jahren um fast zwei Drittel zu.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche und Pfarrhaus

Die älteste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche St. Jakobus Major und St. Barbara stammt aus dem Jahr 1145. Ein erster Neubau erfolgte 1456; aus dieser Zeit blieben die Grundmauern des Kirchturms erhalten. 1780/81 wurde die Kirche vollständig neu gebaut. Dadurch entstand eine barocke Saalkirche, die als eine der ersten Kirchen im Aargau klassizistische Elemente aufweist.[5] Neben der Kirche stehen die Beinhauskapelle (1780) und das Pfarrhaus (1821); sie bilden zusammen eine historische, von einer Mauer umschlossene Gebäudegruppe.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt von Weiss mit kreuzförmigem schwarzem Schildbeschlag und von Blau.» Die Farben Blau und Weiss erinnern an die engen Bindungen des Dorfes zur Stadt Luzern. Der kreuzförmige Schildbeschlag stammt vom Wappen der Herren von Eschenbach, den Stiftern der Dietwiler Kirche. Das Wappen wurde 1936 eingeführt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 794 560 600 624 634 633 633 846 1023 1215

Am 31. Dezember 2013 lebten 1285 Menschen in Dietwil, der Ausländeranteil betrug 12,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 77,6 % römisch-katholisch und 11,8 % reformiert; 2,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 96,7 % gaben Deutsch als Hauptsprache an.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Dietwil gehört zum Friedensrichterkreis Sins.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Dietwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 lediglich etwa 160 Arbeitsplätze, davon 51 % in der Landwirtschaft, 9 % in der Industrie und 40 % im Dienstleistungssektor.[10] Es gibt Holz- und Metallverarbeitungsbetriebe, eine Käserei und zwei grössere Gärtnereien. Der überwiegende Teil der erwerbstätigen Bevölkerung verdient seinen Lebensunterhalt allerdings in den Agglomerationen der Städte Luzern und Zug.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptstrasse LenzburgLuzern führt mitten durch Dietwil. Hier verkehrt auch eine Buslinie der Gesellschaft Busbetriebe Seetal-Freiamt (seit 2004 Teil der Zugerland Verkehrsbetriebe) zwischen den Bahnhöfen Sins und Gisikon-Root. Etwas mehr als zwei Kilometer südlich liegt der Anschluss Root der Autobahn A14.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dietwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 128–129.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1130 und 1131, Swisstopo
  5.  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 140.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Hrsg.: Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Hrsg.: Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Hrsg.: Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Hrsg.: Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.